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4.8.2020 -

Briefe aus dem Silicon Valley: Sommer 2020

Internationales

Technologien und Trends aus dem Tal der Techies

Tim Ole Jöhnk, Direktor des Northern Germany Innovation Office (NGIO)
© WFB

Die Corona-Pandemie verändert auch die Arbeitswelt im Silicon Valley – kann das sogar das Ende des High-Tech-Tals bedeuten? Diese und weitere News in unserem Länderbrief. Direkt aus den USA meldet sich Tim Ole Jöhnk, Direktor unseres Northern Germany Innovation Office (NGIO) mit Themen, welche im Silicon Valley in den vergangenen Tagen und Wochen heiß diskutiert werden.

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Aber zunächst eine Erfolgsmeldung aus näheren Gefilden:

OHB wird mit Unterstützung der WFB Partner im NGIO
OHB-Firmensitz in Bremen © OHB

Der Raumfahrtkonzern wird der erste Bremer Wirtschaftspartner im NGIO, dem gemeinschaftlichen Projekt der Wirtschaftsförderung Bremen und der Bundesländer Schleswig-Holstein sowie Hamburg. Der Satelliten- und Raketenbauer aus der Hansestadt will sich auf diesem Wege neue Geschäftschancen und -felder erschließen. „Das NGIO ermöglicht es uns, die Innovationslandschaft im Silicon Valley besser zu verstehen und weitere Kontakte zu knüpfen“, sagt Egbert Jan van der Veen, Leiter Strategie und Geschäftsführer Venture Capital bei OHB. Der Konzern ist auf Initiative der WFB dem NGIO beigetreten.

Die ganze Story: https://www.wfb-bremen.de/de/page/news/72049

Die Folgen von Corona: Massenexodus aus dem Valley?
© pixabay

Warum hat sich gerade das Silicon Valley als Hotspot der weltweiten Digitalökonomie entwickelt? Über diese Frage sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zahllose Artikel geschrieben worden. Vieles deutet auf die einmalige Dichte aus wissenschaftlichen Instituten, Unternehmen, Fachkräften und Investoren hin, die eine innovationsfreudige Atmosphäre schafft. Man begegnet sich auf der Straße, in der Bar, auf Events, verabredet sich zum Mittagsessen und findet so neue Geschäftspartnerinnen und -partner.

Könnte Covid-19 dieser Atmosphäre ein Ende bereiten? Firmen wie Twitter oder Slack haben ihre gesamte Belegschaft ins Home-Office geschickt und wollen auch nach Ende des ersten Lockdowns an der freien Wahl hierfür festhalten. Ohne die Pflicht, ins Büro zu pendeln, wird das Silicon Valley für viele Arbeitnehmende als Lebensmittelpunkt unattraktiv. Mit Häuserpreisen zwischen 1,7 und 3,2 Millionen Dollar im Median ist das Valley selbst für Tech-Gutverdienende ein teures Pflaster.

Infolge der Coronakrise sanken die Mietpreise in San Francisco im Mai 2020 um zehn Prozent im Jahresvergleich, deutlich stärker als im USA-Durchschnitt – es wird vermutet, dass zahlreiche Arbeitnehmende abwandern, ob nun in ein günstigeres Home-Office oder als Konsequenz von Stellenkürzungen.

Natürlich ist es schwer zu sagen, ob diese Entwicklung langfristig anhalten wird. Aber wie werden zufällige Begegnungen, schnelle Bekanntschaften und das gemeinsame Herumspinnen an neuen Ideen bei einem Feierabendbier funktionieren, wenn alle Remote arbeiten? Lässt sich diese Form des Miteinanders durch Videokonferenzen ersetzen? Eine Frage, welche nicht nur das Valley künftig stärker beschäftigen wird.

Elektromobilität – ist dieser Firmenwert gerechtfertigt?
So soll die europäische Version des Nikola Tre aussehen
So soll die europäische Version des Nikola Tre aussehen © Nikola Motor

Im Juni ging Nikola Motor an die Börse – eine junge Automobil- und LKW-Schmiede mit 300 Angestellten, aber bislang noch keinem verkaufsfähigen Produkt. Und doch zwischenzeitlich bis zu 28 Milliarden Dollar Wert, mehr als etwa Ford. Auch Tesla erreichte im Juli Marktwerte jenseits aller anderen Autokonzerne, ohne auch nur einen Bruchteil von deren Produktionszahlen zu erreichen. Ein Hype? Bestimmt. Aber auch Zeichen eines Wandels, wird seitens der Investoren diesen kleinen Unternehmen doch mehr an Innovation zugetraut als den traditionellen Herstellern.

Diese suchen wiederum den Kontakt zum Silicon Valley: So arbeitet LKW-Produzent Iveco mit Nikola zusammen, um herkömmliche LKW-Modelle zu elektrifizieren. Volvo kooperiert mit Googles Autonomous-Driving-Tochter Waymo. Daimler hatte erst kürzlich seine Kooperation mit BMW zum autonomen Fahren aufgekündigt und arbeitet jetzt mit Chiphersteller Nvidia, beheimatet im Silicon Valley, zusammen. Insgesamt 66 Unternehmen aus aller Welt haben eine kalifornische Testlizenz für autonome Autos erlangt, mehrere hundert Autos sammeln Millionen Testkilometer im Jahr.

Um das Silicon Valley kommt also zurzeit niemand in Sachen automobiler Zukunft herum – auch ganz abgesehen von explodierenden Börsenbewertungen. Lesenswert in Bezug auf die Entwicklungen des autonomen Fahrens ist der Blog „Der letzte Führerscheinneuling…“ des Österreichers Mario Herger, der im Silicon Valley lebt und von dort aus Unternehmen berät sowie die Autowelt im Blick behält.

Die Geister, die ich rief
© pixabay

Es kommt selten vor, dass die großen Techkonzerne vor dem Einsatz einer Technologie zurückschrecken, anstatt sie möglichst schnell für sich zu vereinnahmen. Deshalb ist die Story von ClearView AI umso überraschender. Im Mai wurde bekannt, dass das kleine Start-up aus New York eine Gesichtserkennungstechnologie anbietet, die Fotografien von Personen automatisch erkennt und ihnen die richtige Identität zuordnet. Mit mehr als drei Milliarden Bildern unter anderem aus sozialen Netzwerken gefüttert, wurde die künstliche Intelligenz bisher von Justizbehörden, aber allem Anschein nach auch Einkaufscentern, Sportligen oder Kasinos genutzt, um Personen zu identifizieren. Dabei soll die Technologie unter anderem dazu eingesetzt worden sein, bekannte Ladendiebe oder Betrüger automatisch mit Überwachungskameras zu erkennen.

Damit wird eine bislang noch geltende, moralische Grenze überschritten: Gesichtserkennungstechnologie ist nichts Neues, ihr Einsatz zur Massenüberwachung auf Grundlage öffentlich auffindbarer Fotos und als für jeden verfügbares Geschäftsmodell jedoch schon. Google oder Facebook halten auch heute noch Teile ihrer Software zurück, da sie möglicherweise missbraucht werden kann. Viele aufstrebende Firmen, wie etwa ClearView AI teilen diese Befürchtung jedoch anscheinend nicht.

Dabei ist Gesichtserkennungssoftware bei weitem noch nicht ausgereift. Selbst die führenden Algorithmen von Firmen wie IBM oder Microsoft haben eine hohe Fehlerquote. Während die Software weiße, männliche Gesichter noch mit 88 bis 94 prozentiger Sicherheit erkennen konnte, fielen diese Werte für Gesichter von People of Color und insbesondere bei Frauen dieser Gruppe auf 65 Prozent. Diese Ungenauigkeit, verbunden mit einer Datenbank von drei Milliarden Bildern ist im besten Falle problematisch, im schlimmsten Falle gefährlich. Ein Beispiel: 2019 wurde nach den Terroranschlägen in Sri Lanka das Bild einer jungen Frau veröffentlicht, die von einer Gesichtserkennungssoftware als Tatverdächtige klassifiziert wurde. Tatsächlich handelte es sich aber bei dieser Person um eine Bürgerin, die zum Zeitpunkt des Anschlags gar nicht im Land war, sondern an einer US-Universität ihre Abschlussexamina schrieb.

Neben der öffentlichen Empörung über ClearView AI reagierten auch die sozialen Netzwerke wie Twitter, Facebook oder LinkedIn, aus deren öffentlichen Profilen viele der Bilder stammten, mit Unterlassungserklärungen. Denn eigentlich ist laut deren Nutzungsbedingungen verboten, Bilder zu „scrapen“, also systematisch herunterzuladen, zu sammeln und weiterzuverarbeiten. Ob darauf noch weitere juristische Schritte folgen werden, bleibt zunächst offen.

Ganz abseits der Details dieses Falles offenbart das Beispiel ClearView, wie der technologische Fortschritt ethische, normative und gesellschaftliche Grenzen überschreitet, ohne dass die gesellschaftliche Debatte darüber mitkommt. Etwas, das gerade durch die rapiden Fortschritte der künstlichen Intelligenz in Zukunft immer öfter geschehen wird. Bisher war das Mantra im Valley immer „Lasst uns so schnell wie möglich das technisch Mögliche ausreizen, bevor es jemand anders macht. So können zumindest wir die Spielregeln festlegen.“ Aber vielleicht ist es nicht immer gut, Dinge zu tun, nur weil wir können – ohne zu fragen, ob wir sollen.


Mit diesem Ausblick beenden wie diese Ausgabe des Silicon Valley-Briefes. Sie stellt diesmal mehr Fragen, als dass sie Antworten gibt – in diesen Zeiten ist es vielleicht aber auch gar nicht schlecht, einen Schritt zurückzutreten und der Reflektion mehr Zeit einzuräumen.

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