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18.3.2019 - Reinhard Wirtz

Neuer Ansatz für e-Mobilität in Bremen

Automotive
Das Start-up UZE Mobility plant den Aufbau einer Flotte von Elektrofahrzeugen in der Hansestadt
Das UZE Mobility Team: (v.l.n.r.) Dr. Dr.-Ing. Alexander N. Jablovski, CEO & Co-Founder, und Sebastian Thelen CDO & Co-Founder
(v.l.n.r.) Dr. Dr.-Ing. Alexander N. Jablovski, CEO & Co-Founder, und Sebastian Thelen CDO & Co-Founder © UZE

Das Startup UZE Mobility, eine Ausgründung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, hat sich entschieden, seine Firmenzentrale in Bremen einzurichten. Bereits Ende vergangenen Jahres hatten die ersten Mitarbeiter ein Übergangsquartier im Technologiepark Universität Bremen bezogen. Nun wird das Unternehmen in der Admiralstraße in Findorff seinen endgültigen Standort herrichten.

UZE Mobility will Städte von Abgasen, Lärm und Verkehr entlasten. Dazu analysiert das Unternehmen Fahrzeug-, Verkehrs- und Umgebungsdaten über Sensorik-Vorrichtungen (UZE Boxen), die in den eigenen sowie in Verkehrsmitteln anderer Anbieter eingebaut werden. Mit diesen Daten können Werbetreibende exakt plazierte Werbung schalten. Über die Erlöse soll der kostenlose Verleih von e-Fahrzeugen an Privatpersonen und Unternehmen finanziert werden.

Der gebürtige Bremer Dr. Dr. Alexander Jablovski, CEO und Geschäftsführer von UZE Mobility, hat mit seinem Team ausgiebig recherchiert, bevor die Entscheidung für Bremen fiel. Andere Städte, darunter Hamburg und Dortmund, standen dabei zeitweise ebenfalls im Fokus. Aber schließlich konnte rasch entschieden werden: „Man hat uns in Bremen sehr schnell in Kontakt mit den richtigen Leuten gebracht, um eine Immobilie zu finden, auch mit den richtigen Leuten an der Universität sowie in der Wirtschaftsförderung“, berichtet Alexander Jablovski. Die Kommunikation im Innovationsnetzwerk habe gut funktioniert. Diese positive Erfahrung habe wesentlich zu der Standortentscheidung beigetragen.

Kreuz und quer durch Bremen

Anschließend füllten sich die Terminkalender von Alexander Jablovski und Mitgeschäftsführer (CDO) Sebastian Thelen in kurzer Zeit. Auf der Agenda standen unter anderem eine Fahrt mit einem UZE-Team im gecharterten Bus kreuz und quer durch Bremen, um die Hansestadt näher kennenzulernen. Ein Prototyp des geplanten Leihfahrzeugs wurde nach Bremen beordert, Gesprächstermine beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr vereinbart, Kontakt zu Jörg Freiling, Professor für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship an der Universität Bremen aufgenommen. Auch mit der Hochschule Bremen und der Jacobs University sollen Kooperationen entstehen. Und schließlich galt es, im Gespräch mit der Bremer Peper & Söhne Projekt GmbH auszuloten, wie ein UZE-Base-Camp aussehen könnte, von dem aus die geplante e-Logistik-Flotte in naher Zukunft ausgerollt werden soll. „Wir haben begonnen, mit weiteren Mobilitätsunternehmen in Bremen Kontakt aufzunehmen. Das betrifft auch Partner für Lastenräder und Lastenroller. Sie können gemeinsam mit uns dieses Base-Camp planen“, berichtet der UZE-CEO.

Inkubator für weitere Start-ups

Alexander Jablovski brennt für sein Projekt, soviel ist sicher. Und gern verweist er auf seine internationalen Erfahrungen und Fachkontakte, die ihm helfen sollen, seine komplexen Projekte in Bremen erfolgreich zu realisieren. Dazu zählt auch die Einrichtung eines Inkubators. Jablovski: „Ich habe in den vergangenen Jahren in einem Tier-1-Unternehmen mit einem Umsatz von fünf Milliarden US-Dollar Inkubatoren aufgebaut - in Monterrey in Mexiko, im Silicon Valley in den USA und an der RWTH Aachen. Dabei wurden neue Ideen gesucht, die eventuell zu neuen Business-Modellen werden könnten. In Bremen wird es genauso sein. Wir werden neue Ideen suchen, die neue UZE-Cases werden könnten. Wir werden aber auch offen sein für Menschen, die eine neue erfolgversprechende Start-up-Idee haben, die aber nicht so geschult sind, diesen Ansatz tatsächlich in ein Start-up zu überführen. Diese Partner wollen wir in einem zusätzlichen Inkubator begleiten, um sie als Firma groß werden zu lassen.“ UZE Mobility verfügt nach eigener Aussage über ein weltweites Experten-Netzwerk, das für den geplanten Inkubator in Bremen genutzt werden soll. Dazu zählen auch ein neues Verbindungsbüro am Massachusetts Institute of Technology in Boston (MIT) und eine gleichartige Anlaufstelle im kalifornischen Silicon Valley.

Cashflow aus Daten

Mit Mobilität und Logistik vermarktbare Daten und so auch einen Cashflow zu generieren, daran arbeiten inzwischen weltweit Techniker, Wissenschaftler und Geschäftsleute. Ein Professor am MIT hat zum Beispiel jetzt einen kleinen Sensor entwickelt, der mehr als 80 verschiedene Themen im Umfeld aufnehmen kann, beschreibt Alexander Jablovski den Ansatz. Die miniaturisierte Mess-Sensorik und entsprechende Übertragungswege für die erhobenen Daten ließen es zu, beispielsweise exakt darzustellen, welche Pollen zu einem gegebenen Zeitpunkt an einem genau definierten Ort vorzufinden seien. Wenn 150 oder 200 Fahrzeuge mit entsprechenden Sensoren in einem Stadtgebiet unterwegs seien, lasse sich die Pollensituation meter- und kundengenau analysieren. Ähnliches gelte für Wetter- und andere Daten. Es gebe zahlreiche Ideen für die mobile Datenerhebung, an denen UZE gerade arbeite. Mit der ersten geplanten Anwendung, der Ausstattung der Fahrzeuge mit digitaler Werbung, funktioniere das UZE-Fahrzeug bereits „kostenneutral für den Endkunden“. Mit jeder weiteren Anwendung, die hinzugefügt werde, könnten weitere Einnahmen erzielt werden.

Leihfahrzeuge zum Nulltarif für die Nutzer

Leihfahrzeuge zum Nulltarif - das klingt verlockend für den Kunden. Wird die Nutzung wirklich kostenlos sein? Eine entscheidende Frage, auf die UZE immer wieder angesprochen wird. UZE Mobility-Geschäftsführer Sebastian Thelen sieht es so: „Wir reden nicht über kostenlos, sondern über kostenneutral. Für den Endnutzer wird das Fahrzeug ohne irgendeine Gebühr buchbar und nutzbar sein. Aber kostenlos ist nichts auf dieser Welt. Wir sammeln ja Daten ein. Eine Zeitung hat uns mal identifiziert als das 'Google der Straße', und als 'App-Store der Straße'. Und genau das ist ja unser Prinzip. Indem die Autos sich bewegen, strahlen sie Daten aus. Das ist die digitale Werbung. Oder wir sammeln Daten ein. Damit generieren wir Cashflows. Für den Endnutzer soll das kostenlos sein, das ist richtig.“ Die Daten sollen zudem mit Messpunkten in der Umwelt einen Grundstock für die Vernetzung der tragfähigsten e-Mobilitätslösungen auch anderer Anbieter bilden und so weitere datengetriebene Geschäftsmodelle hervorbringen. „Wir freuen uns sehr auf ein neues Unternehmen in Bremen, das neue, innovative Mobilitätslösungen auf die Straße bringt. Das wird Bremen als Innovationsstandort auch insgesamt weiter stärken“, sagt Martin Günthner, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen der Freien Hansestadt Bremen. Im Rahmen der Initiative „Smart-Digital-Mobil“ sowie über die Aktionsbereiche des Masterplans „Green City“ unterstützt Bremen UZE Mobility dabei, neue Konzepte zu entwickeln.

„Mit den Aktivitäten zu neuen Mobilitätskonzepten wie der Zukunftsinitiative `Smart-Digital-Mobil´ und dem Masterplan `Green City´ hat uns Bremen als Innovationspartner und starker Standort überzeugt.“ Dr.Dr.Alexander Jablovski

„Wir sind der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) und der Förderbank BAB sehr dankbar für die große Unterstützung bei unserer Ansiedlung und für ihre Offenheit für neue Ideen. Mit den Aktivitäten zu neuen Mobilitätskonzepten wie der Zukunftsinitiative `Smart-Digital-Mobil´ und dem Masterplan `Green City´ hat uns Bremen als Innovationspartner und starker Standort überzeugt, um unsere Lösungen zu entwickeln, zu testen und schließlich zu vermarkten“, erklärt UZE-CEO Alexander Jablovski. Bleibt zu fragen, was Bremen strukturell, also verkehrspolitisch, tun könnte, um zu dem neuen Ansatz von UZE Mobility „kompatibel“ zu werden? Alle Städte sollten sich intensiver auf Elektrofahrzeuge einstellen, findet man bei UZE Mobility. Aber die Hansestadt sei in der Gesamtplanung in vielerlei Hinsicht weiter und offener als viele andere Städte, habe man erfreut festgestellt. So seien die BSAG und die SWB sofort auf UZE Mobility zugegangen. Auch zur Zech Group habe es frühzeitig Kontakte gegeben. „Es gibt viele Menschen, die Bremen wirklich in die Zukunft der Mobilität bringen wollen. Einer allein wird die Situation nicht verändern können. Wenn aber viele in die gleiche Richtung wollen, dann können wir tatsächlich etwas bewegen. Und das ist wohl hier in Bremen so gegeben.“

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