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23.4.2021 - Anna Kehl

Verbunden über den halben Globus: Bremen und seine Partnerstädte

Internationales

Wie die Bremer Städtepartnerschaften entstanden

Weserpromenade Schlachte
Maritimes Flair an der Weserpromenade in Bremen © WFB/Ingrid Krause

Über Jahrzehnte hat Bremen freundschaftliche Beziehungen zu vielen anderen Städten aufgebaut. Dabei entstanden über Tausende Kilometer hinweg enge kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen: Sechs aktive Städtepartnerschaften zählt man an der Weser. Wer die Partnerstädte Bremens sind und warum es sich lohnt, Freundschaften zu pflegen – davon erzählen wir hier. 

Haifa, Danzig, Riga, Dalian, Izmir, Durban – sie alle haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind Städtepartner von Bremen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man eine weitere zentrale Ähnlichkeit zwischen der Hansestadt und ihren Partnerinnen: Bremens lange Handelstradition als Warenumschlag nach Übersee findet sich in allen Städten wieder. Sechs Orte, sechs Häfen und sechs Verbindungen nach Bremen. Doch was bedeutet das genau? Dazu müssen wir wissen, was eine Städtepartnerschaft auszeichnet und warum es diese besondere Form der urbanen Freundschaft gibt. 

Was ist eine Städtepartnerschaft und warum gibt es sie? 

Die Idee der Partnerstädte entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Wunden zweier verheerender Kriege Europa und die Welt durchzogen. Auch wenn der Effekt einer Freundschaft zwischen zwei Städten zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau bekannt war, so steht heute fest: Eine Städtepartnerschaft führt langfristig effektiv Menschen aus verschiedenen Orten und Ländern zusammen. Im Mittelpunkt steht deshalb der Austausch zwischen den Bürgerinnen und Bürgern. Genauer gesagt: Auf der Basis eines Partnerschaftsvertrags als Teil der kommunalen Außenpolitik entstehen wirtschaftliche und kulturelle Kontakte zwischen zwei Städten oder Gemeinden, über die sich beide künftig austauschen. Hier kommen die Städtepartnerschaftsvereine ins Spiel: Sie fördern und gestalten die Kontakte zu Bremens Partnerinnen. Der Vertrag bildet also den Rahmen, mit Leben füllen ihn jedoch erst die vielen engagierten Menschen in den Vereinen. Dabei werden die Beziehungen zu den Orten auf verschiedenste Weise gelebt, zum Beispiel über multinationale Jugendcamps, Workshops mit Menschen mit Behinderungen oder einen Schüler- und Studierendenaustausch. Einen wachsenden Stellenwert nimmt der sogenannte Verwaltungsaustausch ein – hier diskutiert man miteinander auf Konferenzen zu aktuellen Herausforderungen wie Migration, Demografie, Städtebau oder Nachhaltigkeit. Mancherorts unterstützen kommunale Partnerschaften auch den Demokratisierungsprozess eines anderen Landes. Eine Städtepartnerschaft gestaltet sich also sehr vielseitig.

Von Hafenstadt zu Hafenstadt

Das Bremer Beziehungsleben zu anderen Städten hat seinen Ursprung im Jahr 1976. Nacheinander entstanden weitere Partnerschaften, die wir hier ihrer zeitlichen Reihenfolge nach vorstellen.

1. Haifa (Israel)

Blick auf den Hafen Haifas
Haifa: Mediterrane Großstadt an der Mittelmeerküste © Stadt Haifa/Zvi Roger

Eine gemeinsame Kulturstiftung als Basis der Freundschaft – die „Haifa Arts Foundation“ entstand als Initiative des Bremer Senats und der Gemeinde Haifa in Zusammenarbeit mit dem israelischen Ministerium für Bildung und Kultur. Damit war der Grundstein für die Freundschaft zwischen den beiden Städten gelegt. Die Stiftung fördert junge Talente und ermöglicht sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Religion die Teilhabe an Kultur. Weltweit bekannt ist Haifa für sein internationales Filmfest, das jedes Jahr zum jüdischen Laubhüttenfest stattfindet. 300.000 Filmbegeisterte reisen inzwischen aus aller Welt für das Festival an, unter ihnen viele Bremerinnen und Bremer. Die Initiative für das Filmfest geht zurück auf die gemeinsame Kulturstiftung.

2. Danzig (Polen)

Blick auf die Altstadt Danzigs
Der Hafen und zahlreiche Werften machten Danzig im 14. und 15. Jahrhundert zur bedeutenden Hansestadt © Stadt Danzig/Maciek Nicgorski

Die zweite Hafenstadt im Bunde und seit dem 14. Jahrhundert Mitglied der Hanse – da war eine Städtepartnerschaft zwischen Bremen und Danzig quasi überfällig. Die freundschaftliche Verflechtung der beiden Hansestädte war die erste Beziehung dieser Art zwischen einer westdeutschen und einer polnischen Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier findet sich das zentrale Motiv während der Entstehungszeit der Städtepartnerschaften wieder: Bremen und Danzig agierten als Zeichen der Wiedergutmachung innerhalb der Entspannungspolitik der 1970er Jahre.

2021 feiern Bremen und Danzig nicht nur das 45-jährige Jubiläum ihrer Partnerschaft. Das Jahr steht zugleich im Zeichen des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages, der sich zum 30. Mal jährt. Ein Jubiläumsprogramm begleitet mit zahlreichen Veranstaltungen den doppelten Anlass zum Feiern. Auf dem Programm steht zum Beispiel ein Vortrag der Danziger Stadtpräsidentin Aleksandra Dulkiewicz mit anschließender Diskussion über den Einfluss der Städte auf die Demokratie. Digitale Veranstaltungen der Universität Bremen sowie der Hochschule Bremen informieren über die Möglichkeiten eines Auslandsstudiums in Danzig. Diskutiert wird außerdem – neben vielen weiteren Themen – über die feministischen Proteste in Polen sowie über die Zukunft der Europäischen Union.

3. Riga (Lettland)

Stadt Riga
Riga, kulturelles Zentrum und wirtschaftlicher Knotenpunkt des Baltikums © Stadt Riga

Wer hätte es gewusst? Die lettische Hauptstadt an der Daugava gründete einst der bremische Domherr und Leiter der Domschule Albert von Buxthoeven. Im Zuge der Christianisierung entwickelten deutsche Kaufleute Handelsverbindungen mit den baltischen Staaten und Riga wurde Mitglied im mächtigen Bund der Hanse. Zwischen Bremen und Riga verkehrte ein so lebhafter Warenaustausch, dass in Riga zu Beginn des 19. Jahrhunderts sogar für vierzig Jahre ein bremisches Konsulat eingerichtet wurde. Zwei Weltkriege später nehmen die beiden Hansestädte ihre Freundschaft wieder auf: 1985 wird die Städtepartnerschaft als Ergebnis der Völkerverständigung ins Leben gerufen.

4. Dalian (China)

Delegation aus China  zu Besuch in Bremen
Die Vizepräsidentin der Volkskongresses der Stadt Dalian, Wang Yue, und der Leiter von CCPIT, Dong Zhenming zu Besuch in der Hansestadt © WFB

Hier steht die Marine Wirtschaft im Zentrum der Partnerschaft: Dalian ist, gemessen an den Umschlagszahlen, eine der größten Hafenstädte Chinas und somit – genau wie Bremen – ein wichtiger Knotenpunkt für die Region. Die Städtepartnerschaft entstand im Rahmen der wirtschaftlichen Reform- und Öffnungspolitik Chinas. Mit der Öffnung des Landes für ausländische Direktinvestitionen war man sich in Bremen sicher, dass die Beziehung zu Dalian strategische Möglichkeiten für die Wirtschaft bereithalte. Die Vermutung hat sich bestätigt: Seit Beginn der Partnerschaft pflegen Bremen und Dalian einen regen Technologietransfer. Inzwischen kooperieren die beiden Städte in den Bereichen Elektromobilität, Wind, Raumfahrt, maritime Logistik und Gesundheitswirtschaft.

5. Izmir (Türkei)

Izmir
Hochhäuser direkt am Meer: Stadtteil Bayrakli in Izmir © istock

Zu Beginn der 1990er Jahre sorgten in Deutschland mehrere ausländerfeindliche Anschläge auf türkische Wohnhäuser für Schlagzeilen. Auch Bremen ist die Heimatstadt vieler türkischstämmiger Menschen und bekundete Solidarität – die Partnerschaft Bremen-Izmir war geboren. Mittlerweile erzählt ein Kinderbuch die Geschichte davon, wie die Bremer Stadtmusikanten nach Izmir kamen (natürlich in beiden Sprachen). Aus der einstigen Solidaritätsbekundung entstanden nicht nur Jugendaustausche und Kooperationen zwischen Universitäten und Hochschulen. Seit 2011 betreibt Bremeninvest in Izmir eines von vier Auslandsbüros und fördert die wirtschaftliche Entwicklung zwischen den beiden Städten.

6. Durban (Südafrika)

Bremens jüngste Beziehung verläuft über mehr als 9.000 Kilometer Luftlinie nach Südafrika. Durban ist hier die drittgrößte Stadt und besitzt außerdem den größten Hafen des ganzen Kontinents. Der Anlass für die Städtepartnerschaft reicht zurück in die 80er Jahre: Zum Ende der Apartheid engagierte sich die Bremische Evangelische Kirche für einen demokratischen Wandel in Südafrika. Deshalb begann auch die vertragliche Zusammenarbeit zwischen Bremen und Durban im kirchlichen Bereich. Später kamen Sport, Wissenschaft, Kultur, Umwelt, Wirtschaft und Bildung dazu. Die wichtigste Kooperation ist heute eine Klimapartnerschaft – hier tauschen sich Fachkundige über eine nachhaltige Wasserwirtschaft und Ressourcenschutz aus.

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