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25.1.2018 - Nina Svensson

Brefeo verkauft Möbel aus der Türkei nach Afrika

Neu in Bremen
Fatih Özdemir hat mit der Brefeo Hanse GmbH seinen internationalen Möbelhandel nach Bremen verlagert
Geschäftsführer Fatih Özdemir
Fatih Özdemir hat 2017 die Brefeo Hanse GmbH in Bremen gegründet. © WFB/Frank Pusch

Fatih Özdemir reist viel nach Afrika und in den Mittleren Osten, denn da sind seine Kunden. Hauptsächlich Großhändler und Hotels, die Möbel nicht einzeln, sondern in großen Mengen kaufen. 2017 hat sich Özdemir aus gutem Grund für Bremen als Unternehmensstandort entschieden und Anfang 2018 mit der Brefeo Hanse GmbH sein Büro in der Airport-Stadt bezogen. Die Möbel lässt er in der Türkei produzieren und verschifft sie von dort aus direkt zum Kunden. Aber auch in Bremen sollen die Möbel bald zu sehen sein.

Fatih Özdemir wurde 1981 in Augsburg geboren. Als er vier Jahre alt war, zog er zu seinen Großeltern in die Türkei. Nach dem Schulabschluss studierte er Europathemen und internationale Beziehungen in Ankara, das Studium schloss er 2003 mit einem Master ab. Anschließend arbeitete Özdemir bei der Akbank in Istanbul und zwei weitere Jahre bei der Türkiye Finans Participation Bank im Bereich Customer Relations. „Aber dann habe ich gemerkt, dass so ein Nine-to-five-Job nichts für mich ist. Ich wollte raus und etwas ganz anderes machen“, erinnert sich Özdemir.

Darum wechselte er 2007 zu einer Möbelfirma, die ihre Produkte nach Afrika verkauft. „Der Markt dort ist viel größer als man auf den ersten Blick denkt. Damit der Transport pro Artikel nicht zu teuer wird, haben wir die Möbel an Großhändler und Hotels verkauft.“ Der Verkauf lief hauptsächlich über persönliche Beziehungen, darum reiste Özdemir viel nach Afrika, unter anderem nach Äthiopien, Kenia und Tansania. Dort und auf Möbelmessen baute er sich Schritt für Schritt viele Kontakte auf, auch nach China und in den Nahen und Mittleren Osten. „Die Geschäfte liefen gut, wir haben gut verkauft, aber ich wollte gerne auf eigenen Beinen stehen und kein Angestellter mehr sein.“

Schritt in die Selbstständigkeit

2009 gründete Özdemir die Roveyda Group mit Sitz in Bursa, rund 240 Kilometer südlich von Istanbul. Er nutzte seine bestehenden Kontakte nach Afrika und verkaufte Auftragsmöbel mehrerer türkischer Hersteller. „Im Katalog hatte ich eine große Auswahl, produziert wurde nur auf Bestellung und dann per Container ausgeliefert“, erzählt Özdemir. „Ich wurde von meinen Kunden weiter empfohlen, mit einigen Großhändlern verbindet mich inzwischen eine langjährige Freundschaft.“ Er lieferte auch nach Angola, Libyen und in den Oman, das Geschäft lief erfolgreich. „Es war aber auch sehr stressig. Manchmal enthielt ein Container 250 Artikel, da mussten alle Listen und Nummern exakt stimmen.“

Auf nach Deutschland

Özdemir hatte inzwischen geheiratet, sein Kind zwei Jahre alt. Um seine Geschäfte auf die EU auszuweiten und Kontakte zu europäischen Möbelherstellern aufzubauen, suchte Özdemir die geographische Nähe. So entschloss sich die Familie, ins Ausland zu ziehen. „Deutschland war naheliegend, weil ich ja in Augsburg geboren wurde. Aber auch Norwegen haben wir in die engere Wahl gezogen, da ich dort ebenfalls viele Kontakte habe“, sagt Özdemir. Doch letztendlich entschied er sich gegen das skandinavische Land: noch weiter im Norden gelegen, im Winter kurze Tage und lange Nächte, vergleichsweise hohe Lebenshaltungskosten und außerdem spricht er kein Norwegisch. Also Deutschland. Özdemir reiste nach Bremen und Osnabrück, um Kunden zu treffen. In Bremen hatte er Termine bei der Handelskammer und der WFB – und danach war die Entscheidung gefallen.

Die Unternehmensgründung war in Bremen sehr unkompliziert.

Fatih Özdemir, Geschäftsführer Brefeo Hanse GmbH

Der Name Brefeo ist bewusst gewählt und ein Akronym: Bre für Bremen, F für Fatih, E für Evrim (der Vorname seiner Ehefrau) und O für Özdemir. „Entscheidend war für mich auch der Hafen. Ich bin auf der Suche nach einem Showroom, in dem ich Möbel und aktuelle Kollektionen ausstellen kann. Einige Kunden möchten die Möbel gerne sehen, bevor sie sie bestellen.“ Einige Kunde beispielweise aus Armenien oder Jordanien hätten kein Problem damit, dafür extra nach Bremen zu fliegen. „Durch die gute Anbindung an die Terminals in Bremerhaven kann ich meine Möbel ideal mit dem Container nach Bremen schicken lassen.“

Im Sommer 2017 zog Familie Özdemir nach Bremen. Fatih Özdemir kümmerte sich in den ersten Monaten vor allem um seine Familie und alle erforderlichen Unterlagen: „Die erste Zeit war nicht einfach. In unserer ersten Wohnung schimmelte es, darum mussten wir schnell umziehen. Meine Frau ist Lebensmitteltechnikerin, sie muss aber zunächst ihr Deutsch verbessern, um hier arbeiten zu können. Mit dem Deutschkurs konnte sie aber erst beginnen, nachdem wir die Zusage für einen Kitaplatz für unseren Sohn bekommen hatten. Aufenthaltsgenehmigungen, Meldebestätigungen – es hat alles geklappt, aber wir brauchten etwas Zeit, um in Bremen anzukommen.“

Özdemir im World Trade Center in Bremen
Seit Januar 2018 hat Fatih Özdemir ein Büro im World Trade Center in der Airport-Stadt gemietet. © WFB/Frank Pusch

Inzwischen konzentriert sich Özdemir wieder verstärkt auf sein Unternehmen, zum 1. Januar 2018 hat er ein Büro im World Trade Center in der Airport-Stadt gemietet. Von dort verkauft er seine Möbel, organisiert die Produktion und den Transport zum Kunden. Außerdem arbeitet er dort Tür an Tür mit anderen jungen Unternehmen wie die Albrecht und R GmbH, die ebenfalls im internationalen Handel tätig sind. Die Nähe zum Flughafen ist für Özdemir ideal, da er nach wie vor viel reist, um Möbelmessen oder seine Kunden in Indien oder Afrika zu besuchen. „Ich habe eine Website mit einem Katalog, aber bewusst keinen Onlineshop“, sagt Özdemir. „Der direkte Kontakt, sei es persönlich oder am Telefon, ist wichtig, um die Kunden so zu beraten, dass sie am Ende genau das bekommen, was sie brauchen.“

Özdemir mag seine Selbstständigkeit und seine Unabhängigkeit. Umso wichtiger ist ihm sein Netzwerk aus Möbelherstellern, Logistikern, Kunden und anderen Partnern, das er stetig erweitert. Inzwischen verkauft und liefert er auch Möbel deutscher Hersteller in den Mittleren Osten. Als nächsten Schritt möchte er seinen Showroom in Bremen eröffnen – und gerne auch Kunden aus Norddeutschland für seine Möbel begeistern.


Informationen zum Unternehmensservice der WFB finden Sie hier.


Ihre Ansprechpersonen für eine Ansiedlung in Bremen sind:

Thorsten Tendahl, Teamleiter Unternehmensservice Bremen und nationale Ansiedlung, 0421 9600 121, thorsten.tendahl@wfb-bremen.de und

Thomas Hofhans, Projektleiter nationale Ansiedlung, 0421 9600 251, thomas.hofhans@wfb-bremen.de.


Ihr Ansprechpartner für die Airport-Stadt ist Andreas Zimmermann, 0421 9600 124, andreas.zimmermann@wfb-bremen.de.


Wenn Sie sich für eine Ansiedlung aus dem Ausland interessieren, kontaktieren Sie bitte Kolja Umland, 0421 9600 339, kolja.umland@wfb-bremen.de.

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