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20.3.2019 - Anne-Katrin Wehrmann

Wie ein Holzpodest die internationalen Konzertsäle erobert

Erfolgsgeschichten

Eine Erfindung aus Bremen begeistert Musiker in aller Welt

Die Suche nach dem perfekten Klang beschäftigt Matthias Beltinger, Solo-Kontrabassist der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, schon sein Leben lang. Zusammen mit dem Bremer Tischler Bernhard Prösler ist er seinem Ideal nun ein gutes Stück näher gekommen. Die beiden haben ein Resonanz-Podest entwickelt, das die Instrumente, die darauf gespielt werden, deutlich transparenter und klarer klingen lässt. Die Nachfrage ist groß.

Matthias Beltinger präsentiert das von ihm und Tischler Bernhard Prösler entworfene Klang-Podest.
Matthias Beltinger, Solo-Kontrabassist der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, präsentiert das von ihm und dem Tischler Bernhard Prösler entworfene Klang-Podest. © WFB/Focke Strangmann

Spezialanfertigung für einen tauben Solisten

Ein Spezialauftrag ist Matthias Beltinger bisher am meisten unter die Haut gegangen. Im Oktober 2018 reiste er nach Puerto Rico, um dem Musiker Hector Tirado ein Resonanz-Podest auszuliefern. Matthias Beltinger, Solo-Kontrabassist der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, und der Bremer Tischler Bernhard Prösler haben gemeinsam ein Podest entwickelt, das den Klang der auf ihnen gespielten Instrumente hörbar verbessert. Ein solches wollte Tirado haben. Tirado ist Kontrabassist, so wie Beltinger auch. 

Den Klang über die Fußsohlen wahrnehmen

Aber Tirado ist nicht irgendein Musiker: Er ist von Geburt an taub und spielt sein Instrument, indem er sich an dessen Schwingungen orientiert. Der Solist nimmt die Vibration der Saiten nicht nur mit seinen Fingern wahr, sondern spürt den Klang mit seinem ganzen Körper – auch mit den Fußsohlen, weswegen er vor dem Musizieren immer die Schuhe auszieht und in Strümpfen spielt. „Wir haben ihm ein speziell auf sein Gewicht abgestimmtes Podest angefertigt, bei dem die Holzplatte möglichst dünn ist, damit er die Schwingungen so gut wie möglich spürt“, erläutert Beltinger. „Er sagt, dass sich sein Spiel durch das Podest verändert hat und dass ihn das sehr glücklich macht. Das ist schon eine berührende Geschichte.“

Experimente zur Klangverbesserung

Dass ihre Erfindung einmal einem tauben Musiker helfen würde, war nicht abzusehen, als Matthias Beltinger und Bernhard Prösler vor einigen Jahren begannen, ihr Resonanz-Podest zu entwickeln. Die Idee dazu sei aus dem Bedürfnis nach dem optimalen Klang heraus entstanden, sagt der 57-jährige Beltinger. In seinem Musikerleben experimentierte er immer wieder mit unterschiedlichen Bögen und Saiten, um aus seinem Kontrabass das Beste herauszuholen. Irgendwann wurde ihm klar, dass auch der Boden, auf dem das Instrument steht, den Klang beeinflusst. Doch die normalen Podeste, die üblicherweise in Konzertsälen, Orchestergräben und Kirchen zum Einsatz kommen, sind allein zur Erhöhung gebaut: Einfache Holz- oder Kunststoffkästen, die den Klang nur hart reflektieren. „Da habe ich mir gedacht: Mit gutem Holz müsste sich da doch etwas machen lassen“, erläutert Beltinger.

Detailverliebt bei der Arbeit: Tischler Bernhard Prösler.
Detailverliebt bei der Arbeit: Tischler Bernhard Prösler. © WFB/Focke Strangmann

Unterschied ist auch für Laien zu hören

So geriet er an den Bremer Tischler Bernhard Prösler, der ebenfalls ein Perfektionist bei der Arbeit und mit einer Detailverliebtheit ausgestattet ist, die das Projekt schnell voranbrachte. Es begann eine lange Experimentierphase mit unterschiedlichen Hölzern und Formen, doch der Klang verbesserte sich praktisch sofort. „Darum wussten wir von Anfang an, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, meint der 62-jährige Prösler. Herausgekommen ist eine zerlegbare und daher transportfähige Holzkonstruktion, die aus einer Platte, mehreren Rahmenteilen sowie 16 Schrauben besteht und die das Duo „Resonanz-Podest“ getauft hat. Für Orchester-Podeste verarbeitet Prösler hochwertiges Nadelholz, für Solisten-Podeste sogenanntes Tonholz, das auch beim Instrumentenbau zum Einsatz kommt. Instrumente, die auf den Podesten gespielt werden, klingen klarer und transparenter. Der Klang wird hörbar gut in den Raum projiziert. „Den Unterschied hören auch musikalische Laien“, betont der Tischler. „Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.“

Begeisterte Rückmeldungen

Seit etwa drei Jahren sind die Podeste nun im Verkauf, für den Vertrieb hat Matthias Beltinger eigens ein Unternehmen mit dem Namen „Resonanzio“ gegründet. Prösler, der seinen Schwerpunkt ursprünglich im Möbelbau hatte, verbringt inzwischen die Hälfte seiner Arbeitszeit mit dem Bau von Resonanz-Podesten. Denn in der Musikwelt sprachen sich ihre hervorragenden Klangeigenschaften schnell herum, die Nachfrage ist groß. So stehen die Holzbauten aus Bremen mittlerweile in namhaften internationalen Konzerthäusern wie der Elbphilharmonie Hamburg oder der Philharmonie Luxembourg und werden von renommierten Orchestern wie dem London Symphony Orchestra oder den New York Philharmonic genutzt. Begeisterte Rückmeldungen wie die von Johannes Seidl, Solo-Kontrabassist des Gürzenich Orchesters Köln, sind keine Seltenheit. In der akustisch schwierigen Interimszeit der Kölner Oper seien die Podeste die „ersehnte Rettung“, lässt der Musiker wissen: „Endlich wieder ein kraftvoller und transparenter Klang und pure Spielfreude für die Bassgruppe des Gürzenich Orchesters.“ Und auch Star-Dirigent Sir Simon Rattle findet nur lobende Worte: „Wir haben den Unterschied sofort bemerkt: der Bassklang ist fokussiert, präsent und transparent. Ein wirklicher Genuss.“

Prösler (rechts) verbringt ca. die Hälfte seiner Arbeitszeit mit Resonanz-Podesten. Für den Vertrieb hat Beltinger das Unternehmen „Resonanzio“ gegründet.
Prösler (rechts) verbringt ca. die Hälfte seiner Arbeitszeit mit Resonanz-Podesten. Für den Vertrieb hat Beltinger das Unternehmen „Resonanzio“ gegründet. © WFB/Focke Strangmann

Langlebig, stabil und knarzfrei

Bei all dem Erfolg bleibt Tischler Prösler bescheiden. „Für mich als Handwerker ist es schön zu sehen, wenn es läuft“, stellt er schlicht fest. Und tatsächlich ist sein handwerkliches Geschick – zusammen mit seiner Experimentierfreude und dem hohen Anspruch an die eigene Arbeit – einer der wesentlichen Gründe für den Erfolg des Resonanz-Podests. „Wir hören immer wieder, dass die Podeste hervorragend verarbeitet sind“, betont sein Kompagnon Matthias Beltinger. „Deswegen sind sie langlebig, stabil und vor allem auch knarzfrei: Das ist für die Musiker besonders wichtig. Denn im Konzert ist es manchmal sehr still, da darf dann kein anderes Geräusch zu hören sein.“ Darüber hinaus kommt bei den Nutzern gut an, dass die in Trapezform gefertigten Podeste ein ansprechendes Design haben und somit auch optisch etwas hergeben. „Es ist schon erstaunlich, dass wir im 21. Jahrhundert ein reines Holzprodukt präsentieren konnten, das den Klang tatsächlich deutlich verbessert“, meint Beltinger, der sein eigenes Resonanz-Podest aktuell noch zu seinen Konzerteinsätzen in aller Welt mitnimmt. Doch der Solo-Kontrabassist hat einen Traum: „Ich wünsche mir, dass die Podeste irgendwann in jedem Konzertsaal stehen. Dann müssen wir uns um den Transport keine Gedanken mehr machen.“


Pressekontakt:

Matthias Beltinger, Resonanzio, Telefon +49 (0)177 235 84 64, E-Mail: kontakt@resonanzio.de.


Bilddownload:

Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

Foto 1: Matthias Beltinger, Solo-Kontrabassist der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, präsentiert das von ihm und Tischler Bernhard Prösler entworfene Klang-Podest. © WFB/Focke Strangmann

Foto 2: Detailverliebt bei der Arbeit: Tischler Bernhard Prösler. © WFB/Focke Strangmann

Foto 3: Prösler (rechts) verbringt mittlerweile ungefähr die Hälfte seiner Arbeitszeit mit Resonanz-Podesten. Für den Vertrieb hat Beltinger das Unternehmen „Resonanzio“ gegründet. © WFB/Focke Strangmann


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