+49 (0) 421 9600-10
10.9.2018 - Anne-Katrin Wehrmann

Wie digitale Medien die Gesellschaft prägen

Wissenschaft
Uni Bremen startet neuen Studiengang rund um Digitalisierung und Datafizierung

Die Digitalisierung erleichtert nicht nur in vielen Bereichen den Alltag, sondern ermöglicht im Internet aktiven Unternehmen auch das Sammeln und kommerzielle Verwerten riesiger Datenmengen. Immer wichtiger werden Experten, die im Hintergrund ablaufende Prozesse analysieren und kritisch hinterfragen. Sie will das Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) der Uni Bremen künftig ausbilden – in dem neuen Masterstudiengang „Digital Media and Society“, der in dieser Form bundesweit einzigartig ist.

Prof. Dr. Andreas Hepp ist Sprecher des ZeMKI der Universität Bremen.
Prof. Dr. Andreas Hepp ist Sprecher des ZeMKI der Universität Bremen. Dort startet im Oktober der neue Studiengang „Digital Media Society“. © Beate C. Koehler, @p.h.o.t.o.art

Radikale Veränderung

Diese Erfahrung hat inzwischen wohl jeder schon einmal gemacht: Wer im Internet ein Buch oder eine CD bestellt, bekommt wenig später Empfehlungen für Produkte angezeigt, die vermeintlich ebenfalls von Interesse sein könnten. Die Nutzung von Onlineplattformen jeglicher Art ist nicht möglich, ohne dabei zugleich auch Informationen über sich selbst preiszugeben. Internet-Provider, Anzeigendienste, Händler, soziale Medien und viele andere erstellen anhand dieser Daten Nutzerprofile und versuchen, sie zu Geld zu machen. Die fortschreitende Digitalisierung in Verbindung mit dem Sammeln großer Datenmengen hat nicht nur Auswirkungen auf den Einzelnen, sondern auch auf die Gesellschaft als Ganzes. „Das ist einer der Bereiche, die sich derzeit mit am radikalsten verändern“, sagt Professor Dr. Andreas Hepp, Sprecher des Zentrums für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) der Uni Bremen. „Und zugleich ist er am radikalsten mit der Veränderung der Gesellschaft verbunden. Ohne digitale Medien würde sie ganz anders funktionieren.“ Für das ZeMKI ist dies Anlass, einen neuen Studiengang ins Programm zu nehmen, der sich mit genau diesem Themenfeld beschäftigt.

Analysieren und kritisch hinterfragen

Ab dem Wintersemester 2018/19 wird der englischsprachige Masterstudiengang „Digital Media and Society“ Studierenden aus aller Welt vermitteln, wie sich die Rolle von Medien und Kommunikationsmitteln durch die Digitalisierung verändert und was die sogenannte Datafizierung, also das Umwandeln von unterschiedlichsten Vorgängen des Alltags in digitale Daten, an Herausforderungen mit sich bringt. Nach vier Semestern sollen die Absolventen die Kompetenz erworben haben, sowohl selbst Daten zu analysieren als auch kritisch zu hinterfragen, was mit den gesammelten Informationen letztlich geschieht. Auch die klassischen Medien seien mittlerweile zu Datensammlern geworden, erläutert Hepp. „Viele von ihnen agieren transnational, und die Datafizierung als solche kennt erst recht keine Ländergrenzen. Es war darum von Anfang an klar, dass der neue Studiengang international werden soll – zumal uns das die Möglichkeit eröffnet, aus der ganzen Welt die besten Bewerber auszuwählen.“

Prof. Dr. Andreas Hepp ist Sprecher des ZeMKI der Universität Bremen.
Die Nachfrage nach dem internationalen Studiengang hat die Erwartungen bereits übertroffen: in nur zwei Monaten gingen 148 Bewerbungen aus aller Welt am ZeMKI ein. © Beate C. Koehler, @p.h.o.t.o.art

Große Nachfrage

Dass es einen großen Bedarf für einen solchen Studiengang gibt, der in dieser Form nach Aussage von Hepp in Deutschland einzigartig ist, stand für die Verantwortlichen außer Frage. Dass es aber gleich in der ersten Runde so viele Interessenten geben würde, damit hatten sie dann doch nicht gerechnet. Trotz einer kurzen Bewerbungsfrist von nur knapp zwei Monaten gingen 148 Bewerbungen auf die 20 Studienplätze ein. „Wir hatten eine im besten Sinne globale Bewerbungslage, es waren alle Kontinente vertreten“, berichtet der ZeMKI-Sprecher. Voraussetzung für einen positiven Bescheid sei neben einem überdurchschnittlichen Bachelor-Abschluss, Vorwissen in der Medien- und Kommunikationsforschung sowie guten Englischkenntnissen auch ein überzeugendes Motivationsschreiben gewesen: „Wir wollen Leute haben, die richtig in den Studiengang passen und die richtig motiviert sind.“

Alle Kompetenzen an Bord

Geboten wird den Studierenden ein interdisziplinäres Programm, das Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Medieninformatik, Pädagogik, Religionswissenschaften und Filmwissenschaft vernetzt. „Dieses Themenfeld lässt sich nur sinnvoll unterrichten, wenn man die Kompetenzen aller Bereiche mit einbezieht, die sich ebenfalls damit beschäftigen“, macht Hepp deutlich. „Es ist viel zu breit und umfassend geworden, um die inhaltliche Auswahl auf einzelne Aspekte zu beschränken.“ Zugleich unterliege das gesamte Feld von Medien und Kommunikation dynamischen Veränderungen: Das ZeMKI unterrichte daher nicht auf ein konkretes Berufsbild ausgerichtet, sondern vermittle das Rüstzeug, diese dynamischen Prozesse einordnen zu können. „Weil so viel Bewegung in der Sache ist, wäre alles andere kontraproduktiv“, erläutert Hepp. „Wir bilden hier Querdenker aus.“ Und diesen Querdenkern stehen später die unterschiedlichsten Karrierewege offen: Sie können in der Forschung ebenso unterkommen wie in den klassischen Medien – aber auch Parteien, Verbände, öffentliche Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen haben einen zunehmenden Bedarf an Fachleuten, die bei der Positionierung im digitalen Zeitalter unterstützend zur Seite stehen.

In die Welt schauen

Der ZeMKI-Sprecher ist überzeugt davon, dass auch die regionale Wirtschaft vom Fachwissen der zukünftigen Absolventen profitieren wird. „Das ist so, weil wir in die Welt schauen“, meint er. Die Erfahrung aus anderen Studiengängen zeige, dass immer auch einige Absolventen nach Abschluss des Studiums in der Region blieben. „Gerade, wenn sie aus anderen Ländern kommen, bringen sie einen anderen Blickwinkel auf die Dinge mit“, sagt Hepp. „Hiervon kann die lokale Wirtschaft nur profitieren.“

Pressekontakt:

Dr. Leif Kramp, Tel.: +49 421 218-67652, E-Mail: kramp@uni-bremen.de


Bilddownload

Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

Foto 1: Prof. Dr. Andreas Hepp ist Sprecher des ZeMKI der Universität Bremen. Dort startet im Oktober der neue Studiengang „Digital Media Society“. © Beate C. Koehler, @p.h.o.t.o.art

Foto 2: Die Nachfrage nach dem internationalen Studiengang hat die Erwartungen bereits übertroffen: in nur zwei Monaten gingen 148 Bewerbungen aus aller Welt am ZeMKI ein. © Beate C. Koehler, @p.h.o.t.o.art


Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen arbeitet ähnlich wie ein Korrespondentenbüro. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden.

Bei Fragen schreiben Sie einfach eine E-Mail an pressedienst@bremen.de

Internationales
04.08.2020
Briefe aus dem Silicon Valley: Sommer 2020

Ist das Silicon Valley bald schon Geschichte? Und sind die Marktwerte von Elektroauto-Firmen wie Nikola und Tesla gerechtfertigt? Unser Büro im Silicon Valley gibt frische Einblicke aus dem Techtal an der amerikanischen Westküste.

Mehr erfahren
Digitalisierung / Industrie 4.0
31.07.2020
Seit wann gibt es die Digitalisierung? Teil I

Eine historische Reise in das digitale Zeitalter. Seit wann gibt es Digitalisierung und Industrie 4.0 – und wo ist da ein Unterschied? Eines ist klar – die digitale Transformation ist mehr als die Geschichte des Computers.

Mehr erfahren
Einzelhandel
29.07.2020
Der Herr der Weine von der Weser

Seit 31 Jahren ist Karl-Josef Krötz Ratskellermeister in Bremen. Der Weinbauingenieur führt die Geschicke eines der ältesten Ratskeller Deutschlands. Ein Besuch im Kellergewölbe unterm Bremer Rathaus, wo seit über 600 Jahren deutsche Weine lagern.

ab in die Schatzkammer