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12.5.2020 - Anna Kehl

Wie Bremer Unternehmen in der Corona-Krise helfen

Coronavirus
Diese Firmen aus Bremen unterstützen in der Pandemie

Dass ein Virus einmal große Bereiche der Wirtschaft und des menschlichen Lebens zum zeitweisen Erliegen bringt, hätte noch vor wenigen Monaten niemand erwartet. Inzwischen befinden wir uns mittendrin in einer Krise, die ganze Märkte aus dem Gleichgewicht bringt – die Nachfrage nach Masken, Desinfektionsmittel & Co. übersteigt fast überall die verfügbare Ware. Innovative Ideen und Zusammenhalt sind in dieser Situation noch stärker gefragt als sonst: Viele Bremer Unternehmen stellten ihre Produktion auf Schutzvisiere, Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel um oder spendeten begehrtes Material in der Corona-Krise.

© pixabay

Seit Beginn der Pandemie eines der Produkte, die in deutschen Drogeriemärkten dauerhaft vergriffen sind: Desinfektionsmittel. Hier hilft die Brauerei Anheuser-Busch InBev Deutschland und produziert neben ihrer beliebten Biermarke Beck’s in Bremen nun vermehrt Desinfektionsmittel. Für die Reinigung der Brauanlagen nutzte das Unternehmen schon vor COVID-19 hochprozentigen Alkohol aus eigener Herstellung. Mittlerweile entsteht hier das 50-fache des Eigenbedarfs – die Mitarbeitenden füllen täglich rund 1.000 Flaschen Desinfektionsmittel in stilechtem Beck’s-Design ab. Diese verschenkt die Brauerei nun kistenweise an lokale Organisationen und Unternehmen, deren Bedarf in der aktuellen Situation am dringendsten ist.

Auch die Brennerei „Piekfeine Brände“ aus der Überseestadt hilft in der Krise: Inhaberin Birgitta Schulze van Loon verkauft ihren Vorrat an hochprozentigem Neutralalkohol, der zur Herstellung von Desinfektionsmittel benötigt wird. Damit verzichtet die Bremerin auf einen großen Teil der Jahresproduktion ihrer edlen Liköre und Obstbrände. Zusätzlich will sie selbst Alkohol durch die Vergärung von Zucker produzieren, um weiterhin helfen zu können, auch wenn die Vorräte aufgebraucht sind. 

Weniger Expertise mit hochprozentigen Spirituosen besitzen die Mitarbeitenden der Ariane Group, stattdessen sind sie weltweit an der Spitze des Weltraumtransports. Die Bremer Raketenentwickler ließen sich davon nicht beirren und nutzten die bewährte Möglichkeit der Spende. Desinfektionsmittel und weitere Serviceleistungen von der Ariane Group gingen beim Bremer Corona-Krisenstab ein.

Infektionsschutz aus dem 3D-Drucker

Noch begehrtere Krisenware ist – spätestens seit Einführung der deutschlandweiten Maskenpflicht im Handel und in öffentlichen Verkehrsmitteln – der so genannte Mund- und Nasenschutz. In diesen Wochen wirken zahlreiche Bremer Unternehmen mit kreativen Ideen und Spendenaktionen dem Mangel an Masken entgegen. Mit modernster Technik geht man die Sache bei der BEGO an: Normalerweise beliefert das Unternehmen Zahnlabore mit Zahnersatz aus dem 3D-Drucker. Stattdessen druckt die BEGO nun durchsichtige Schutzvisiere mit seitlichen Bügeln, die von den Augen abwärts das ganze Gesicht bedecken. Außerdem im Sortiment: ein „verlängerter Finger“ und ein Türöffner. Beide verhindern den direkten Hautkontakt mit Türgriffen und Knöpfen wie beispielsweise an Aufzügen. Die kleinen Helfer erleichtern besonders in größeren Firmen und Einrichtungen die betrieblichen Abläufe während der Pandemie. Auf der firmeneigenen Webseite stellt die Bremer Goldschlägerei ihre Design-Dateien für den 3D-Druck der nützlichen Tools kostenlos zur Verfügung. Auch die Firma Materialise bietet eine Druckdatei für einen Türöffner zur freien Nutzung an.

Nachdem der Bremer Krisenstab Corona zur Spende von Schutzausrüstung aufgerufen hatte, entwickelte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit einem Komitee des Krisenstabs, bestehend aus Vertreter*innen der Feuerwehr, Polizei und des Gesundheitsressorts, ein Gesichtsschutzvisier. Auch hier sind Expertinnen und Experten im 3D-Druck am Werk. Das 3D-Druck-Verfahren fertigt einzelne Bauteile Schicht für Schicht und ermöglicht dadurch, flexibel auf Veränderungen in der Krisensituation zu reagieren und die Produktion entsprechend anzupassen. Weitere Gestelle für die Schutzvisiere liefern die Universität Bremen, die Hochschule Bremen, das Faserinstitut Bremen e.V. (FIBRE) und die Wilhelm Lippold GmbH & Co. KG.

Um einen Beitrag gegen Corona zu leisten, stellt die BEGO unter anderem kostenlose Design-Dateien für den DIY 3D-Druck nützlicher Tools zur Infektionsvermeidung zur Verfügung – wie zum Beispiel diese 3D-gedruckten Schutzbrillen. © BEGO

Die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft ist in Bremen nicht neu, brachte sie der Hansestadt einst ihren Titel als Stadt der Wissenschaft ein. In der Corona-Pandemie zeigt sich verstärkt, welche Bedeutung dem Technologietransfer zuteil wird.

Auch das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) kooperiert mit der Uni Bremen bei der Herstellung von Infektionsschutz aus dem 3D-Drucker: Zwölf Halterungen für Gesichtsschutzvisiere nehmen hier täglich Form an. Diese kommen dem medizinischen Personal im Klinikum Bremen-Nord im Kampf gegen neue Corona-Infektionen zu Hilfe. Tatsächlich benötigt das Klinikum nur die Halterungen der Schutzvisiere von extern – die Visiere stellt das Krankenhaus selbst her. Ganz ähnliche Gesichtsschutzvisiere sind auch bei der Marahrens Group neu im Sortiment, die eigentlich Firmen- und Verkehrsschilder herstellt. Außerdem entwickelten die Mitarbeitenden hier einen Spuckschutz aus Kunststoff und Acrylglas, der in Zeiten von Corona jede Supermarktkasse ziert.

… und von Hand genäht

Bremen erkannte schon früh seine Kompetenz in der Schlüsseltechnologie des 3D-Drucks, die in der Pandemie nun verstärkt zu Nutzen kommt. Natürlich tragen aber auch viele Firmen ohne solche Technologien zum Infektionsschutz bei. In den meisten Fällen bedeutet das: nähen, nähen, nähen. Besonders gut darin sind die Schneiderinnen und Schneider der Schauspielhäuser. Das Theater Bremen verwertet eigene Stoffreste, benötigt aber für die Produktion weiterer Masken zusätzlich Stoffspenden aus reiner Baumwolle, wie zum Beispiel ausrangierte Bettwäsche und Laken. Spenden können montags bis freitags zwischen 7 und 18 Uhr an der Bühnenpforte abgegeben werden. Solange der Spielbetrieb eingestellt ist, schneidern auch die Mitarbeitenden der Kostümabteilung am Stadttheater Bremerhaven Mundschutzmasken für das Pflegepersonal. Bereits in der ersten Woche entstanden hier 400 handgefertigte Masken. Auch die Theaterschneiderei der bremer shakespeare company näht Masken, seitdem die Vorhänge auf den Bremer Bühnen geschlossen bleiben.

© pixabay

Zahlreiche Unternehmen folgten dem Spendenaufruf des Bremer Krisenstabs

Wo die eine selbst zu Nähmaschine und Stoff greift, nutzt der andere seine Kontakte zu Lieferanten und anderen Stakeholdern zur Beschaffung von Krisenmaterial. An dieser Stelle möchten wir auf Bremer Unternehmen aufmerksam machen, die im großen Stil Atemschutzmasken und Einweghandschuhe für den Bedarf in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen spendeten. Und das sind nicht wenige:

Schutzkleidung per Luftfracht 

5.000 Schutzmasken für den Bremer Corona-Krisenstab flogen mit Unterstützung der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH außerdem direkt aus China ein – eine Spende der chinesischen Community in Bremen. Aktiv beteiligt an der Koordination ist das Bremer Übersetzungs- und Dolmetschbüro China Dialog, das bereits Transport und Übergabe weiterer Spenden organisiert.

Eine weitere Ladung mit ganzen 70 Tonnen Schutzkleidung, darunter Gesichtsmasken und Einweganzüge, erreichte per Luftfracht die Hansestadt. Die Lieferung organisierte der Blumenthaler Ortsamtsleiter Peter Nowack zusammen mit Freund*innen und Geschäftspartner*innen aus Deutschland und China. Dass die Boeing 777 mit Schutzkleidung an Bord auf dem Neuenlander Feld landen konnte, war ein Zusammenspiel vereinter Kräfte - auch weil das Flugzeug ein ungewöhnlich großer Gast am Bremer Flughafen war.

Wir sind begeistert von so viel Einsatz – jede Idee und jede Spende hilft!

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