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Von der Modellregion zum Erfolgsmodell: Mit der Produktion von Elektrofahrzeugen von Mercedes-Benz und Borgward baut Bremen seine E-Mobility-Kompetenz weiter aus.

EQ-Modell von Mercedes-Benz
© WFB / Frank-Thomas Koch

Tradition, Technik und Trends: Am Automobilstandort Bremen kommt seit jeher alles zusammen, seit fast 80 Jahren hat sich Bremen insbesondere mit den Marken Mercedes-Benz und Borgward einen Namen gemacht. Nun gehen beide Hersteller einen weiteren großen Schritt, indem sie die Produktion ihrer E-Autos – dem Mercedes-Benz-Modell EQ und dem Borgward BX7 – in Bremen vorbereiten. Schon 2018 bzw. 2019 sollen die ersten elektrisch betriebenen Autos aus den Werkshallen rollen.

Mit der Produktion der Elektrofahrzeuge und der damit verbundenen Ansiedlung von Borgward wird nicht nur der Industriestandort Bremen gestärkt, sondern die E-Mobility-Kompetenz der gesamten Region ausgebaut. Bremen hat sich besonders in der Automotive-Forschung zu einem Zentrum wissenschaftlicher Exzellenz in Nordwestdeutschland entwickelt. Bremen und Oldenburg bildeten seit 2009 eine von neun Modellregionen in Deutschland, die Mobilitätskonzepte der Zukunft entwickeln. Die letzten Projekte wurden 2015 abgeschlossen. Projektkoordinatoren waren das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM). Ein stetig wachsendes Netzwerk aus Herstellern, Zulieferern und Forschungseinrichtungen, unterstützt von Politik und Wirtschaft, treibt E-Mobility als zukunftsträchtige Technologie voran.


Bestes Beispiel dafür ist die Fachkonferenz „Auto Digital“. Ende Oktober 2016 hatte der Weser-Kurier zusammen mit Kooperationspartnern wie der Daimler AG und der WFB erstmals dazu eingeladen. Auf der Konferenz drehte sich alles um Digitalisierung, Vernetzung und Wertschöpfung im aktuellen Automobilbau. Rund 200 hochkarätige Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft waren der Einladung gefolgt und tauschten sich über die Chancen und Herausforderungen aus, vor denen die Automobilbranche angesichts von Elektromobilität und Digitalisierung steht.

Erstes Serienmodell der neuen Produktmarke EQ von Mercedes-Benz wird in Bremen produziert

Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG, nutzte den Anlass und verkündete erstmals in der Öffentlichkeit, dass das erste EQ-Modell in Bremen gebaut wird. EQ steht für Electric Intelligence. Das Serienmodell basiert auf dem EQ-Showcar, das erstmals im September 2016 auf der „Mondial de l’Automobile 2016“ in Paris vorgestellt wurde. Es hat unter anderem zwei Elektromotoren, permanenten Allradantrieb und eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern.

„Emissionsfreie Automobile sind die Zukunft. Und ich freue mich, dass wir für die Serienfertigung unseres ersten elektrischen EQ-Modells auf das Bremer Werk vertrauen können. Es liefert uns maximale Flexibilität, hohe Geschwindigkeit sowie von Anfang an Mercedes-Qualität auch für unsere Elektro-Modell.“

Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG

Mercedes-Benz Cars plant im Zuge der Elektro-Offensive, bis 2025 mehr als zehn voll elektrische Fahrzeuge auf dem Markt zu haben. Die neuen Elektrofahrzeuge können innerhalb des bestehenden globalen Produktionsnetzwerks mit Standorten auf vier Kontinenten gebaut werden. Bremen macht nun den Anfang. Mit mehr als 12.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das Mercedes-Benz Werk Bremen größter privater Arbeitgeber in der Region. Aktuell werden am Standort zehn Modelle produziert, 2015 liefen rund 325.000 Fahrzeuge hier vom Band, Tendenz steigend.

Der EQ von Mercedes-Benz
EQ steht für Electric Intelligence – das erste Serienmodell der neuen Produktmarke soll ab Ende dieses Jahrzehnts im Mercedes-Benz Werk Bremen produziert werden. © WFB / Frank-Thomas Koch

Für die Entscheidung von Daimler, das EQ-Modell in Bremen zu bauen, war der Gewerbepark Hansalinie mit seinen Erweiterungsmöglichkeiten ein wichtiges Argument. Ende Oktober 2016 hat der Bremer Senat die Voraussetzungen dafür geschaffen, in dem er der Finanzierung der weiteren Erschließung in der zweiten Baustufe und der Planung der dritten Baustufe zugestimmt hatte. Aktuell sind im Gewerbepark mehr als 80 Unternehmen mit 3.400 Beschäftigten angesiedelt, ein Großteil von ihnen sind Zulieferer und Dienstleister für die Automobilindustrie.

Zuliefererindustrie auch für Borgward entscheidend

Bremen, Brandenburg oder Stuttgart? Diese drei Standorte hatte die Borgward Group AG in die engere Wahl genommen, als es darum ging, einen geeigneten Produktionsstandort in Deutschland zu finden. Die Entscheidung fiel letztendlich für Bremen: Infrastruktur, logistische Anbindung, insbesondere an den Überseehafen, Verfügbarkeit von Fachkräften sowie die Wirtschaftlichkeit und Attraktivität des Standorts waren die Faktoren, mit denen Bremen gepunktet hat – und ganz besonders auch die Zuliefererindustrie. Neben Continental, Kuka, Schäffler/SKF, BorgWarner und Webasto werden bei der Produktion vollelektrischer Fahrzeuge auch Bosch und der Elektronikkonzern LG für Batterien eine wichtige Rolle spielen.

„Borgward und Bremen haben die einmalige Chance, einen Neuanfang zu starten und ich kann das Lebenswerk meines Großvaters fortführen. “

Christian Borgward, Enkel des Firmengründers Carl F.W. Borgward und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Borgward Group AG

Nach mehr als 50 Jahren wird Borgward wieder Autos in Bremen produzieren: Der genaue Standort – ob Bremen oder Bremerhaven – steht noch nicht fest. Aber in jedem Fall wird ab 2017 zunächst die Fertigungshalle mit rund 10.000 Quadratmetern Grundfläche gebaut, ab 2018 soll dann die Produktion beginnen. „Mit diesem Schritt bekennen wir uns zu Deutschland als Industriestandort und zu unserer eigenen Herkunft“, sagt Ulrich Walker, Vorstandsvorsitzender der Borgward Group AG. „Mit unserer Rückkehr nach Bremen schlagen wir die Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft.“ In der Anfangsphase investiert Borgward einen zweistelligen Millionenbetrag, plant mit zunächst 50 bis 100 Arbeitsplätzen und einer SKD-Fertigung mit einer Kapazität von bis 10.000 Fahrzeugen pro Jahr. SKD bedeutet, dass die halbgefertigten Autos aus China kommen und in Bremen Batterien, Stoßfänger, Elektromotor und Scheinwerfer montiert werden. Erstes Modell aus Bremen wird der BX7 sein.

Schlüsselübergabe Borgward und Bremen
Bremen meets Borgward – Schlüsselübergabe im Rathaus: (v. l.) Wirtschaftssenator Martin Günthner, Borgward-Aufsichtsratsvorsitzender Christian Borgward und Vorstandsvorsitzender Ulrich Walker. © WFB / Frank Pusch

„Borgward ist eine starke deutsche Marke, die nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat“, sagt Christian Borgward, Enkel des Firmengründers Carl F.W. Borgward und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Borgward Group AG. Im März 2015 hatte sich die Borgward AG erstmals mit ihren Plänen auf dem Genfer Automobilsalon präsentiert. Auf der IAA im Herbst 2015 wurden dann der BX7 und die Sportversion BX7 TS vorgestellt, in Genf 2016 folgten weitere Modelle und im Frühjahr 2016 dann der Produktions- und Verkaufsstart in China. In den ersten vier Monaten verkaufte Borgward in China mehr als 15.000 Fahrzeuge und lag damit über den eigenen Erwartungen.

Der Borgward BX 7
Gemäß der Ankündigung von Borgward, zunächst mit elektrisch angetriebenen SUV- Modellen in Europa zu starten, wird das Premierenmodell aus Bremer Fertigung ein Borgward BX7 mit vollelektrischem Antrieb sein. © BORGWARD Group AG


Das neue Kapitel einer langen Geschichte

Borgward und Bremen: Das erste Kapitel dieser Geschichte begann bereits 1928, als die Goliath-Werke Borgward & Co. GmbH von Carl Friedrich Wilhelm Borgward gegründet wurden. 1938 eröffnete er das neu gebaute Werk in Sebaldsbrück, das die ersten Borgward-Limousinen produzierte. Nach Ende des zweiten Weltkrieges begann Borgward mit der LKW-Produktion sowie ab 1948 seine Erfolgsgeschichte mit den drei Marken Lloyd, Goliath und Borgward, später kamen Hansa und Isabella hinzu. Anfang der 1950er Jahre lag die Borgward-Gruppe nach VW und Opel auf dem dritten Platz der deutschen Zulassungsstatistik, um 1960 war Borgward mit rund 20.000 Mitarbeitern das größte Industrieunternehmen in Bremen. Insgesamt rollten mehr als eine Million Fahrzeuge aus den Werkshallen, bis das Unternehmen 1961 Konkurs anmeldete. Carl F.W. Borgward starb 1963 im Alter von 72 Jahren.

Borgward-Raute auf dem Bremer Marktplatz
© WFB / Frank Pusch

Dass die Marke auch heute noch beliebt und bekannt ist, ist unter anderem auch dem Borgward-Club Bremen zu verdanken. Dieser wurde 1981 gegründet und hat heute rund 120 Mitglieder mit mehr als 200 Fahrzeugen. Mit großer Sorgfalt pflegen sie ihre Fahrzeuge der Borgward-Gruppe (Borgward, Hansa, Lloyd und Goliath) und präsentieren sie bei Ausfahrten, Ausstellungen wie zum Beispiel der Bremen Classic Motorshow sowie anlässlich der Borgward-Pressekonferenz Ende Oktober 2016 auf dem Domshof – selbstverständlich formiert zu einer Borgward-Raute.


Weitere Informationen zum Automotive-Standort Bremen finden Sie hier auf unserer Seite.

 Ansprechpartner zum Thema Automotive & Logistik ist Jörg Kautzner, Tel.: 0421 9600 324, joerg.kautzner@wfb-bremen.de

Ansprechpartner zum Thema Automotive & Digitalisierung ist Kai Stührenberg, Tel.: 0421 9600 325, kai.stuehrenberg@wfb-bremen.de

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