+49 (0) 421 9600-10
21.7.2022 - Jann Raveling

„Das Digital Hub Industry ist ein Vorzeigeprojekt für den Mittelstand“

Digitalisierung / Industrie 4.0

WFB unterstützt bei Digitalisierung der Bremer Wirtschaft

Außenansicht NEOS-Gebäude
Im Bremer Technologiepark liegt das Digital Hub Industry © WFB/Raveling

Der Mittelstand könne die Digitalisierung nicht alleine schaffen. Denn dafür fehlten die Fachkräfte, das Wissen und das Geld. Klare Worte, die Christian Wendler, Vorstand der Lenze-Gruppe aus Hameln zur Eröffnung des Digital Hub Industry (DHI) im Juli 2022 im Bremer Technologiepark fand. 

Aber auch wahre Worte, denn die Themenbereiche der Digitalisierung werden immer komplexer: Künstliche Intelligenz, Big Data, Cloud-Services, Augmented Reality, 3D-Druck – nicht nur kleinen Unternehmen fällt es schwer, den Überblick zu behalten.

Hinzukommt, dass Standard-Software nur selten in das eigene Geschäftsmodell passt. Jedes Unternehmen hat andere Bedürfnisse, die „KI aus dem Baukasten“ gibt es nicht und jede komplexere Software muss individualisiert werden. Das bedeutet einen hohen Aufwand.

Ein Ort, um gemeinsam die Digitalisierung zu meistern

Die Lösung? Zusammenarbeit. „Der Mittelstand muss sich Partner:innen suchen und kollaborieren“, sagte Wendler auf der Eröffnung. „Und wir laden die Unternehmen ein, hier mit uns Ideen zu entwickeln“.

Grafik des Gebäude NEOS im Technologiepark Bremen
Das Gebäude NEOS im Technologiepark Bremen © WFB

Er meint damit das neue Gebäude „NEOS“ im Technologiepark Bremen – es soll ein Fokuspunkt der Digitalisierung in Bremen werden. Auf zwei Ebenen beinhaltet es das Digital Hub Industry.

Daneben sitzt hier auch encoway, eine Tochtergesellschaft der Lenze Gruppe. Anfang der 2000er ging sie aus einem Forschungsprojekt mit der Universität Bremen hervor. encoway war damals und ist auch heute noch ein zentraler Baustein in der Digitalisierung des Hamelner Maschinenbauers und eine der erfolgreichsten Bremer Ausgründungen mit über 200 Angestelllten. Das Unternehmen zeigt, wie neue Technologien über die Wissenschaft in die Praxis finden. Zugleich ist encoway auch eine der Initiatorinnen hinter dem „NEOS“-Komplex. Zudem betreibt encoway hier das eigene Innovationslabor "DOCK.ONE"

Daneben sitzen im Gebäude weitere Expertinnen und Experten für Digitalisierung – die Universität Bremen unter anderem mit dem Zentrum für Technomathematik (ZeTeM) und die KI-Fachleute der TOPAS Industriemathematik Innovation gGmbH, einer Ausgründung des ZeteM.

Einheit aus Raum und Menschen im Digital Hub Indsutry

Das Digital Hub Industry soll ein Ort der Zusammenarbeit werden. Hier treffen Wirtschaft und Wissenschaft aufeinander. "Im Jahr 2022 müssen wir intelligent zusammenarbeiten, um im Mittelstand künftig weiter erfolgreich zu sein und dafür brauchen wir Schmelztiegel wie das DHI", sagte encoway-Geschäftsführer Christoph Ranze während der feierlichen Eröffnung.

Davon zeugt etwa die „Fishbowl“, eine zentrale Eventfläche für Vorträge oder Technologie-Vorführungen. Oder der „Maschinenraum“, ein weiterer Seminarraum, der es großen Gruppen ermöglicht, gemeinsam an Themen zu arbeiten. Auch ein Coworking-Space gehört dazu, genauso wie mehrere Tagungs- und Laborräume – und nicht zuletzt die große Terrasse im zweiten Stock, die an lauen Sommerabenden oder in der Mittagspause zur entspannten Unterhaltung einlädt. Denn die besten Ideen entstehen bekanntlich bei einem gemeinsamen Kaffee.

Das Attrium im DHI
Die "Fishbowl" während der offiziellen DHI-Eröffnung im Juli 2022 © WFB/Lehmkühler

Lebendig wird das Digital Hub Industry aber erst durch seine Mitglieder. Zahlreiche Akteurinnen und Akteure im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sitzen hier und bringen ihre Fragestellungen in die Community ein.

Aber wie funktioniert die übergreifende Zusammenarbeit im DHI? 

Die Arbeit im DHI stützt sich auf vier Säulen:

  1. Entwicklung digitaler Produkte und Lösungen

    Wer auf der Suche nach Unterstützung bei der Digitalisierung ist oder ein neues Geschäftsmodell entwickeln will, ist hier richtig. Hier finden Seminare statt, die etwa bei der Ideenfindung helfen (zum Beispiel vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Bremen) oder zum Kennenlernen neuer Technologien einladen. Zudem bieten Initiativen wie das Starthaus oder BRIDGE Beratung für Förderung und Unternehmensgründung.

    Unternehmen können hier auch gemeinsame Sache mit den Start-ups im Haus machen, wie XTL oder TOPAS, und dabei gleich im Coworking-Space anfangen. Oder sie fragen nach interessierten Bremer Kooperationspartnerinnen und -partnern für gemeinsame Projekte – denn die Akteurinnen und Akteure im DHI kennen sich in Bremen bestens aus.

  2. Ausbildung neuer Talente

    Digitalisierung braucht Fachkräfte und diese finden im DHI künftig Angebote für Weiterbildung und Qualifizierung – zum Beispiel über das Transferzentrum KI. Sie können sich hier neue Berufswege eröffnen, wie etwa der Zukunftstag gezeigt hat. Studierende treffen hier auf Unternehmen, die zum Beispiel Bachelor- oder Masterarbeiten anbieten oder Werkstudierende suchen. Oder die sich in Forschungsprojekten engagieren und so Studierenden Praxiserfahrung bieten.
  3. Gründungsunterstützung

    Mit dem Starthaus Bremen & Bremerhaven, der BRIDGE-Initiative und dem ESA BIC sitzen im DHI gleich drei Spezialisten für den Start mit einem eigenen Unternehmen. Sie beraten, bieten Zugang zu Unterstützung und Fördermitteln und veranstalten Seminare und Workshops. Im angrenzenden Coworking-Space finden Gründende zugleich einen günstigen Platz, um an den Ideen zu feilen. Es gibt gute Gründe, von hier aus zu arbeiten: Denn die zahlreichen Angestellten der übrigen Start-ups und der etablierten Unternehmen geben gern einen guten Rat und haben vielfach Interesse an einer Zusammenarbeit. Und vielleicht sogar an einem Investment.
  4. Forschung im industriellen Umfeld

    Die Universität Bremen und Institute der Hansestadt bringen ihr Know-how im DHI ein, um den Unternehmen und Start-ups neue Technologien und Erkenntnisse bereitzustellen oder den Schritt vom Prototypenstadium in die Anwendung zu gehen. Auch andersherum funktioniert die Zusammenarbeit: Fragestellungen und Bedürfnisse aus der Industrie gelangen über das DHI wieder in die Forschung, die die Ideen aufnimmt und bearbeitet, Grundsatzprobleme löst und wieder zurückspielt. Ein Ping-Pong aus Ideen und Erkenntnissen.

Podium und Innenhof
Events, Weiterbildungen und Seminare sollen künftig im DHI stattfinden © SWAE/Lehmkühler

Starke Unterstützung aus Bremen für Digitalisierung

Das DHI ist ein Gemeinschaftsprojekt des Unternehmens encoway, der beiden senatorischen Behörden für Wirtschaft, Arbeit und Europa und für Wissenschaft und Häfen sowie der Universität Bremen. „Wir müssen in Dekaden denken“, sagte etwa Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt zur Eröffnung – denn Digitalisierung ließe sich nicht zeitlich beschränken, mit einem Projekt sei es nicht getan. Unternehmen müssten auf lange Zeit ihre Geschäftsmodelle anpassen, Fachkräfte ausbilden und die Weichen stellen. Und das habe das DHI im Blick.

Aus diesem Grund unterstützt auch die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH das Projekt. Sie tritt als Vermieterin im DHI auf und unterstützt darüber hinaus bei der Weiterentwicklung des Gebäudes über den gemeinsamen Verein Digital Hub Industry. Bereits im Vorfeld kümmerte sich die WFB um die Abwicklung des Grundstücksgeschäfts im Technologiepark Bremen. 

Außerdem ist das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Bremen im DHI angesiedelt, das von der WFB koordiniert wird. Es ist eines von rund 26 Kompetenz- und Mittelstand-Digital-Zentren in Deutschland, deren Aufgabe es ist, kleinen und mittleren Betrieben den Zugang zu Digitaltechnologien zu erleichtern.

„Insofern sind wir am genau richtigen Ort hier im Bundesland“, sagt Daniel Schneider, Leiter des Bremer Kompetenzzentrums. „Zu innovativen Unternehmen und dem vielfältigen Bremer Digital- und Gründungsnetzwerk ist es nur ein kurzer Gang über den Flur. Und wir können die Räumlichkeiten ideal nutzen, um große Veranstaltungen wie auch Seminare in Kleingruppen durchzuführen. Davon profitiert der gesamte Mittelstand.“

Junge mit AR-Brille
Zugang zu neuesten Technologien bietet viele der Initiativen im DHI © SWAE/Rathke

Wie kommen Unternehmen ins DHI?

Es gibt verschiedene Wege, mit den Akteurinnen und Akteuren im DHI zusammenzuarbeiten:

Weitere News aus Bremen regelmäßig 1x monatlich in unserem Newsletter:

Erfolgsgeschichten


Wissenschaft
26.09.2022
Wissenschaft persönlich: Prof. Dr. Dr. h.c. Alexis Papathanassis

Prof. Dr. Dr. h.c. Alexis Papathanassis ist Professor für (See-)Tourisik und Rektor der Hochschule Bremerhaven. Aktuell beschäftigt er sich mit der Anwendung und Akzeptanz von Smart-Technologien im Tourismus und mit empirischer Forschung über touristisches (Fehl-)Verhalten. Uns hat der gebürtige Grieche verraten, was ihn begeistert, wie kleine Dinge große Veränderungen bewirken und was die Bremer Wissenschaft mit Kamelen zu tun hat.

Zum Interview bei Bremen.de
Digitalisierung / Industrie 4.0
26.09.2022
Die Geschichte der Digitalisierung – Teil II

Seit wann gibt es die Digitalisierung? Wir werfen einen Blick in die Geschichte des Computers und der Automatisierung, um eine Antwort zu finden. Im zweiten Teil der Reihe geht es um die Herkunft des Begriffes Industrie 4.0 und seine Bedeutung für unsere Frage.

Mehr erfahren
Start-ups
16.09.2022
Mit Nachwuchskräften nachhaltig die Energiewende bestreiten

In fünf Wochen ein Unternehmen neu aufstellen, ein Geschäftsmodell neu anpacken? Das kann gelingen. Andrea Kuhfuß vom Bremer Think Tank QLab weiß, wie man mit jungen Nachwuchskräften solche Herausforderungen angeht – und unterstützt damit Unternehmen in der Energiewende.

Mehr erfahren