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24.5.2018 - Hans-Jörg Werth / Diana Bluhm

Von Wiesen zum Gewerbepark Hansalinie: Das Vorzeigeprojekt wächst weiter

Gewerbepark Hansalinie
Wie Baustufen den Automotive-Standort formen
Die Lage überzeugt
Das Gewerbegebiet liegt direkt an der Autobahn A1 © WFB/Christian Ring

Wer Wirtschaftsförderung sagt, muss auch Gewerbeflächen sagen. Attraktive Flächen für die Wirtschaft bereitzustellen ist eine Hauptaufgabe der Wirtschaftsförderung Bremen. Durch den großzügigen Ankauf von Grundstücksflächen in der Hemelinger-, Arberger- und Mahndorfer Marsch legte Bremen bereits 1991 den Grundstein für das Vorzeigeprojekt Gewerbepark Hansalinie. Die Vorbereitungen zur Entwicklung dieses strategisch so wertvollen Areals reichen sogar bis in die 1980er Jahre zurück.

Für Automobilunternehmen ist der Gewerbepark Hansalinie besonders attraktiv. Der Grund: Daimler. Der Weltkonzern mit seinem Rekordwerk in Bremen-Sebaldsbrück liegt nur einen Katzensprung von der Hansalinie entfernt. Der eigens gebaute Hemelinger Tunnel verkürzt den Weg zum Gewerbegebiet. So ist das Areal besonders für Automobilzulieferer attraktiv, die das Werk just-in-time oder just-in-sequence beliefern. Wie zum Beispiel der international aufgestellte Konzern Dräxlmaier, der seinen alten Standort Anfang 2017 in Achim aufgab, um in ein neues, circa 10.000 Quadratmeter großes Betriebsgebäude im Bremer Gewerbegebiet gezogen ist.

Gewerbepark Hansalinie 2017

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Die Lage überzeugt

Die Vorteile für Unternehmen liegen auf der Hand: Der Gewerbepark Hansalinie verfügt über einen eigenen Anschluss an die Bundesautobahn A1 in unmittelbarer Nähe zum Bremer Kreuz. Kurze Wege, aber auch der Umstand, dass Verkehrsstaus in aller Regel zu umgehen sind, sind unschlagbare Argumente. Die Infrastruktur inklusive der Dienstleistungsangebote eines Autohofs ist optimal auf die Nutzenden abgestimmt. Die besondere Kombination aus Produktion, Automobillogistik sowie Dienstleistung, Handel und Handwerk machen das Areal zu einem gefragten Standort. Jutta Zernikow, WFB-Projektleiterin der Region Bremen-Ost, ist zufrieden: „Tatsächlich haben wir im Gewerbepark Hansalinie einen guten Branchenmix, der langfristig zum Erfolg des Standortes beitragen wird.“ So arbeiten aktuell mehr als 3.600 Personen in über 80 Betrieben. Im Januar 2018 eröffnete die Wagon Automotive Bremen GmbH eine Betriebsstätte im Bereich der neu erschlossenen Flächen. Das Unternehmen Adient Ltd. hat sich innerhalb des Gewerbegebiets in neue größere Hallenflächen verlagert und eine neue Logistikhalle fertiggestellt. Weitere Bauvorhaben werden zurzeit umgesetzt.

Attraktiver Automotive-Standort
Der Gewerbepark Hansalinie liegt in direkter Nähe zum Mercedes-Benz Werk © WFB/Jens Lehmkühler

Ist-Stand: Die zweite von insgesamt sechs Baustufen ist fast fertig

Diese Vorteile erklären auch die große Beliebtheit. Nachdem die Flächen in den Baustufen 0 und 1 bis auf wenige Restflächen alle verkauft waren, wurde der Ausbau der zweiten Entwicklungsstufe vorangetrieben. Von den insgesamt 55 Hektar der zweiten Stufe sind, laut Zernikow, bereits 40 Hektar verkauft beziehungsweise fest reserviert (Stand April 2018). Die Baustufe 2 ist kurz vor der Fertigstellung.

Die Kosten für die Gesamtmaßnahme betragen circa 53 Millionen Euro. Die erforderlichen Haushaltsmittel wurden vom Bremer Senat bewilligt. Das Ende der Fahnenstange ist aber noch lange nicht erreicht: Die weitere Erschließung der Baustufen 3 bis 5 mit zusammen etwa 160 Hektar Nettogewerbefläche erfolgt jeweils nachfragegerecht.

Zahlreiche Aufgaben bis zur öffentlichen Erschließung des Gebiets

Der Ausbau einer Gewerbefläche ist zeitintensiv. Eine vorausschauende Flächenpolitik ist daher notwendig. Nicht nur aufgrund der hervorragenden Nachfragesituation am Automotive-Standort – auch weil mit dem Auf- und Ausbau ein hochkomplexer Abstimmungsprozess auf alle Beteiligten wartet. „Geologische Untersuchungen und Gutachten, Planungen zum Umwelt- und Naturschutz sind nur einige Aufgaben, die im Rahmen der Bauleitplanung vor der eigentlichen Baureifmachung geregelt werden müssen“, erklärt Bauingenieurin Silke Overman, bei der WFB verantwortlich für die Herstellung öffentlicher Infrastrukturen in Gewerbegebieten. Gebaut wird erst viel später, wie ein Auszug aus dem Ablaufplan verdeutlicht:

  • 2005 Bebauungsplan wird verabschiedet (und zwischenzeitlich mehrmals geändert)
  • 2011 Beginn der Planung für eine Eisenbahnüberführung und ein Trogbauwerk
  • 2013 Baubeginn für die Eisenbahnüberführung und das Trogbauwerk
  • 2014 Kampfmittelsuche als vorbereitende Maßnahme für die erforderlichen Erdbauarbeiten
  • 2016 Ende für die Ausschreibung der Kanalbauarbeiten
  • 2017 Beginn der Kanalbauarbeiten
  • 2017 Fertigstellung des Trogbauwerks
  • 2017 August: Richtfest der ersten Gebäude 
  • 2018 Ende der Erschließungsmaßnahmen, zwei Jahre früher als ursprünglich geplant
Umfangreiche Planungen
Auf einer Seite werden die letzten Straßen gebaut, auf der anderen rollt schon der Verkehr © WFB/Jens Lehmkühler

Minutiöse Vorbereitung für idealen Baugrund

Um Flächen passgenau für Nachfrager bereitstellen zu können, sind viele weitere Aufgaben zu erledigen. Da Bremen im zweiten Weltkrieg großflächig bombardiert wurde, musste zum Beispiel zuallererst der Kampfmittelräumdienst mit 20 Personen das gesamte Gelände einschließlich der Ausgleichsflächen ein Jahr lang absuchen. Danach waren weitere Arbeiten notwendig, erzählt Projektleiterin Overman: „Hauptaufgabe für uns war es, ein Eisenbahnüberführungsbauwerk, ein dazugehöriges Trogbauwerk sowie die Umverlegung des Arberger Kanals zu bauen. Außerdem mussten wir rund 800.000 Kubikmeter Mischboden abtragen und die gleiche Menge an Sand aufspülen. Erst dann konnten wir Straßen bauen und Lkws durch das Gebiet rollen lassen.“

Da die Bodenbeschaffenheit in Bremen eine wichtige Rolle spielt, waren geologische Untersuchungen und Auswertungen notwendig. Nur so konnten belastbare Aussagen über den Baugrund und die Bebaubarkeit der Gewerbeflächen getroffen werden. „Der für die Aufbereitung der Gewerbeflächen benötigte Sand wurde mittels drei Spülbaggern aus dem 600 mal 200 Meter großen Sandentnahmesee im Gewerbeparks Hansalinie entnommen und auf die Gewerbeflächen gespült“, erklärt die Projektleiterin. Das ist die kosten- und umweltverträglichste Methode. Zum Vergleich: Allein für 1.500 Kubikmeter Sand müssten sonst pro Tag 80 bis 100 Lkw-Fahrten die Verkehrswege belasten. Insgesamt wären dazu etwa 50.000 Fahrten nötig.

Darüber hinaus gelte es, laut Overman, etliche Vorgaben und Anliegen der einzelnen bremischen Verwaltungseinheiten zu koordinieren. Das geschieht im guten Einvernehmen mit Umwelt- und Naturschutzbelangen sowie unter wasserwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Und das alles unter hohem Zeitdruck. Zusätzlich müssen die Interessen der privaten Investoren, wie die Flächenerreichbarkeit während der Herstellung der öffentlichen Erschließung, gewährleistet sein.

Spülbagger im Gewerbepark Hansalinie
Kosten- und umweltfreundlich: Der Sand für den Gewerbepark kam aus einem Baggerentnahmesee © WFB/Frank Pusch

Verlängerte Werkbank wird stetig fit gemacht für die Zukunft

Das Bereitstellen der gesamten Infrastruktur erfolgt dabei fließend. „Während an einer Stelle des zweiten Bauabschnittes bereits neue Logistikhallen entstehen, wird an anderer Stelle noch gebaggert, gespült und planiert – die Infrastruktur hergestellt“, erklärt Zernikow. Die letzte Straße dieses Bauabschnitts wird Anfang Juni 2018 fertiggebaut, im Herbst 2018 die letzten Bäume gepflanzt sein.

Über neue Flächen und Erweiterungen wird bereits frühzeitig in Bremen diskutiert. Dazu gehört beispielsweise die politische Abstimmung über eine zusätzliche Autobahnauf- und -abfahrt zum Gewerbepark Hansalinie bei kontinuierlich steigendem Verkehrsaufkommen und weiteren Flächenangeboten.

„Momentan laufen die Vorbereitungen an, um mit den Planungen der dritten Baustufe zügig voranzukommen“, so Overman. Getreu dem Motto „vor der Bauleitplanung ist nach der Bauleitplanung“. Das Lenken der städtebaulichen Entwicklung einer Stadt ist ein komplexes und zugleich hoch spannendes Vorhaben. Sie ist richtungsweisend für die kommenden Jahre und Jahrzehnte.


Weitere Informationen zum Gewerbepark Hansalinie finden Sie hier.


Für das Thema Gewerbepark Hansalinie wenden Sie sich an Jutta Zernikow, Unternehmensservice und Vertrieb, Projektleiterin Region Bremen Ost, Tel.: 0421 9600-249, jutta.zernikow@wfb-bremen.de.

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