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21.7.2020 - Anna Kehl

Mobilität der Zukunft: Hightech-Designer-Räder von VanMoof in Bremen

Standortmarketing

Ein E-Bike-Hersteller erobert Bremen

VanMoof-Fahrräder sind aus der Ferne kaum als E-Bike zu erkennen
VanMoof-Fahrräder sind aus der Ferne kaum als E-Bike zu erkennen © VanMoof

Bremen ist ganz vorne mit dabei, wenn es um grüne Stadtentwicklung geht. In der Hansestadt boomt die Fahrradkultur und macht Bremen zum attraktiven Standort in der Fahrradbranche. Das niederländische Unternehmen VanMoof begeistert mit futuristisch designten E-Bikes – jetzt auch mit einem Pop-up-Store in Bremen.

Wer dieser Tage in der Bremer Innenstadt unterwegs ist, wundert sich vielleicht über die ungewöhnlichen Töne, die neuerdings aus der Langenstraße erklingen. Am 27. Mai eröffnete im Work15, einem Coworking Space mitten im Herzen Bremens, ein Pop-up-Store der international gefragten E-Bike-Marke VanMoof.

Die Räder von VanMoof sind nicht nur unverkennbar durch ihr minimalistisches und futuristisches Design. Sie sind auch technisch auf dem neuesten Stand. Im April 2020 launchte das niederländische Unternehmen seine brandneue Generation E-Bikes, dazu gehören die beiden Modellreihen S3 und X3. Die neuen Modelle markierten den Start für eine Welle von Pop-up-Stores, verteilt auf zahlreiche Länder weltweit. Auch in Deutschland öffneten kurzfristig Läden ihre Türen, unter anderem in Köln, Hamburg, München – und Bremen. „Bei der Auswahl der Standorte ging es nicht nur um die Größe der Städte”, verrät uns Mick Masselink, Pop-up-Store-Manager bei VanMoof. „Vor allem die Beliebtheit der Orte bei Radfahrenden und die Verkaufszahlen der Vorgängermodelle spielten eine Rolle”. Da steht Bremen als beliebtes Pflaster bei Drahteselfans natürlich mit auf der Liste. Beim ADFC-Ranking 2018 schaffte es die Hansestadt auf Platz 1 der fahrradfreundlichsten deutschen Großstädte.

Mehrere E-Bikes stehen zur Fahrprobe im Bremer Pop-up-Store bereit
Mehrere E-Bikes stehen zur Fahrprobe im Bremer Pop-up-Store bereit © WFB/Kehl

Mit dem E-Bike die Stadt überlisten

Geboren in Amsterdam, der Welthauptstadt des Radfahrens, sind die Räder von VanMoof speziell für die Fortbewegung in urbaner Kulisse designt. Eine nachhaltige und autofreie Stadtentwicklung ist ein zentraler Gedanke der Unternehmensphilosophie. Deshalb geben die Räder auch die anfangs erwähnten Geräusche von sich. Verknüpft mit einer App wählen Besitzerinnen und Besitzer eines X3 oder S3 einen von vier Tönen aus, um künftig im Straßenverkehr auf sich aufmerksam zu machen. Die metallische Klingel am Lenker war gestern!

Über die App lässt sich das eigene Rad auch per GSM-Sender orten und die Gangschaltung einstellen. Dass die Macher der E-Bikes Querdenker sind, beweisen sie nicht zuletzt mit einer raffinierten Diebstahlsicherung: Versucht eine fremde Person das eigene Rad mitzunehmen, protestiert es lautstark. Denn dank neuester Technologie erkennt das Fahrrad seinen Besitzer oder seine Besitzerin und lässt sich nur von ihr oder ihm fortbewegen. Aktiviert wird die Diebstahlsicherung mit einem einfachen Kick gegen das Hinterrad.

Klingel- und Diebstahlalarm einmal ausgenommen, rollen die Elektroräder fast geräuschlos über den Asphalt – und das bis zur in Deutschland gesetzlich erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. Das leichte Fahrgefühl entsteht durch die automatisch-elektronische Gangschaltung und ist die erste ihrer Art im E-Bike-Segment. Mit aufgeladener Batterie fährt ein VanMoof-Rad zwischen 60 und 150 Kilometer weit, je nachdem, wie stark der Elektromotor mitarbeitet. Die Gangschaltung der neuen Modelle besteht aus vier Stufen, die sich auch auf dem Fahrradrahmen einstellen lassen: Ein LED-Mosaik-Display zeigt in Lichtpunkten die Gangzahl an. Wer einmal flugs davonkommen will, hält den Boost-Button am Lenker gedrückt – mit dem Turboantrieb beschleunigt das Rad innerhalb weniger Sekunden auf Höchstgeschwindigkeit.

Der Schließmechanismus mit Display auf dem Rahmen
Der Schließmechanismus mit Display auf dem Rahmen © VanMoof

Der Tesla unter den Rädern

Mit ihrer Vision vom perfekten Citybike stiegen die beiden Brüder Taco und Ties Carlier 2009 in den Fahrradmarkt ein. Seitdem verkauften sie mehr als 120.000 Räder. Wer bei der technischen Ausstattung der E-Bikes nun an den Tesla unter den Fahrrädern denkt, liegt richtig – Hightech-Pionier Elon Musk dient den Carliers als Vorbild. Das zeigt sich nicht zuletzt am Namen der neuen Generation: S und X stehen sinnbildlich für die gleichnamigen Tesla Modelle.

Auch die futuristische Erscheinung der Räder erinnert stark an das minimalistische Design, das man von Firmen wie Apple & Co. – und weniger beim Anblick von Fahrrädern – gewohnt ist. Aus einem Guss gefertigt verschwinden technische Ausrüstung, Elektromotor, Kabel und sämtliches Zubehör im Gehäuse. Auch damit setzt sich VanMoof von der Konkurrenz ab, werden Fahrräder doch üblicherweise aus Einzelteilen zusammengesetzt. Damit haben die holländischen Unternehmer einen wesentlichen Trend der Zeit erkannt. Drei Monate Wartezeit gibt es im Moment beim Kauf eines der E-Bikes, denn produziert wird auf Nachfrage.

Gründer Taco Carlier
Gründer Taco Carlier © VanMoof

Die neuen Modelle präsentieren sich in einem hellen Eisblau und in Dunkelgrau. Beide sind höhenverstellbar, jedoch zielt das X3 auf etwas kleinere Menschen und wurde ursprünglich für den japanischen Markt entwickelt. Neu ist auch der kleinere und fast geräuschlose Motor, der im Vergleich zur zweiten Generation mehr Power liefert. Mit 1998 Euro sind S3 und X3 rund 40 Prozent günstiger als ihre Vorgänger. „Bei den Vorgängermodellen haben wir noch mit verschiedenen Zulieferern zusammengearbeitet, um einzelne Teile zu bekommen. Die neue Generation wird in Taiwan komplett unternehmensintern produziert. Dadurch sparen wir Kosten und konnten den Preis trotz der besseren Technik, die bei S3 und X3 zum Einsatz kommt, senken“, erklärt Mick.

Auch hier sind die Parallelen zu Tesla nicht zu übersehen. Der Einsatz neuer Technologien ist zu Beginn fast immer kostspielig, heißt es im Masterplan von Elon Musk. Daraus ergibt sich der Markteintritt im Highend-Segment. Durch Skaleneffekte lässt sich das einzelne Produkt mit der Zeit optimieren und günstiger herstellen – so auch bei VanMoof.

E-Bike-Quadriga in Bremen
E-Bike-Quadriga in Bremen © WFB/Kehl

Perspektive für Bremen

In Windeseile erobert VanMoof den E-Bike-Markt in Bremen. Seit der Eröffnung des Pop-up-Stores in der Langenstraße sind die Verkaufszahlen mit die höchsten auf dem weltweiten Markt.

„Bremen liefert als beliebte Fahrradstadt sehr gute Voraussetzungen für das Business. Die hohen Verkaufszahlen lassen sich aber auch durch die neue Preisgestaltung erklären“, meint Mick.

Den Rest leistete Corona: Fahrräder gehören zu den Gewinnern der Krise. „Die Corona-Pandemie hat einen positiven Einfluss auf die gesamte E-Bike-Szene. Wer ein E-Bike besitzt, erreicht sicher und sauber jedes Ziel“, bewertet Mick die Situation. Dabei sei sicher und sauber hier im doppelten Sinn gemeint: Wer mehr Wege auf dem Rad zurücklege, tue nicht nur der Umwelt etwas Gutes. Auch die Abstandsregeln in Zeiten einer Pandemie ließen sich leichter einhalten und machten das Fahrrad zur sicheren Alternative im Vergleich zu Bus und Bahn. Und mit einem E-Bike lassen sich auch lange Strecken mühelos zurücklegen.

E-Bike-Branche boomt

Bereits 2019 meldete der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) eine Umsatzsteigerung der Fahrradbranche um rund 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Plus leisteten vor allem E-Bikes: Die Verkäufe der Elektroräder stiegen um rund 30 Prozent. Ein Blick auf die Statistik bei VanMoof bestätigt den rasanten Anstieg im E-Bike-Segment: Innerhalb der ersten Jahreshälfte 2020 waren die Verkaufszahlen allein in Deutschland um ganze 262 Prozent höher als 2019. Deutschland ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte für VanMoof. Die ersten beiden Monate der Corona-Krise (Februar und März) brachten bereits einen Umsatzanstieg um 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und das war noch vor der Einführung der neuen Modelle.

Mit den Pop-up-Stores will VanMoof seine neue Generation E-Bikes zukünftigen Kunden und Kundinnen näherbringen. Denn: „Warum sollte jemand ein Fahrrad kaufen, mit dem er keinerlei Erfahrung verbindet?“, findet Pop-up-Store-Manager Mick. In der Langenstraße warten deshalb mehrere X3 und S3 darauf, ausprobiert zu werden. Mit wenigen Klicks lässt sich über die VanMoof-Webseite eine zehnminütige Testfahrt vereinbaren. Vorher erklären die Jungs im Laden ausführlich die Funktionsweise der E-Bikes. „Durch die Testfahrten bekommen Menschen ein Gefühl für die Räder. Schwankt jemand zwischen einem herkömmlichen Fahrrad und einem E-Bike, ist die Testfahrt bei VanMoof oft ausschlaggebender Faktor, sich für das E-Bike zu entscheiden“, zieht Mick Bilanz.

VanMoof in Bremen: Wie füreinander gemacht

Wie lange es die Pop-up-Stores weltweit geben wird, ist aktuell nicht entschieden. In der Langenstraße bleibt VanMoof zunächst bis zum 31. Oktober. So gut wie die Räder in Bremen ankommen, möchten die Niederländer aber gerne dauerhaft eine Heimat in der Hansestadt finden. Ob es beim Pop-up-Store im Work15 bleibt oder eine feste Ladenfläche gemietet wird, steht noch nicht fest. Mit ihren hippen Hightech-Rädern und der nachhaltigen Philosophie passen VanMoof jedenfalls bestens nach Bremen.


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