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26.2.2019 - Jann Raveling

Darf ich vorstellen? Pepper – der intelligente Roboter aus Bremen

Digitalisierung / Industrie 4.0
Blackout Technologies entwickelt Roboter mit künstlicher Intelligenz

Blackout Technologies entwickelt Robotersoftware mit künstlicher Intelligenz. Sie sind in Europa bisher das einzige Unternehmen, welches wahrhaftig intelligente Persönlichkeiten für Roboter anbietet - sie hören auf wohlklingende Namen wie "Pepper" und "Luna". Im Bremer World Trade Center programmiert das Team die Software – und wächst schnell. Denn die Nachfrage ist riesig.

Der Roboter Luna begrüßt Besucherinnen und Besucher der Sparkassenfiliale in der Bremer Neustadt
Der Roboter Luna begrüßt Besucherinnen und Besucher der Sparkassenfiliale in der Bremer Neustadt © Sparkasse Bremen

Große, schwarze Augen, hüfthoch, mit einnehmendem Lächeln und angenehmer Frauenstimme – so begrüßt „Luna“ Besucherinnen und Besucher der Stadtteilfiliale Neustadt der Sparkasse Bremen. Luna ist ein Roboter und seit Oktober 2018 im Einsatz. Sie nimmt Kunden in Empfang, beantwortet einfache Fragen oder lässt sich in Smalltalk über Werder Bremen verwickeln. „Das erleichtert den Beraterinnen und Beratern die Arbeit – sie können sich ganz auf das Beratungsgespräch konzentrieren“, lobt Marc Fiedler stolz.

Der Robotervater hat Blackout Technologies zusammen mit seiner Kollegin Lisa Fischer Anfang 2017 gegründet. Auch die Kundinnen und Kunden der Sparkasse sind begeistert, Luna ist Teil des Teams geworden. Erstmals aufmerksam wurde die Sparkasse auf die Bremer Roboexperten, als diese 2018 den Gründerpreis Bremen gewannen.

„Luna kann nicht nur Menschen erkennen und sich mit ihnen unterhalten, sie schätzt auch ihr Alter, Geschlecht und ihren Gemütszustand ein und reagiert entsprechend. Sie hat eine eigene Persönlichkeit!“, erläutert Fiedler. Blackout ist ein Pionier im Bereich Social Robotics – Roboter, die mit Menschen interagieren und ihnen im Alltag oder im Büro helfen sollen.

Social Robotics mit Blackout Technologies: Neuland betreten

Das Feld ist noch jung, gerade im Westen gibt es kaum Unternehmen, die sich mit Social Robotics befassen. In Japan schon eher, dort sind bereits über 10.000 Roboter vom Typ „Pepper“ verkauft worden – der Roboter, auf dem „Luna“ von der Sparkasse basiert. „Die Japaner sind verrückt nach ihr“, so Fiedler. Der Hersteller des Körpers, der Elektronik und der Steuerung des Maschinenmenschen: Softbank Robotics aus Frankreich.

Was die bremische Pepper, Luna und ihre Artgenossinnen und Artgenossen aus der Blackout-Schmiede so einzigartig macht, ist ihr Herz: die Software. „Ohne eine intelligente Software ist ein Roboter nur ein simpler Automat“, erzählt der 33-jährige. Die Bremer Tüftler haben den Roboterkörper mit den Datenbanken künstlicher Intelligenzen (KI) wie etwa IBM’s „Watson“ oder Microsoft „Azure“ verbunden. Dank der Rechenpower dieser Cloud-Netzwerke und den schlauen Algorithmen hinter den KIs kann die bremische Luna Sprachanfragen verarbeiten, ihren Sinn verstehen und entsprechende Antworten formulieren. Das können ihre asiatischen Pendants bei weitem nicht so gut.

„Persönlichkeiten für Roboter, die uns im Alltag begegnen, mit uns kommunizieren, sich weiterentwickeln, sowas ist schon einzigartig. Wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Vision so gut angenommen wird und mehr und mehr Menschen auf uns zukommen, um so etwas auch in ihr Unternehmen einzubringen“, so Fischer. Inklusive der beiden Gründer sind sie mittlerweile zu zehnt.

Pepper – im Einsatz für die Menschheit und Menschlichkeit

In ihrer jungen Unternehmensgeschichte konnte das Blackout-Team mit seiner Software bereits namhafte Kunden aus ganz Europa überzeugen, etwa für Messen, wo Roboter Wegbeschreibungen geben, Menschen begrüßen und so für Aufmerksamkeit sorgen.

Auf dem großen Tablet auf ihrer Brust zeigt Pepper Informationen an oder lässt sich steuern.
Auf dem großen Tablet auf ihrer Brust zeigt Pepper Informationen an oder lässt sich steuern. © WFB/Jann Raveling

„Der Überraschungsfaktor ist groß – Menschen sind neugierig und interagieren gerne mit Pepper oder unserern anderen Roboter- und Chatbot-Persönlichkeiten. Sie können überall dort eingesetzt werden, wo es auf Kommunikation ankommt“, so Fiedler. Die Roboter können nichts greifen, die Arme dienen nur dazu, Menschlichkeit zu simulieren. Dennoch sind ihre Anwendungsbereiche vielfältig: Verkäufer, Bankberaterin, Wegweiser, der Phantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Auch als Krankenpflegerin wurde Pepper bereits erprobt. In einem Projekt mit dem Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein und IBM aus Hamburg wird daran gearbeitet, Pepper auf die Arbeit mit Demenzkranken vorzubereiten, ihnen zu helfen regelmäßig ihre Medizin einzunehmen. Für jeden Kunden passen die Blackout-Entwickler die Software eigens an. „Jede Pepper ist anders – und entwickelt so auch manchmal ihre Macken“, lacht Fiedler.

Plattform für Chatbots und Voiceassistants

Seit der Gründung neu hinzugekommen ist zudem das Feld der Chatbots und Sprachassistenten. Statt mit Robotern verbunden, können die künstlichen Intelligenzen von Blackout auch eigenständig genutzt werden, etwa für Webseiten oder für intelligente Geräte wie Amazons Echo-Lautsprecher. So setzt der Pharmakonzern Bayer das System in der Personalabteilung und in der Ansprache von Bewerbern ein.

„Wir haben zudem die Plattform btNexus entwickelt, mit der es möglich ist, ohne Programmierkenntnisse selbst einen digitalen Assistenten einzurichten“, erklärt Lisa Fischer, COO im Team. Auch hier sei der Einsatz von KI-Technologien einzigartig in der Branche und Blackout am Zahn der Zeit.

Marc Fiedler und Lisa Fischer aus dem Blackout Technologies Team
Marc Fiedler und Lisa Fischer aus dem Blackout Technologies Team © WFB/Jann Raveling

World-Trade-Center Bremen – idealer Ort für ein Start-up

Die Jungunternehmer haben sich im World Trade Center Bremen angesiedelt. In dem Technologiezentrum sind sie ideal aufgehoben. „Wir haben hier Kontakt zu anderen Start-ups mit vielversprechenden Technologien und sitzen in der Bremer Airport-Stadt in direkter Nähe zu potenziellen Kunden, die wir für uns gewinnen möchten“, so Fischer. Dank ihres schnellen Erfolgs mit Luna und Pepper ist das Start-up bisher ohne Finanzierung ausgekommen. „Das möchten wir auch beibehalten, wir wollen uns unsere Unabhängigkeit bewahren, um schlagkräftig zu bleiben, denn der Markt wächst rasant“, offenbart Fiedler. Sie möchten schnell wachsen und weitere Arbeitskräfte für sich gewinnen. So nähern sie sich ihrem großen Ziel: „Wir wollen eines Tages einen eigenen Roboter konstruieren und eine neue Ära der Social Robotics einläuten!“

Teil des neuen Bremen-AI-Netzwerks

Dazu stehen sie auch im engen Kontakt mit anderen KI-Unternehmen aus Bremen. Im neuen Netzwerk Bremen.AI engagieren sich die Robo-Tüftlerinnen und -Tüftler, um Austausch zu Gleichgesinnten aus Wirtschaft und Forschung zu erhalten, zum Beispiel JUST ADD AI. „Neben den Kontakten ist die Arbeit des Netzwerks auch wichtig, um Bürgerinnen und Bürger für das Thema zu sensibilisieren“, so Lisa Fischer, „wir wollen dazu beitragen, dass Vorbehalte gegenüber künstliche Intelligenz abgebaut werden und Berührungsängste verschwinden.“ Denn Ängste, den eigenen Job bald an einen KI-Roboter zu verlieren, seien unbegründet. „In absehbarer Zeit werden soziale Roboter keine Menschen ersetzen, dafür ist die Technik noch nicht ausgereift genug. Wir wollen stattdessen Jobs im Verkauf, im Helpdesk oder in der Krankenpflege erleichtern. So haben Angestellte mehr Zeit für das Wesentliche“, erklärt Fischer.


Informationen zu digitalem Arbeiten in Bremen gibt es bei Kai Stührenberg, Tel.: 0421 361-32173, kai.stuehrenberg@wah.bremen.de


Welche Services die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH bei der Digitalisierung Ihres Unternehmens bietet, finden Sie auf der Übersichtsseite Digitalisierung.

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