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24.1.2020 - Janet Binder

Grillmaster Flash - mit Chuzpe zum Erfolg

Pressedienst
Wie ein wenig bekannter Musiker es in eine große Konzerthalle geschafft hat
Christian Wesemann alias Grillmaster Flash
Christian Wesemann alias Grillmaster Flash. © WFB/Jens Lehmkühler

Grillmaster Flash hat im Vorprogramm von Kettcar, Thees Uhlmann und Madsen vor großem Publikum gespielt. Zu seinen eigenen Konzerten kommen manchmal nur ein Dutzend Leute. Mit einer gewagten Aktion hat er es geschafft, dass er in einer der größten Hallen in Bremen spielen wird.

Die wenigsten Musikerinnen und Musiker können auf eine steile Karriere hoffen. Die große Mehrheit spielt Konzerte vor einem überschaubaren Publikum. Dem Bremer Deutschrocksänger Christian Wesemann geht es da nicht anders, wenn er mit seiner skurrilen Kunstfigur Grillmaster Flash („Grilli“) allein mit Gitarre oder zusammen mit seiner Band „The Jungs“ auftritt. Auf seiner letzten Tour spielte er in Paderborn vor zehn Leuten. Bezahlt wurde er aus dem Inhalt des herumgereichten Hutes. 200 Besucher waren bisher sein Maximum. Doch das soll sich bald ändern: Der 36-Jährige plant das „größte Grillmaster Flash-Konzert aller Zeiten“ in einer Riesenhalle in Bremen: dem Pier 2 mit Platz für bis zu 2800 Zuschauer.  

Erstes Ziel: neues Album, zweites Ziel: Konzert im Pier 2

Am 14. Februar 2020 wird es soweit sein. Als Einheizer hat sich dem Bremer Musiker der Indie-Rock-Sänger Thees Uhlmann angeboten. „Ich darf ein paar Songs im Vorprogramm spielen - hat er mir erlaubt“, verriet Uhlmann kürzlich in einem Radiointerview. Verkehrte Welt? Christian Wesemann zündet sich an einem sonnigen Tag im Januar auf der Außenterrasse eines Cafés im Bremer Hafen nur wenige hundert Meter vom Pier 2 entfernt erst mal eine Zigarette an. Das Konzert, sagt er, sei eigentlich nur ein Nebenprodukt einer viel größeren Sache: sein neues Album. Zwei hat er schon produziert, finanziert mit erspartem Geld. „Eine Platte aufzunehmen ist teuer“, sagt er.

Per Crowdfunding über 15.000 Euro eingenommen

Nun ist das Konto leer, deshalb musste eine Idee her. „Zusammen mit meiner Plattenfirma haben wir überlegt, das geplante Album per Crowdfunding zu finanzieren“, erzählt der studierte Pädagoge. Das Ziel war, mit der Schwarmfinanzierung 15.000 Euro zusammenzubekommen. So weit, so gut – und inzwischen nicht mehr ungewöhnlich. „Ich wollte den Geldgebern aber nicht einfach als Prämie das fertige Album zukommen lassen“, sagt Christian Wesemann, der in Bremen-Blumenthal aufgewachsen ist. „Ich lege viel Wert auf Unterhaltung und mag schräge Sachen.“

Die Crowdfunding-Aktion auf Youtube

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Eine Konzertkarte kostet 3,33 Euro: Viele kauften gleich zehn

Deshalb können ihn beim Crowdfunding Fans mit dem Kauf von ungewöhnlichen Produkten und Leistungen unterstützen: kaputte Turnschuhe, die er auf zig Konzerten trug (ausverkauft), ein „ausgesuchter Gegenstand aus Grillis Wohnung“, ein Skype-Konzert, eine gemeinsame Kneipenschicht oder ein Song, nur geschrieben für den Erwerber (ausverkauft). Zusätzlich werden Karten zu 3,33 Euro fürs Konzert im Pier 2 verkauft. „Wir haben das extra so günstig gemacht, damit die Leute gleich zehn Karten auf einmal kaufen“, sagt der Künstler. „Nach zwei Tagen hatten wir schon 6.000 Euro eingenommen.“ Auch die anvisierte Finanzierungssumme war schnell erreicht, bis kurz vorm Konzert läuft das Projekt noch weiter.

Wie viele Zuschauer tatsächlich kommen, ist ungewiss

Dass er die Tickets fürs Pier 2 so billig anbieten kann, hat einen einfachen Grund: Christian Wesemann kennt den Geschäftsführer der Veranstaltungshalle sehr gut; dieser betreibt auch die Kneipe in Bremen, in der Wesemann regelmäßig hinterm Tresen steht. Der Chef ist auch sein Freund, und er bot ihm die Halle für wenig Geld an. „Es ist eine einmalige Goodwill-Aktion“, betont Wesemann. Die Bühne bleibt am geplanten Konzerttag von einer vorherigen Veranstaltung einfach länger stehen und kann somit ohne weitere Kosten genutzt werden. „Wir haben sogar einen Bier-Sponsor.“ Deshalb ist für ihn nicht die Frage, ob er im Pier 2 spielt, sondern nur vor wie vielen Menschen. Über 1200 Karten sind bereits verkauft. „Wir wissen nicht, ob sie auch alle zum Einsatz kommen“, sagt Christian Wesemann.

Kunstfigur Grilli: naiv und ein wenig verpeilt

Als Grillmaster Flash ist er zwar in der Bremer Musikszene bekannt. Viele der Zuschauer am 14. Februar werden ihn und „The Jungs“ aber wohl zum ersten Mal sehen und hören. Sie erwartet eine schräge Kunstfigur, die Wesemann selbst als „ein bisschen dumm, aber schlau“ charakterisiert. In seinen Musikvideos inszeniert er sich als naive, ein wenig verpeilte Person in Jeansweste, mit dürftig zusammengeklebter Brille auf der Nase und Kippe im Mundwinkel. „Viele wissen damit am Anfang nichts anzufangen und fragen sich: Was will der von mir? Dann kommt schnell heraus: nur das Beste“, sagt er verschmitzt. Sein Anspruch ist es, als Künstler nicht so schnell durchschaut zu werden.

„Mit eigentlich schwierigen Themen versuche ich humorvoll umzugehen“

Seine selbstgeschriebenen Titel wie „Sottrum“, „Pleite gehen“ oder „(Ich war nie) Rock’n Roll“ sind gut gemachte, eingängige Rocksongs mit witzigen Texten. „Mit eigentlich schwierigen Themen versuche ich humorvoll umzugehen.“ Sein immer wiederkehrendes Thema ist aber auch das Dasein als mittelloser Musiker mit der langweiligen Vergangenheit eines Durchschnittsbürgers – obwohl er sich doch eigentlich mehr Glamour wünscht.

Thees Uhlmann ist einer seiner größten Fans

Ein bisschen glitzernde Showbusiness-Luft konnte Wesemann, der mit zwölf Jahren anfing Gitarre zu spielen, bereits schnuppern. Auf Konzerten der erfolgreichen deutschen Bands Kettcar und Madsen sowie bei Thees Uhlmann spielte er im Vorprogramm. Der Kontakt zu letzterem kam über die gemeinsame Hamburger Plattenfirma zustande, schon nach dem ersten Besuch eines Grillmaster Flash-Konzerts wurde Uhlmann zu einem seiner größten Fans. „Ich finde er hat eine der besten Rock’n’Roll-Stimmen Deutschlands. Also, der singt wie ein Amerikaner, der deutsch kann. (…) Ganz hoch und kraftvoll (…). Der liebt das so sehr auf der Bühne zu stehen und zu singen und Gitarre zu spielen (…). Das ist einfach geil“, sagte Thees Uhlmann in der Musiksendung „London Calling“. Auf seinen Konzerten machte der Sänger deshalb viel Werbung für den Auftritt seines Freundes Grillmaster Flash am 14. Februar in Bremen. „Damit haben wir eine große Reichweite erzielt“, freut sich Christian Wesemann.

„Lampenfieber liegt mir fern“

Aufgeregt angesichts der mutmaßlich über tausend Konzertbesucher im Pier 2 ist er nicht. „Lampenfieber liegt mir fern“, sagt der 36-Jährige. „Eine natürliche Anspannung ist da, aber die ist eher positiv.“  Dass Thees Uhlmann jetzt seine „Vorband“ ist, so wie er zuletzt bei ihm, findet er nur folgerichtig. „Jetzt muss er mal durch die Vorgruppen-Hölle gehen“, sagt er und grinst.


*Nachträgliche Anmerkung der Redaktion: Zum Konzert im Pier 2 kamen am 14. Februar 2020 nach Angaben der Veranstalter 1500 Besucher.

Pressekontakt: Grillmaster Flash/Christian Wesemann, grilli@grillmaster-flash.de


Bildmaterial:

Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

Foto eins, zwei, drei: Christian Wesemann alias Grillmaster Flash. © WFB/Jens Lehmkühler

Foto 4: Christian Wesemann vorm Bremer Pier 2. Hier will er am 14.02.2020 das „größte Grillmaster Flash-Konzert aller Zeiten“ geben. © WFB/Jens Lehmkühler


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