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8.7.2019 - Jann Raveling

„Bremen braucht mehr soziale Unternehmen!“

Start-ups

Das Social Impact Lab unterstützt soziales Unternehmertum in der Hansestadt

Social Impact Lab: Team
Dr. Uwe Wunder und Vera Pelzer, das Team vom Social Impact Lab Bremen © WFB/Jann Raveling

Soziale Unternehmen in Bremen bieten die Chance, Gutes zu tun und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich zu handeln. Das neue Social Impact Lab schafft für sie eine erste Anlaufstelle in der Hansestadt.

Einen hohen Bedarf gibt es allemal. Ein Beispiel: Kinder aus Bremer und Bremerhavener Familien sind laut Statistik doppelt so häufig auf Sozialleistungen angewiesen wie im Bundesdurchschnitt. Sie starten daher oft mit ungleichen Chancen ins Leben. Sie brauchen besondere Förderung – in der Schulzeit und in den Ferien. Eine solche Förderung bietet climb.Das Hamburger Unternehmen hat im April 2019 eine Filiale in Bremen gegründet, um auch in der kleineren Hansestadt Jungen und Mädchen neue Chancen zu bieten. climb organisiert ein Bildungsprogramm in der schulfreien Zeit. „Wir wollen die Kinder erreichen, die kein Ferienprogramm haben und ihnen so neue Möglichkeiten bieten. Unser Programm findet direkt in den Schulen statt, um ein niedrigschwelliges Angebot zu schaffen“, erklärt Mirela Müller, Lokalkoordinatorin bei climb in Bremen. „Derzeit sind wir noch dabei, unser Netzwerk vor Ort aufzubauen und mit verschiedenen Schulen und Bildungsträgern in Gespräche zu kommen.“

Wirtschaftsförderung für Sozialunternehmen

Die Anzahl von Sozial-Unternehmen wie climb nimmt seit Jahren zu, drei von fünf Gründungen in diesem Bereich sind jünger als zwei Jahre, so der Social Entrepreneurship Monitor 2018. Ihrer nimmt sich das Social Impact Lab Bremen (SIL) an. Das Projekt der Social Impact gGmbH aus Potsdam ist eines von insgesamt sieben deutschlandweiten Laboren. „Wir verstehen uns als eine Art Wirtschaftsförderung für Sozialunternehmen“, so Dr. Uwe Wunder, Leiter des Bremer SIL. „Wir helfen gemeinnützigen Unternehmen Fuß zu fassen, bieten ihnen quasi eine Landebahn, in dem wir ihnen Kontakte vor Ort herstellen, den Eintritt in Netzwerke erleichtern und bei der Personalgewinnung unterstützen.“ Climb ist das erste Unternehmen, welches das Lab nach Bremen geholt hat.

Wachstum befeuern

Für viele Sozial-Unternehmen ist Expansion eine große Herausforderung, selbst wenn ihr Geschäftsmodell sehr gut funktioniert. Denn häufig sind sie auf ein Netzwerk angewiesen, das ihnen Zugang zu Fördergeldern und Spenden ermöglicht. Dieses Netzwerk gibt es aber noch nicht an neuen Standorten. Gleichzeitig verfügen sie selten über die personelle Kapazität, Kontakte jahrelang vor Ort aufzubauen. „Im Vorfeld der Gründung des Social Impact Labs Bremen habe ich zum Beispiel drei Jahre lang ein Netzwerk aufgebaut. So viel Zeit können sich viele Unternehmen nicht nehmen. Meine Erfahrungen will ich daher weitergeben und es so anderen erleichtern“, erzählt Wunder. Für das Lab konnte er vier Unternehmen und Institutionen aus der Hansestadt als Förderer gewinnen: die Fritz Hollweg Stiftung, hanseWasser, team neusta und die Deutsche KindergeldStiftung Bremen.

Social Impact Lab: Büro
Unterstützung und Methoden-Wissen rund um Gründung und Expansion für Sozialunternehmen bietet das Social Impact Lab Bremen. © Social Impact Lab

Chancen in Bremen nutzen

Der 50-jährige kann die Probleme junger Sozial-Start-ups gut nachvollziehen, kennt er doch beide Seiten der Medaille, sowohl die Wirtschaftswelt als auch das Sozialwesen: Als Unternehmensberater war er jahrelang für internationale Großunternehmen tätig, später auch selbstständig. Gleichzeitig bringt er auch ein ausgeprägtes soziales und ökologisches Interesse mit: So gründete er zum Beispiel in den 80er Jahren die Jugendorganisation der Grünen in Bremen mit. Im Social Impact Lab Bremen ist er nicht allein – ihm zur Seite steht Vera Pelzer. Die 29-jährige Münchnerin freut sich, dass ihr Weg sie in den Norden geführt hat: „Bremen hat ein großes Potenzial für soziales Unternehmertum. Darum ist es wichtig, dass wir jetzt hier sind.“

Angebot schafft Nachfrage

Denn je mehr Möglichkeiten es für am Gemeinwohl interessierten Unternehmerinnen und Unternehmer gebe, in einer Stadt auf vorhandenen Strukturen aufzubauen, desto mehr von ihnen würden sich auch hier ansiedeln. „Eine Community vor Ort schafft ein Angebot. Und gibt es ein Angebot, entsteht auch die Nachfrage“, so Pelzer. Auch umgekehrt, für Stiftungen und Spender, sei die Arbeit des Social Impact Labs eine Entscheidungshilfe. „Geldgeber haben ein Interesse daran, dass ihre Mittel effizient eingesetzt werden, damit möglichst viel davon bei den jeweiligen Zielgruppen ankommt. Wir achten darauf, nur mit gemeinnützigen Unternehmen zusammenzuarbeiten, die nachweislich hohe Qualität bieten und sinnvoll mit Mitteln umgehen.“ Sowohl Pelzer als auch Wunder sehen eine verstärkte Nachfrage nach sozial verantwortungsvoll agierenden Unternehmen in Zukunft. „Bewegungen wie Fridays-for-Future zeigen, dass die jungen Generationen heute ein gesteigertes Bedürfnis haben, Gutes zu tun und ökologisch zu handeln. Profit steht nicht mehr unbedingt im Mittelpunkt eines Berufswunsches“, ergänzt Pelzer.

Mitstreiter gefunden

Das Social Impact Lab Bremen hat sich in die Räumlichkeiten der Hilfswerft in der alten Schnapsfabrik eingemietet. Das Bremer Start-up unterstützt Unternehmen und Stiftungen, sozial und ökologisch zu wirtschaften und aktiviert Gründungswillige, Start-ups und Studierende. Ein ähnliches Tätigkeitsfeld – beide Unternehmen ergänzen sich ideal, so Dr. Uwe Wunder: „Wir arbeiten eng zusammen, sind gemeinsam auf Veranstaltungen, das passt sehr gut.“ Bis jetzt sind vier bundesweite Initiativen Teil des Bremer Social Impact Labs, nach Vorstellungen von Pelzer und Wunder dürfen es aber noch mehr werden. Vom Erfolg sind die beiden überzeugt: „Social Impact ist eine bekannte Größe im sozialen Bereich und Bremen ist attraktiv als Markt. Wir wollen mindestens vier Unternehmen innerhalb eines Jahres nach Bremen holen – besser sogar acht!“, gibt sich Wunder ambitioniert.

Die vier Initiativen:
Lilo Lausch
Papilio
Rock Your Life
Climb

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Das Social Impact Team Bremen ist weiterhin auf der Suche nach Unterstützerinnen und Unterstützern für das eigene Projekt und die ChancenBilden-Stipendiaten. Bei Interesse an einer Kooperation melden Sie sich gern unter bremen@socialimpact.eu

Foto Thorsten Tendahl

Thorsten Tendahl

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