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18.9.2017 - Merle Burghart

Das Vegesacker Geschichtenhaus – wenn Vergangenheit zum Leben erwacht

Lebensqualität

Living History trifft auf gemeinnützige Einrichtung

Vegesack 1845. Die ehemalige Lange-Werft läuft auf Hochtouren. Sobald die Besucherinnen und Besucher die Schwelle des alten Speichers übertreten, begeben sie sich auf eine Zeitreise. Die Geschichte Vegesacks erwacht zum Leben.

Darstellerinnen des Vegesacker Geschichtenhauses im historischen Kostüm
Im Vegesacker Geschichtenhaus erzählen Schauspielerinnen und Schauspieler die Geschichte von Bremen-Nord © Matthias Sabelhaus

Direkt am Hafen liegt der ehemalige Lange-Speicher in Bremen-Vegesack. Ein weißer vierstöckiger Bau mit dunklen Fensterrahmen. Anfang 2017 öffnete das denkmalgeschützte Gebäude als Vegesacker Geschichtenhaus seine Türen für Besucherinnen und Besucher. Es entführt sie ins 19. Jahrhundert, in eine Zeit, in der Fischerei und Walfang in Bremen-Nord auf Hochbetrieb läuft.

Das Geschichtenhaus ist dabei kein typisches Museum es kann nicht auf eigene Faust erkundet werden. Vielmehr verzaubert und lehrt es dank gespielter Theaterszenen und Requisiten als überdimensionale, historische Puppenstube. Die Gäste tauchen in die Vergangenheit mittels einer Mischung aus Theaterspiel und Museum ein. Laien-Schauspielerinnen und -Schauspieler schlüpfen dazu in historische und fiktive Charaktere, beleben die einzelnen Räumen und erzählen eine urbremische Geschichte.

Stadtteilgeschichte erwacht zum Leben

Die Rahmenhandlung beginnt 1845:  Die frühere Lange-Werft mit ihren Speichern in Bremen-Vegesack gehört zu den größten Arbeitgebern der Region. Inhaber und Unternehmer Johann Lange ist ein Jahr zuvor mit 69 Jahren verstorben. Jetzt führt seine Frau Anna die Werft weiter.

„Was seid ihr denn für ‘ne Meute?“, begrüßt etwa Louise Müller hanseatisch-herb ihre Besuchergruppe. Louise Müller ist Frau Langes Haushälterin und heißt die Zeitreisenden in der Amtsstube der Lange-Werft willkommen. Mit Schürze und Haube steht sie da, nicht auf den Mund gefallen, und nutzt die Abwesenheit ihrer Chefin für ein Schwätzchen mit den Gästen.

Während sie ins Plaudern gerät, erfahren die Besucherinnen und Besucher eine Menge über Louises Leben. Mit 25 Jahren Witwe geworden, drei Kinder großgezogen und fortwährend gearbeitet. Geschickt fließen historische Fakten ein. Die Gäste bindet sie dabei stets in das Gespräch ein. „Frau Lange, wäre die was für dich?“, zwinkert sie einem Rentner zu.

Nach der Amtsstube geht es mitten auf die Werft. Fischernetze, Taue, Holzhobel stapeln sich hier. Alles hat auf der Lange-Werft seinen Platz. Nachdem Anna Lange die Gruppe von ihrer Geschäftstüchtigkeit überzeugen konnte, übergibt sie die Gruppe an Piet. Der Seiler mit norddeutschem Dialekt weiht die Besucher in die Kunst des Tauemachens ein. Seit 23 Jahren arbeitet die Figur Piet in der Seilerei - er weiß, worauf es ankommt und wie man die Knoten richtig knüpft.

Netzmacherin im Vegesacker Geschichtenhaus
Wie wurden eigentlich Netze hergestellt? Im Vegesacker Geschichtenhaus kann man der Netzmacherin über die Schulter gucken. © Matthias Sabelhaus

Ein paar Meter weiter hockt Netzstrickerin Gesine auf einer Holzbank. Sie arbeitet still vor sich hin, lässt sich aber bei der Arbeit über die Schulter schauen. Sie fertigt eine Hängematte. „Damit auf den Booten mehr Platz für die Fracht ist“, erläutert Piet.

Kapitän, Amtmann, Schwiegertochter. Zahlreiche verschiedene Figuren erzählen im Vegesacker Geschichtenhaus ihren Lebensweg. Living History lebendige Geschichte nennt sich dieses Vermittlungskonzept. Neben Walfang, Fischerei und dem Leben zur Mitte des 19. Jahrhunderts stechen die Frauenschicksale deutlich hervor. Geprägt vom Warten auf ihre Männer, harter körperlicher Arbeit und einer gleichzeitig aufgezwungenen Passivität, die ihre Ungleichstellung als Frau mit sich bringt.

Bras e.V. ebnet den Weg ins Rampenlicht

Hinter jeder Figur steckt eine ganz eigene Rollenbiografie. Diese haben die Schauspielerinnen und Schauspieler selber mitentwickelt. Bei den Spielenden handelt es sich um Ehrenamtliche und Arbeitssuchende. Der gemeinnützige Bremer Beschäftigungsträger Bras e.V. bietet im Geschichtenhaus Menschen die Möglichkeit, sich zu präsentieren, Selbstbewusstsein zu entwickeln und wieder aktiv am Arbeitsleben teilzunehmen.

Die meisten der Darstellerinnen und Darsteller haben zuvor noch nie auf einer Bühne gestanden. Theatercoachin Helle Rothe trainiert das kleine Schauspielensemble, das mittlerweile aus mehr als 20 Personen besteht. Mit Sprachübungen bringt sie die Stimmbänder in Schwung und hilft mit immer neuem Feedback den Laiendarstellerinnen und -darstellern über sich hinauszuwachsen. „Keiner war anfangs davon überzeugt, dass er das kann“, erinnert sich Rothe, „aber heute stehen sie alle auf ihrer kleinen Bühne und fühlen sich sicher.“

Beim ersten Auftritt bin ich vor Aufregung fast gestorben.

                                            Marion Wangenheim, Darstellerin im Vegesacker Geschichtenhaus

Routine und Improvisation sind gefragt

Die Charaktere gehen längst über reines Auswendig-Aufsagen hinaus. Durch die Interaktion mit den Besuchenden ist Improvisation wichtig. „Dann brechen sie aus ihren Rollen aus und finden später wieder zu ihrer festen Basis zurück“, schwärmt Rothe.

„Beim ersten Auftritt bin ich fast gestorben“, erinnert sich Marion Wangenheim. Sie spielt eine der Bedienungen in der Spelunke „Zum Walfisch“. Heute sitzt sie mit Helle Rothe zusammen und arbeitet an einer neuen Rollenbiografie für sich. „Man wird immer kreativer und bekommt immer mehr Spielideen“.

Um die Rollen richtig spielen zu können, bedarf es nicht nur Mut und Textsicherheit. Eine ganze Menge geschichtliches Wissen eignen sich die Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter des Vegesacker Geschichtenhauses dafür an.

Living History – spielerische Geschichtsvermittlung

Das Vegesacker Geschichtenhaus ist kein typisches Museum. Weder Exponate noch langwieriger Ausstellungstext ermüden die Gäste. Stattdessen geht das Haus leichtfüßig an die Sache ran. Spielerische Geschichtsvermittlung, Lernen durch erleben und durch zuhören. So überrascht es auch nicht, dass neben Rentnergruppen vor allem Schulklassen den Alten Speicher aufsuchen. Kinder fertigen auf der Werft dann ihre eigenen Seile an und lernen Knoten zu binden. Aber auch private Gruppen und einzelne Gäste sind herzlich willkommen.

Ein Raum für Kultur, Ausstellung und Veranstaltung

Der denkmalgeschützte Speicher von 1820 beherbergt nicht nur die gigantische Puppenstube. Im ersten Obergeschoss, auf 270 Quadratmetern, ist eine Galerie mit regelmäßig wechselnden Ausstellungen untergebracht. In der Hafenschenke finden Lesungen, Konzerte oder Theateraufführungen statt – die Räumlichkeiten des ehemaligen Spicariums sind wieder mit Leben erfüllt und bieten dem Bremer Norden eine neue Fläche für kulturelle Vielfalt.

Und wer sich denkt, das Geschichtenhaus sei ab vom Schuss, liegt falsch: Lediglich drei Minuten zu Fuß vom Bahnhof Vegesack entfernt, unmittelbar am Hafen, befindet sich das weiße vierstöckige Gebäude und wartet darauf seine Besucher zu entführen.


Welche Projekte und Aufgaben die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH für das integrierte Standortmarketing Bremens übernimmt, finden Sie in der Rubrik Marketing für Bremen.


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