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13.2.2017 - Merle Burghart

Bremen hebt ab: Warum Bremen ein ausgezeichneter Luft- und Raumfahrt-Standort ist

Luft- und Raumfahrt
Diese 5 Punkte machen die Hansestadt zu einem Experten der Branche
Ariane 6 Rakete
Ariane 6 © Airbus Safran Launchers Holding

Am Himmel zuhause: Bereits vor über hundert Jahren begann mit den Flugpionieren Focke die Geschichte der Bremer Luftfahrt. Seit der Gründung der ERNO (Entwicklungsring Nord) Raumfahrttechnik GmbH setzt Bremen weltweit Maßstäbe in der Luft- und Raumfahrt, ob in Wissenschaft oder Wirtschaft. Stadt und Land sind sich über die Relevanz des stetig wachsenden Wirtschaftszweiges einig. Gezielt fördern sie das Innovationscluster. Zukunftstechnologien und Vorzeigeprojekte wie Galileo-Satelliten und Ariane-Raketen tragen den Stempel „Made in Bremen“. 2018 richtet das kleinste Bundesland zum zweiten Mal den IAC, den internationalen Weltraumkongress, aus. Die Hansestadt ist aus der Spitze der internationalen Luft- und Raumfahrt-Standorte nicht mehr wegzudenken.

Mehr als 140 Unternehmen und 20 Institute mit über 12.000 Beschäftigten erwirtschaften einen Jahresumsatz von über vier Milliarden Euro. Gemessen an der Einwohnerzahl verfügt Bremen über die höchste Dichte an Weltraum-Know-how pro Kopf in Deutschland. Die Hansestadt ist der größte Luft- und Raumfahrtstandort Deutschlands.

Bremer Flügelausrüstung Airbus
Airbus Flügelausrüstung in Bremen © Airbus

Bremens Erfolgsrezept in fünf Punkten:

1. Von Bremen in die Welt

Airbus, OHB SE, Materialise und Rheinmetall Defence Electronics sind nur einige Beispiele namhafter Größen der in Bremen angesiedelten Unternehmen aus der Branche.
Rund 4.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am Bremer Airbus-Standort in den verschiedenen Unternehmensbereichen der Airbus Group beschäftigt. Das Hochauftriebszentrum von Airbus hat seinen Sitz in Bremen – die interdisziplinäre Plattform für Hochauftriebs-Systeme aller Airbus-Flugzeuge. Von der Flugphysik über die Entwicklung bis hin zu Fertigung und Montage findet hier alles statt.
In dem Werk am Flughafen werden unter anderem die Landeklappen aller Airbus-Modelle sowie die Flügel für die Langstreckenflugzeuge A330 und A350 XWB mit Elektrik, Hydraulik und beweglichen Teilen ausgerüstet. Aktuelle Forschungsprojekte des Flugzeugbauers sind zum Beispiel der 3D-Metalldruck und die Erprobung von Cobots.

Das deutsch-französische Unternehmen ArianeGroup ist am Bau der Oberstufe der Ariane 5-Rakete beteiligt. Nachfolgerin Ariane-6 wird ebenfalls den Stempel „Made in Bremen“ tragen.
OHB SE gehört zu den drei führenden Raumfahrtunternehmen Europas. Unter dem Dach des Bremer Unternehmens werden Galileo-Satelliten entwickelt und getestet. Zehn von 14 Galileo-Satelliten im All stammen von OHB SE.

Mit diesen Einrichtungen kann Bremen sich sehen lassen und präsentiert sich selbstbewusst in der Öffentlichkeit: Als Ausrichterin internationaler Messen wie Space Tech Expo begrüßt die Hansestadt Gäste aus aller Welt. 2018 ist Bremen zum zweiten Mal Gastgeberin des IAC. Der International Aeronautical Congress findet vom 1. bis 5. Oktober 2018 an der Weser statt.

Galileo Sateliten
Zehn von 14 Galileo-Satelliten im All stammen von OHB SE © OHB SE

2. Ein Think Tank für den Leichtbau – das Entwicklungszentrum EcoMaT

Das Entwicklungszentrum EcoMaT ist Bremens Leuchtturmprojekt in der Luft- und Raumfahrtbranche. EcoMaT, das steht für „Center for Eco-efficient Materials & Technologies“ und öffnet Anfang 2019 seine Türen in der Bremer Airport-Stadt. Leichtbau- und Materialentwicklung sowie Verarbeitung und Prüfung gehen hier Hand in Hand. Die Idee: Die Mieter nutzen gegenseitig ihre Labore und Versuchsstände, diskutieren Ergebnisse miteinander und schaffen gemeinsam neues Wissen. Alles unter einem Dach eben.

Das EcoMaT ist ein Kooperationsmodell, das über die Gebäudeinfrastruktur hinausgeht, es steht für die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Gebiet der Materialforschung.


                                                                                                                                                                                                     Martin Günthner, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen

Airbus, die TESTIA GmbH und das Faserinstitut Bremen e.V. (FIBRE) sind die Hauptmieter des 22.000 Quadratmeter umfassenden Gebäudes. Aber auch industrielle Partner wie Daimler und Broetje-Automation sind vor Ort. Von Seiten der Wissenschaft sind das DLR und das Fraunhofer IFAM ansässig.

Visualisierung des Leichtbauzentrums EcoMaT
Das Forschungs- und Technologiezentrum EcoMaT bündelt die in Bremen vorhandenen Kompetenzen von Wirtschaft und Wissenschaft im Bereich Leichtbau © Büro huber staudt architekten BDA

3. Förderung von Beginn an – mit klugen Köpfen dem Fachkräftemangel vorbeugen


Die Forschung und Entwicklung der Branche sind durch nationale und internationale Programme geprägt – viele davon mit sehr langer Laufzeit. Lokal wird die Luft- und Raumfahrtbranche zudem durch das Luft- und Raumfahrtforschungsprogramm LuRaFo2020 unterstützt. Herausforderungen liegen im Erhalt und Ausbau von spezifischen Kompetenzen und darin, neue Technologien frühzeitig zu beherrschen. Die Universität Bremen, Norddeutschlands einzige Exzellenz-Universität, drei Hochschulen des Landes Bremen sowie die Jacobs University forschen im Bereich Luft- und Raumfahrt und bilden qualifizierte Nachwuchskräfte aus. Die internationalen Raumfahrt-Masterstudiengänge „Space Sciences and Technologies“ (Space-ST) und „Space Engineering“ (SpE) können seit Wintersemester 2017/2018 an der Uni Bremen studiert werden.

Einzigartig in Bremen ist das GymProLuR – das Gymnasiale Oberstufenprojekt für Luft- und Raumfahrt. Durch die Kooperation zwischen Bremer Gymnasien, der Hochschule Bremen und der Senatsbehörde können interessierte Schülerinnen und Schüler bereits während ihrer Schulausbildung in die Branche hineinschnuppern. Durch Vorträge, Projektarbeiten und Praktika sammeln sie Einblicke und praktische Erfahrungen in der Luft- und Raumfahrtbranche. Für den Standort birgt dies den Vorteil, junge Talente und Fachkräfte früh zu erkennen und zu fördern.
Darüber hinaus beteiligen sich vier Bremer Schulen an der Ausrichtung des Deutschen CanSat-Wettbewerbs. Er ist in den internationalen Wettbewerb der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) eingebunden.

Orion ESM
Orion ESM © Airbus Defence and Space

In Bremen besteht ein breites Angebot an Ausbildungsberufen und Studiengängen. So entscheiden sich junge Nachwuchskräfte häufig am norddeutschen Standort zu bleiben. Neben Ingenieur- und Werkstoff- sowie Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bremen bietet insbesondere die Hochschule Bremen duale und spezifische Bachelor- und Masterstudiengänge in der Luft- und Raumfahrt an.

Nicht zu vergessen: die Förderung aufstrebender Start-ups. Bremen richtet internationale Veranstaltungen zum Thema New Space aus, wie das SpaceUp, das Start-up Weekend Space und der Disrupt Space Summit. Das Angebot von lokalen Informationen und Unterstützungen an die Bremer Start-up Szene firmiert unter einem Dach. Luft- und Raumfahrt Start-ups sind somit in ein funktionierendes Start-up Ökosystem mit vielen funktionierenden öffentlichen und privaten Aktivitäten eingebettet.
Durch die gezielte Förderung junger Talente von Anfang an beugt Bremen dem Fachkräftemangel der Branche vor und fördert neue Themen in der Luft- und Raumfahrtbranche.

4. Gut vernetzt: Kompetenzen bündeln und Erfolg durch Kooperation

Unter dem Motto „mehr Innovation und Wettbewerbsstärke durch Kooperation in der Luft- und Raumfahrtbranche“ arbeiten Aerospace-Bremen bei der WFB im Auftrag des Senators für Wirtschaft, Arbeit und Häfen und der AVIASPACE BREMEN e.V. im Rahmen des Luft- und Raumfahrtclusters Bremen eng zusammen. Zulieferer, Produktionsunternehmen und Forschungseinrichtungen werden vom Luft- und Raumfahrtcluster des Landes Bremen betreut. Die Interessengemeinschaft der Region fungiert vor Ort als Mittler zwischen Wirtschaft, Forschung, Politik und Verwaltung. Die Akteure des Clusters werden bei der Anpassung und dem Ausbau von Kompetenzen nicht nur regional sondern auch national unterstützt. Gemeinsam mit Baden-Württemberg und Bayern wurden unter anderem Empfehlungen zur Ministerratskonferenz der ESA erarbeitet. Das Cluster vertritt die bremischen Interessen auch bei diversen Arbeitsgruppen wie beispielsweise dem SatNav Forum, der SupplyChain Excellence Initiative, Innospace, European Satellite Navigation Competition (ESNC).

Das Luft- und Raumfahrtcluster Bremen agiert weit über Deutschlands Grenzen hinaus. International kooperiert es unter anderem mit Verbänden wie European Aerospace Cluster Partnership (EACP), Enterprise Europe Network (EEN), der International Astonautical Federation (IAF), dem German Canadian Concourse, dem Network of European Regions Using Space Technologies (NEREUS) und Women in Aerospace EUROPE (WIA).

International Space Station
International Space Station © Airbus Defence and Space

5. Infrastruktur: kurze Wege – gebündelte Kompetenz

Kurze Wege werden immer wieder als Bremens Stärke angeführt: Die geringen Distanzen zeigen sich im engen Zusammenspiel von Wirtschaft, Bildungsträgern und Wissenschaft.

Aber auch räumlich sind die kurzen Wege wörtlich zu nehmen: Mit der Airport-Stadt und dem Technologiepark haben sich zwei Standorte mit gebündelter Luft- und Raumfahrt-Kompetenz entwickelt.
Die Airport-Stadt und der städtische Flughafen liegen in unmittelbarer Nähe zueinander und nur wenige Autominuten vom Bremer Stadtzentrum entfernt. Über 16.500 Beschäftige in über 500 Unternehmen sind hier tätig. Globalplayer wie Airbus sind ebenso vertreten wie aufstrebende Start-ups im Gründerzentrum. In der Airport-Stadt wird unter anderem die Oberstufe der Trägerrakete Ariane 5 bei Airbus Safran Launchers fertiggestellt.
Der Bremer Technologiepark gehört zu den führenden Technologie-Standorten Deutschlands. Wirtschaftliche Größen wie Siemens und OHB befinden sich in unmittelbarer Nähe zu renommierten wissenschaftlichen Einrichtungen: Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Fraunhofer Institut oder die Universität Bremen, arbeiten mit über 15 weiteren Instituten Seite an Seite zum Thema Luft- und Raumfahrt. Mittendrin: das Wahrzeichen des Technologieparks, der europaweit einzigartige Fallturm. Hier werden im ZARM Verfahren und Materialien in der Schwerlosigkeit getestet.


Bremer Fallturm
Bremens Wahrzeichen: Der 122 Meter hohe Fallturm des ZARM - Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation ist europaweit einzigartig © WFB/Frank Pusch


Weitere Informationen über Innovationen in der Raumfahrt erhalten Sie bei Dr. Barbara Cembella, Clustermanagerin Raumfahrt, T +49 (0) 421 9600-340, barbara.cembella@aviaspace-bremen.de.

Für Informationen im Bereich Luftfahrt wenden Sie sich an Andreas Eickhoff, Clustermanager Luftfahrt, T +49 (0) 421 361-32179, andreas.eickhoff@wah.bremen.de.

Über das EcoMaT erhalten Sie grundlegende Auskünfte von Bastian Müller, Projektleiter EcoMaT, T +49 (0) 421 361-32292, bastian.mueller@wah.bremen.de.

Wenn Sie sich für eine Ansiedlung in Bremen interessieren kontaktieren Sie Andreas Gerber, T +49 (0) 421 9600-123, andreas.gerber@wfb-bremen.de.

Mehr über die Bremer Kompetenzen im Bereich Luft- und Raumfahrt erfahren Sie im Interview mit Dr. Peter Vits, Landeskoordinator für Luft- und Raumfahrt.

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