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2.5.2022 - Mona Fendri

Buchhandlung mit Tradition: 125 Jahre Storm im Herzen Bremens

Bremen wird neu

Die Buchhandlung Storm feiert Jubiläum – und schlägt mit dem Gewinn aus dem Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“ ein neues Kapitel auf

Eine Frau sitzt in einer Buchhandlung an einem Tresen
125 Jahre Storm: Inhaberin Alexandra Rempe freut sich über das frisch umgebaute Ladengeschäft © WFB / Jan Rathke

Die Buchhandlung Storm feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Einen Grund zu feiern gab es bereits, denn Storm hat im Oktober 2021 den zweiten Platz im Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“ für den bereits bestehenden Einzelhandel belegt, den die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH im Rahmen des Aktionsprogramms Innenstadt (API) ins Leben rief. Mit dem Gewinn hat Inhaberin Alexandra Rempe nun ihr Ladengeschäft umgebaut. Das Motto dabei: Storm zu einem Ort machen, an dem die Menschen sich gerne treffen und Zeit verbringen. Im Gespräch erzählt Rempe aus der Geschichte von Storm, von der Teilnahme am Wettbewerb und ihren Umbauplänen und verrät uns, was sie an der Buchhandlung besonders liebt.

Eine Bremer Institution

„Stürmische“ Zeiten hat die Buchhandlung Storm hinter sich und ist mittlerweile als eine wahrhaftige Bremer Institution etabliert. Die Buchhandlung wurde am 25. April 1897 von Johannes Storm, einem Neffen Theodor Storms, gegründet. Der ursprüngliche Standort befand sich am Wall, bevor die Buchhandlung an die Domsheide zog. Eingerichtet wurde das erste Ladengeschäft vom Worpsweder Künstler Heinrich Vogeler, das zweite von seinem Schwiegersohn Walter Müller und war, laut dem Bremer Autor Friedo Lampe, die schönste Buchhandlung Bremens. Doch sie fiel dem zweiten Weltkrieg zum Opfer und eröffnete kurz darauf in einer Maisonette-Wohnung in Bremen Schwachhausen neu.

Als sie in den 1950er Jahren in die Obernstraße zog, befand sich die Buchhandlung schon lange nicht mehr in den Händen der Familie Storm. In den 1970er Jahren kaufte sie Jürgen Nehen und machte Storm in der Langenstraße 10 zu einer der größten Buchhandlungen Bremens. Die Filiale in der Langenstraße 11, in der sich die Buchhandlung heute befindet, wurde noch dazu gekauft und als „belle étage“ bekannt, da sie die schöngeistige Literatur beherbergte. Doch 2003 kam die Insolvenz und die Filiale in der Langenstraße 10 musste ihre Pforten schließen. Die „belle étage“ wurde jedoch von zwei Mitarbeitenden gerettet und weitergeführt und 2017 kaufte schließlich Alexandra Rempe die Buchhandlung.

Storm ist also in der Geschichte Bremens fest verankert und blickt auf eine langjährige Tradition zurück. Damals wie heute liegt das Hauptaugenmerk auf den Geisteswissenschaften, auf Politik, Philosophie, Kunst und Geschichte. „Als ich mir die Buchhandlung zum ersten Mal ansah, war ich sofort verliebt,“ schwärmt die gebürtige Nordrhein-Westfälin. „Die Auswahl, das Sortiment, die bibliophilen Ausgaben, das wunderschöne Ladenlokal mit den hohen Fenstern und die Galerie … das alles hat mich beflügelt.“ Da sie selbst von der Buchhandlung als solche überzeugt war und weil es sich um einen traditionsstarken Ort mit einer alt eingesessenen Stammkundschaft handelte, zögerte Rempe lange, etwas an dem Laden zu verändern. „Als ich dann endlich dachte, jetzt setze ich meine Impulse, kam Corona und hat vieles verändert. Auch die Innenstadt verändert sich gerade sehr. Es ist schon so, dass wir uns anpassen müssen.“

Ein umrahmtes Bild von einer alten Buchhandlung steht auf einem Brett
Bilder der früheren Buchhandlungen erinnern an die Bremer Vergangenheit Storms © WFB / Jan Rathke

Teilnahme am Innenstadtwettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“

Wie viele Einzelhändler:innen hat auch Alexandra Rempe mit ihrer Buchhandlung die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie zu spüren bekommen. „Wir merken, dass die Menschen, die eigentlich in der Innenstadt arbeiten, oft noch im Homeoffice und jetzt wahrscheinlich mehr in den Stadtteilen unterwegs sind. Wir haben viele Stammkundinnen und -kunden, die uns begleiten, aber die ganze Laufkundschaft ist uns, vor allem in Zeiten des harten Lockdowns, abhandengekommen. Auch der Tourismus ist in der Zeit weggebrochen, das darf man nicht unterschätzen“, erklärt die Buchhändlerin.

So kam der Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“, den die Wirtschaftsförderung Bremen 2021 im Rahmen des Aktionsprogramms Innenstadt für bereits bestehende, inhabergeführte Einzelhandelsunternehmen in der Bremen City organisierte, wie gerufen. „Als der Wettbewerb ausgeschrieben wurde, war ich sofort Feuer und Flamme“, erinnert sich Rempe. „Ich hatte viele Ideen und wollte unbedingt mitmachen. Aber je näher der Abgabetermin rückte, desto unsicherer wurde ich. Am letzten Tag der Bewerbungsphase hat mir mein Team so sehr ins Gewissen geredet, dass ich es schließlich getan habe.“

Eine Entscheidung, die Rempe nicht bereut haben dürfte, denn mit ihrem Umbaukonzept überzeugte sie die Jury und belegte den zweiten Platz – dotiert mit einer finanziellen Förderung in Höhe von 50.000 Euro. „Ohne den Wettbewerb hätte ich mich in der aktuellen Situation nicht getraut, meine Ideen umzusetzen,“ räumt sie ein.

Eine Frau steht draußen. Im Hintergrund sieht man das Logo Storm
Mit dem Gewinn aus dem Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“ konnte Alexandra Rempe eigene Impulse in der Buchhandlung setzen © WFB / Jan Rathke

Den Wohlfühlfaktor erhöhen

Um am Wettbewerb teilzunehmen, hatte die Buchhändlerin ein ambitioniertes Konzept eingereicht, das aus mehreren Bausteinen bestand, die je nach erhaltener Fördersumme auch einzeln umsetzbar waren. Doch eines haben all diese Bausteine gemein: Sie sollen dazu dienen, den Wohlfühlfaktor innerhalb der Buchhandlung zu erhöhen und so das Einkaufserlebnis der Kundinnen und Kunden zu verbessern. „Wir wollten die Attraktivität des Raums steigern,“ erklärt Rempe. „Im Raum lag ein Teppichboden aus dem Jahre 1996. Der musste raus. Daher war ein Baustein die Bodenerneuerung, aber auch neue Farben für die Wände mussten her. Und wir haben jetzt einen schönen, großen Tresen, den wir als Kommunikationsstation nutzen wollen. Der wird zum Mittelpunkt des Raums und soll sowohl als Treffpunkt als auch eine Workstation dienen. Wir wollen dort noch eine Kaffeebar integrieren, auch wenn wir das leider nicht sofort umsetzen können.“

Neben diesem neuen Treffpunkt für Kundschaft und Team wurde die Galerie im oberen Bereich gemütlicher gestaltet. Auch plant die Buchhandlung, freies W-LAN anzubieten, was besonders für Studierende von Vorteil wäre, die sich mit ihrem Laptop in den Tresenbereich setzen und arbeiten könnten. Zudem soll neben dem geisteswissenschaftlichen Büchersortiment Kinder- und Familienliteratur mehr in den Vordergrund rücken. „Ich möchte, dass alle in der Familie bei uns etwas finden – die Großen wie die Lütten“, freut sich die Inhaberin. „Ich möchte, dass die Leute sich hinsetzen und Kaffee trinken können und dass sie Lust bekommen, bei uns zu verweilen und unsere Atmosphäre aufzunehmen.“

Alexandra Rempe hat noch viele weitere Ideen, wie sie die traditionsreiche Buchhandlung bereit für die Zukunft machen kann und schlägt somit pünktlich zum 125. Jubiläum ein neues Kapitel auf. Mit dem Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“ konnte sie zumindest schon einige Seiten dieses neuen Kapitels füllen. Und wie es weitergeht? Das ist eine andere Geschichte, auf die nicht nur Bremer Leseratten gespannt sein können.

Das Aktionsprogramm Innenstadt & der Zukunftsfonds Innenstadt

Das Aktionsprogramm Innenstadt wurde am 25. August 2020 vom Senat beschlossen, um die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Senatskanzlei, der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, der Senatorin für Klima, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und dem Senator für Kultur – unter der Federführung von Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte und finanziert über den Bremen-Fonds. Das Aktionsprogramm Innenstadt umfasst insgesamt über 30 Einzelmaßnahmen, die bis Ende 2021 schnell und unkompliziert umgesetzt werden und die Bremer City nachhaltig stärken sollen. Der Zukunftsfonds Innenstadt schließt an das Aktionsprogramm Innenstadt an und fördert spannende touristische Angebote, kulturelle Impulse, neue Nutzungsangebote und vieles mehr. Weitere Informationen unter www.bremenwirdneu.de.

Der Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“ im Rahmen des Aktionsprogramms Innenstadt

Der Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“ fand im Rahmen des Aktionsprogramms Innenstadt statt und richtete sich an bereits bestehende, inhabergeführte Einzelhandelsunternehmen innerhalb eines fest definierten Bereichs der Bremer Innenstadt. Von der WFB gefördert wurden ausschließlich Fremdkosten in Investitionen sowie Dienst- und Handwerkerleistungen. Die eingereichten Konzepte wurden durch eine Fachjury nach festgelegten Kriterien bewertet. Dazu gehörten die Stimmigkeit des Konzeptes, sein Innovationsgrad, die Relevanz für die Frequenz von Kundinnen und Kunden in der Innenstadt, die Nutzungsvielfalt und die ökologische Nachhaltigkeit. Die Gewinner:innen erhielten eine Förderung: Für den ersten Platz gab es 70.000 Euro, für den zweiten 50.000 Euro, für den dritten 35.000 Euro und für den vierten und fünften Platz jeweils 20.000 Euro. Alle Beteiligten investieren neben dem gewonnenen Preis auch eigene Mittel für die Umsetzung der Konzepte.

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