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17.5.2021 - Insa Lohmann

Konzertfeeling fürs Wohnzimmer

Kreativwirtschaft

Im Bremer Club 100 kehren Bands auf die Bühne zurück

Pohlmann mit Band bei seinem Auftritt im Club 100 im Pier 2 in Bremen.
Pohlmann mit Band bei seinem Auftritt im Club 100 im Pier 2 in Bremen. © Paul Post/Club 100

In Bremen lebt die Konzertsaison trotz Corona: Per Stream können Musikbegeisterte die Auftritte von Pohlmann, Selig und anderen Künstlerinnen und Künstlern aus dem Pier 2 live verfolgen. Das bundesweit einmalige Projekt Club 100 gibt einer Branche neue Hoffnung.

Gero Stubbe ist ein pragmatischer Mensch. Als die Konzertbranche 2020 durch die Corona-Pandemie quasi von heute auf morgen ausgeknockt wurde, war für ihn relativ schnell klar, dass er nach Alternativen suchen muss. Ab April 2020 telefonierte der Konzertveranstalter von der Bremer Agentur Koopmann Concerts viel mit Behörden und entwickelte gemeinsam mit anderen Akteuren der Veranstaltungsbranche Konzepte, wie Musikfans auch in Corona-Zeiten Konzertfeeling erleben könnten. „Der Weg war lang“, sagt Stubbe rückblickend. Aber er hat sich gelohnt, da ist er sich sicher. Denn herausgekommen ist das Projekt Club 100, das bundesweit einmalig ist und die Konzertsaison auch über die Grenzen Bremens wieder aufleben lässt.

Live-Konzerte aus dem Pier 2 fürs Wohnzimmer

Mit dem Club 100 wurde im Pier 2 ein Veranstaltungsort geschaffen, der Künstlerinnen und Künstlern ab Januar 2021 wieder eine Bühne für Live-Konzerte bot – wenn auch ohne Publikum vor Ort. Musikbegeisterte Fans sichern sich online Tickets für einen Livestream und können so die Auftritte ihrer Lieblingskünstlerinnen und Bands von der heimischen Couch aus verfolgen. Damit legten die Initiatoren des Konzepts in den vergangenen Monaten den Grundstein für lange vermissten Musikgenuss und bieten einer ganzen Branche eine Perspektive. Zuschauen können nicht nur Bremerinnen und Bremer: Die Konzerte werden von Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet verfolgt, zum Teil sogar aus dem Ausland.

Bundesweite Aufmerksamkeit für Bremer Projekt

Das Projekt zog von Beginn an bundesweit Aufmerksamkeit auf sich. „Wir bekommen Lob aus allen Ecken“, sagt Projektleiter Gero Stubbe, der mit Pier 2-Betreiber Olli Brock, Julia von Wild und Victor Frei vom Verein Clubverstärker sowie Christian Tipke von der Produktionsfirma Sendefähig gemeinsam den Club 100 ins Leben rief. Mehr als 14.000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten bisher die Shows der Künstlerinnen und Künstler: Auf der Bühne standen sowohl lokale Bands, die vor Pandemie-Zeiten in kleinen Clubs vor hundert Leuten spielten, als auch überregional bekannte Acts wie Thees Uhlmann oder Madsen, die sonst in ausverkauften Hallen auftreten. Genau diese Mischung zeichne den Club 100 aus, sagt Gero Stubbe. „Wir freuen uns, dass wir sowohl bekannte als auch weniger bekannte Künstler am Start haben. Die Tickets verkaufen sich wirklich gut.“

Mehr als 40 Shows zwischen Januar und Juni

Die Karten für die Konzerte, Lesungen und Shows kosten nur ein Bruchteil eines normalen Konzert-Tickets. Dazu kommt: kein Verschieben eines geplanten Events von Monat zu Monat, weil die Corona-Regelungen keine Zusammenkünfte erlaubt. Die Produktion via Stream garantiere sowohl den Zuschauenden als auch den Künstlerinnen und Künstlern, dass der geplante Auftritt tatsächlich stattfinde, so Stubbe.

40 Shows in einem halben Jahr: Die Stream-Konzerte stoßen bei Fans und Bands auf Begeisterung.
40 Shows in einem halben Jahr: Die Stream-Konzerte stoßen bei Fans und Bands auf Begeisterung. © Paul Post/Club 100

Seit Januar wurden rund 30 Shows gezeigt, zehn weitere sind bis Ende Juni geplant. Viele Künstlerinnen und Künstler seien skeptisch gewesen, sagt Stubbe. Sie fragten sich, ob die Qualität eines Streams mit einem Live-Erlebnis mithalten könne. Deswegen habe man von Anfang an auf professionelle Unterstützung durch die Produktionfirma Sendefähig gesetzt. Mit Erfolg: „Es gab zum Beispiel sehr viel Lob für den Ton des Streams“, berichtet Projektleiter Gero Stubbe. „Das war ein Aha-Effekt für viele Künstler.“ Zwar ersetze das Konzept langfristig natürlich kein Publikum, aber es gebe den Künstlerinnen und Künstlern Mut und eine Perspektive nach der langen pandemiebedingten Konzertpause.

Ein ganz besonderer Moment für Selig-Sänger Jan Plewka

Sänger Jan Plewka gibt Stubbe recht: Als er mit seiner Band Selig im März auf der Bühne im Pier 2 sein Live-Konzert gab, sei das ein sehr besonderer Moment gewesen, sagt er. Nachdem die Band wegen der Corona-Krise sämtliche Auftritte habe absagen müssen, sei es nach gut einem Jahr das erste Mal gewesen, dass die Künstler wieder gemeinsam auf einer Bühne gestanden hätten. „Zuerst waren wir skeptisch, es war unser erstes Streaming-Konzert“, berichtet Jan Plewka. „Und dann ging es auf die Bühne, und es war der schönste Tag im letzten Jahr, weil wir endlich wieder das tun durften, was wir können: nämlich ein Konzert geben.“

Für Sänger Ingo Pohlmann war der fehlende Applaus während seines Auftritts im Club 100 zunächst ungewohnt. Dennoch sei er froh gewesen, wieder spielen zu können: „Es war ein wenig komisch, so ohne Publikum. Aber das Musikmachen selbst hat uns sehr viel Spaß gemacht!“ Das sei auch dem Team zu verdanken, das sich um einen reibungslosen Ablauf gekümmert habe.

Lichtblick für eine ganze Branche

Denn nicht nur den Künstlerinnen und Künstlern geben die Live-Streams eine Perspektive, sondern auch den Tontechnikerinnen, Aufbauhelfern, Security-Mitarbeitenden, Caterern und Veranstalterinnen. Die Übertragung der Live-Streams sei durchaus vergleichbar mit dem Ablauf eines gewöhnlichen Konzerts, sagt Projektleiter Gero Stubbe. „Das Beste ist, dass wir einen Großteil der Menschen aus dem Gewerbe wieder in Arbeit kriegen. Das Projekt bietet Hoffnung für eine ganze Branche.“

Das sei nach dem vergangenen Jahr wichtiger denn je, betont auch Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt: „Die Veranstaltungswirtschaft ist eine der am härtesten durch die Corona-Pandemie getroffenen Branchen.“ Es müsse verhindert werden, dass Fachkräfte in andere Branchen abwanderten und die musikalische und kulturelle Vielfalt Bremens dauerhaft Schaden nehme. Mit dem Club 100 sei Bremen einen neuen Weg gegangen und habe gezeigt, wie Veranstaltungen unter Pandemiebedingungen stattfinden können.

Buntes Abschlussprogramm bis Ende Juni 2021

Das Projekt Club 100, das vom Bremer Wirtschaftsressort mit rund 1,1 Millionen Euro gefördert wird, läuft offiziell noch bis Ende Juni 2021. Bis dahin dürfen sich Fans noch auf Shows wie die von Campino am 21. Mai 2021 und Olli Schulz am 27. Mai 2021 sowie ein buntes Abschluss-Programm freuen. Für den Sommer hofft Initiator Gero Stubbe wieder auf Open-Air-Veranstaltungen unter Berücksichtigung von Corona-Auflagen.

Damit das auch klappt, hat der Bremer Senat ein neues Förderprogramm in Höhe von drei Millionen Euro beschlossen: Mit dem Geld sollen geeignete Flächen für Open-Air-Veranstaltungen gefunden und mit der entsprechenden Technik und Versorgung ausgerüstet werden. „Ich hoffe, dass wir einen Sommer voller kultureller und musikalischer Vielfalt im Land Bremen erleben können“, sagt Senatorin Vogt.

Und Ende Juni wurde das Projekt auf Bundesebene prmiert: Mit dem Gewinn des Sonder-APPLAUS-Preises, der mit 40.000 Euro dotiert ist.
 
Pressekontakt:
Gero Stubbe, Projektleiter Club 100, Tel.: +49 172 4245451, E-Mail: gero@club100-bremen.de
 
Bildmaterial:
Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.
Foto 1: Pohlmann mit Band bei seinem Auftritt im Club 100.  © Paul Post/Club 100
Foto 2: 40 Shows in einem halben Jahr: Die Stream-Konzerte stoßen bei Fans und Bands auf Begeisterung. © Paul Post/Club 100
 
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Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden. Es ist erwünscht, dass Journalistinnen und Journalisten den Text komplett, in Auszügen oder Zitate daraus übernehmen.
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