+49 (0) 421 9600-10
1.8.2022 - Reinhard Wirtz

Hightech-Brücke zwischen Bremen und Izmir

Digitalisierung / Industrie 4.0

Searover Underwater Robotics gründet europäischen Hauptsitz in der Hansestadt

Menschen in Sicherheitskleidung
Im Erprobungseinsatz für den eigenen Unterwasser-Roboter © Searover

Die Profis für Robotik und Künstliche Intelligenz (KI)des türkischen Unterwasser-Spezialisten Searover Underwater Robotics haben Bremen zu ihrem europäischen Hauptsitz gewählt und vor Ort mit der Werover GmbH eine neue Niederlassung etabliert. Mit ihrem Produkt- und Dienstleistungsspektrum verbinden die Unternehmensgründer aus Izmir technologische Potenziale aus maritimen, energietechnischen und KI-Anwendungsbereichen. Sektoren, die zu den ökonomischen Stärken des Wirtschaftsstandorts Bremen zählen.

Werover bietet KI-, Internet-of-Things- und Roboterlösungen für die Wartung und Zustandsüberwachung von Energie- und Unterwasseranlagen sowie für die Wind- und Solarenergieindustrie an. Die Forscher und Entwickler der 2018 gegründeten Hightech-Schmiede, die ihre Produkte in der Technologieentwicklungszone Bilimpark von İzmir herstellen, wollen ihre weitere Expansion von Bremen aus vorantreiben.

Unkomplizierte und schnelle Gründung

Dank der Unterstützung durch Bremeninvest (WFB) sei der Gründungsprozess von Werover in Deutschland „extrem beschleunigt und vereinfacht worden‟. Werover wolle in Bremen seine Forschung und Entwicklung sowie seine sonstige Geschäftstätigkeit zügig ausbauen, sagen die beiden Searover-Gründer Zeynep Balca Yılmaz und Kazım Çağlar Erat. 

Wir betrachten Bremen als Hauptsitz unseres Unternehmens und streben F&E-Kooperationen mit den führenden Institutionen in Bremen an.

Zeynep Balca Yılmaz, Mitgründer der Searover Underwater Robotics

Searover hat mit seinem Bremer Ableger Werover ehrgeizige Ziele. „Wir betrachten Bremen als Hauptsitz unseres Unternehmens. Wir streben F&E-Kooperationen mit den führenden Institutionen in Bremen wie dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), dem Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM), dem Marum Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen und der Jacobs University an. Wir haben unsere Zusammenarbeit mit dem DFKI und Fraunhofer bereits begonnen, da wir im selben Konsortium ein Horizon-Projekt entwickeln‟, so Zeynep Balca Yılmaz unmittelbar nach der Etablierung der Werover GmbH in Bremen. 

Menschen und ein Unterwasserroboter
Unterwegs in Bremen: Bereits im Vorfeld der Ansiedlung knüpfte das Searover-Team Kontakte nach Bremen. © Searover

Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren und die digitale Transformation vorantreiben

Die Automatisierungsingenieur:innen Zeynep Balca Yılmaz und Kazım Çağlar Erat gründeten Searover im Januar 2018 in İzmir. „Unser Ziel ist es, für unsere Kunden Betriebs- und Wartungsarbeiten durchzuführen, indem wir Daten und Analysen bereitstellen, um Asset-Management und Risikoplanung zu ermöglichen. Auf diese Weise eröffnen wir unseren Kundinn und Kunden, vor allem aus der Energiebranche, Wege zur vollständigen Digitalisierung und Automatisierung ihrer Prozesse‟, erläutert Mitgründer Kazım Çağlar Erat. 

Die Strategie ziele darauf ab, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und die digitale Transformation im Energiesektor voranzutreiben. Mit seinen neuen Robotik- und IoT-Lösungen will Searover die Effizienz erneuerbarer Energien steigern, indem es die Betriebs- und Wartungskosten in der Branche senkt. „Wir bieten Energieunternehmen Kosteneinsparungen, sicheren Betrieb und Wartung sowie Nachhaltigkeit‟, sagen Zeynep Balca Yılmaz und Kazım Çağlar Erat. 

Kernkompetenzen

Zu den Kernkompetenzen von Searover zählen Robotik- und Softwarelösungen für die Unterwasserforschung sowie für Wind- und Solarenergieanlagen. Dabei spielen ROVs (Abkürzung für „remotely operated vehicle“ – ferngesteuerte Apparaturen und Fahrzeuge) eine wesentliche Rolle. 

Unterwasseroperationen:

Hier bietet das Unternehmen Dienstleistungen im Bereich der hydrografische Erhebungen, ozeanographischen und Umwelt-Untersuchungen. Dabei werden mithilfe von ROVs unter anderem Glasfaserkabel, Pipelines oder hafentechnische Anlagen inspiziert sowie Übersichten zu Umwelteinflüssen, Meerwasserqualität und Biodiversität im Meer erstellt.

Windenergieanlagen:

Searover beschäftigt sich mit der Analyse- und Serviceleistungen, die die Wartungs- und Reparaturkosten von Rotorblättern minimieren und Produktionsausfälle verhindern sollen. 

Solaranlagen:

Mit „Solarrover‟ hat Seavover autonome Reinigungsroboter mit eingebauter KI für Solarmodule im Portfolio. Die Geräte sollen nicht nur den Aufwand für die Reinigung von Solarmodulen minimieren, sondern auch die Risikoplanung erleichtern, indem sie (Micro-)Risse an den Modulen frühzeitig erkennen.

„Cleantech Hub‟ als Brücke zwischen Bremen und Izmir

Für die beiden Gründenden ist Deutschland mit seiner Ankündigung in den Fokus gerückt, bis 2035 den Anteil erneuerbarer Energien auf 100 Prozent zu schrauben. Sie werten dieses Bekenntnis als klaren „Indikator für die Größe des Marktes‟. Dass sie die Werover GmbH in Bremen etablierten, hat maßgeblich mit den strukturellen Voraussetzungen der Hansestadt zu tun. „Neben Bremen als Hafen- und Industriestadt ist die Existenz verschiedener Forschungsinstitute vor Ort einer der Hauptgründe, warum es Werover nun in Bremen gibt‟, sagt Zeynep Balca Yılmaz. Die Nähe zu diesen Institutionen verschaffe Werover einen F&E-Vorteil.

Frau vor WKA
Bei Windkraftanlagen will Searover die Wartungskosten senken. © Searover

Darüber hinaus sei Deutschland „als führendes Land in der Schifffahrts- und Windindustrie der Zielmarkt für die eigenen Produkte.‟ Und, so Yilmaz: „Dass Bremen speziell in Bezug auf die Windindustrie und die Schifffahrt ziemlich entwickelt ist, ist einer der sektoralen Gründe, warum wir uns für Bremen entschieden haben.‟ Mit einem neuen „Cleantech Hub‟ will sie „eine Brücke zwischen den beiden Städten Bremen und Izmir im Bereich der Erneuerbaren Energien schlagen.‟ Beide Städte, so Yilmaz, verbinde die Vision und das Ziel, Cleantech-Zentrum zu werden und damit als Pionier zu wirken.

Die Werover GmbH stellt einen hohen Mehrwert für das Bundesland Bremen dar.

Clas Vögeding, Projektleiter Internationale Ansiedlung bei Bremeninvest

Eine gelungene Ansiedlung: „Die Werover GmbH stellt einen hohen Mehrwert für das Bundesland Bremen dar. Das Unternehmen ist jung und innovativ und hat bereits verschiedene Kooperationspartner:innen, unter anderem das Fraunhofer IFAM und das DFKI im Bremer Technologiepark für sich gewinnen können. Es ist des Weiteren zu erwarten, dass die Produkte von Werover aufgrund der Energiewende zukünftig stärker nachgefragt werden‟, sagt Clas Vögeding, Projektleiter Internationale Ansiedlung bei Bremeninvest, der Auslandsmarke der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH.

Fachkräfte für rasche Expansion gesucht

Die beiden Searover-Gründenden Zeynep Balca Yılmaz und Kazım Çağlar Erat haben sich in ihrer Banche in den vergangenen Jahren bereits bestens vernetzt. So sind sie unter anderem Distributoren der internationalen Unternehmen Blue Robotics, Water Linked und Delta Rov, deren Produkte sie nicht nur vertreiben, sondern auch in den eigenen Robotern verwenden. Die Synergien aus diesen Kooperationen sollen auch der neuen Bremer Werover GmbH zugutekommen.

In den kommenden Jahren wollen Yilmaz und Erat in Bremen rasch expandieren und dabei besonders Forschung und Entwicklung vorantreiben. Laut eigenen Planungen soll das Bremer Team bei Werover bis Ende 2027 auf 33 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anwachsen. Benötigt würden hierfür besonders Softwareentwickler:innen, Business-Developer:innen sowie Wartungs- und Servicefachleute.

Weitere News regelmäßig in unserem Newsletter:

Erfolgsgeschichten


Internationales
12.08.2022
5 Unternehmen, die sich für Bremen entschieden haben

Einen Standort in Bremen eröffnen – warum ist das eine gute Wahl? Fünf Unternehmen aus Deutschland, der Türkei, England und China erzählen, warum sie sich für die Hansestadt entschieden haben.

Mehr erfahren
Stadtentwicklung
05.08.2022
„Es macht mir Spaß zu zeigen, was vegan alles möglich ist“

Sean Moxie betreibt nicht nur einen der bekanntesten veganen Foodblogs Deutschlands „Dailyvegan“, sondern seit kurzem auch sein erstes eigenes Restaurant in Bremen. Als einer der Gewinner des Pop-Up-Store-Wettbewerbs der WFB darf er sein Konzept bis Ende des Jahres mietfrei im Wall-Forum ausprobieren. Was die Bremerinnen und Bremer in seiner „Plantenköök“ erwartet, hat er uns im Gespräch verraten.

Mehr erfahren
Länderbriefe
04.08.2022
Briefe aus der Türkei: Ausgabe Sommer 2022

Die Inflation macht der Türkei zu schaffen – was bedeutet das für die Wirtschaft? Außerdem: Ein Rückblick auf die Delegationsreise aus Bremen nach Izmir. Diese und weitere Themen gibt es in unseren Länderbriefen im Sommer 2022.

Mehr erfahren