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8.8.2022 - Anne-Katrin Wehrmann

Ersatzteile aus dem Drucker

3D-Druck

Start-up WeserCAD nutzt 3D-Druck zur Reparatur kaputter Bauteile

Zwei Männer am Computer
Digitale Technik für die Ersatzteilbeschaffung: WeserCAD-Gründer Florian Schnakenberg (links) und Michel Petkovic. © WFB/Sarbach

Die Pandemie hat es gezeigt: Wenn Lieferwege nicht funktionieren und Produktionsanlagen stillstehen, lassen dringend benötigte Bau- und Ersatzteile oft lange auf sich warten. Das Bremer Start-up WeserCAD hat eine innovative und schnelle Lösung entwickelt.

Das Problem ist keine Seltenheit: Im Lüfter einer Produktionsanlage ist ein Propeller kaputtgegangen. Weil die Steuerung und der Motor dadurch keine ausreichende Kühlung mehr erhalten, muss die komplette Produktionslinie angehalten werden. Die Herstellerfirma existiert nicht mehr, ein anderes Unternehmen bietet an, den kompletten Lüfter und den Motor zu ersetzen – für mehr als 10.000 Euro, bei einer Lieferzeit von bis zu vier Wochen. An dieser Stelle kommt das Team des Bremer Unternehmens WeserCAD ins Spiel. Noch am selben Tag scannt das Expertenteam das defekte Bauteil ein und fertigt am Rechner ein passendes 3D-Modell an. Anschließend „reparieren“ die Mitarbeitenden die beschädigten Bereiche digital und drucken die Datei mit dem 3D-Drucker aus. In weniger als 48 Stunden hat der Kunde oder die Kundin das Ersatzteil – und das zu einem Bruchteil der ursprünglich veranschlagten Kosten.

Schnelle Hilfe auch für Oldtimer

Der defekte Propeller ist eines von vielen Beispielen dafür, wie sich das junge Unternehmen aus Bremen in den vergangenen Monaten schon als schneller und effizienter Problemlöser betätigt hat. „Die digitale Rekonstruktion bietet in Verbindung mit dem 3D-Druck Möglichkeiten, die es so vorher noch nicht gab“, erläutert Mitgründer und Geschäftsführer Michel Petkovic (34). „Wann immer es für ein Teil keine Originalbaupläne gibt, können wir mit unserem Verfahren des sogenannten Reverse Engineerings, also der Nachkonstruktion, gute Dienste leisten. Gerade, wenn etwas komplex und unsymmetrisch ist und viele Rundungen hat, ist das ein Alptraum für klassische Messmethoden.“ Da auch Motorblöcke von Autos in diese Kategorie fallen, gehören neben Unternehmen aus unterschiedlichen Industriebranchen auch Besitzer und Besitzerinnen von Oldtimern zur Kundschaft von WeserCAD. 

BRE3D-Award
Für ihr Geschäftsmodell sind Petkovic und Schnakenberg mit dem BRE3D-Award 2022 ausgezeichnet worden © WFB/Sarbach

Leidenschaft zum Beruf gemacht

Michel Petkovic hat das Start-up Ende 2020 zusammen mit seinem Kommilitonen Florian Schnakenberg (23) gegründet. Die beiden studierten Maschinenbau an der Hochschule Bremen und entdeckten dort ihre Leidenschaft für das Computer-Aided Design (CAD), zu Deutsch: rechnerunterstütztes Konstruieren. „Wir haben beide Praxiserfahrungen in der Industrie gesammelt und dabei festgestellt, dass es da einen riesigen Bedarf gibt“, berichtet Schnakenberg. Als beide während der Pandemie ihre Nebenjobs in der Gastronomie verloren, beschlossen sie Nägel mit Köpfen zu machen. Sie starteten ihr eigenes Unternehmen. Seitdem fertigen sie für ihre Kunden und Kundinnen unter anderem technische Zeichnungen an, unterstützen bei CAD-Projekten, erstellen 3D-Modelle und Aufmaße für Bauvorhaben – und bei Bedarf eben auch Ersatzteile.

Ausgezeichnetes Geschäftsmodell

Diese Verbindung aus CAD-Dienstleistungen und Nachkonstruktion ist es, die das Bremer Start-up so besonders macht. „Im norddeutschen Raum gibt es außer uns niemanden, der diese Kombination anbietet“, sagt Schnakenberg. Der 3D-Druck habe im Vergleich zu anderen Fertigungsverfahren viele Vorteile und sei in vielen Bereichen Preisleistungssieger: „Wir kennen diese Vorteile und vermitteln unseren Kunden gerne die unterschiedlichen Anwendungsbereiche. Momentan wird das Verfahren in Deutschland noch nicht so genutzt, wie es genutzt werden könnte.“ Für ihr innovatives Geschäftsmodell sind die beiden Gründer kürzlich mit dem BRE3D-Award 2022 in der Kategorie „Wirtschaftliche Fertigung“ ausgezeichnet worden. „Das ist eine schöne Anerkennung für unsere Arbeit und macht uns auch ein bisschen stolz“, freut sich der 23-Jährige.

Bremen als Innovationsmotor 

WeserCAD sei ein tolles Beispiel für ein wissensintensives Dienstleistungsunternehmen, das durch die Marktentwicklung und das Know-how in Bremen ermöglicht wurde, meint Hans-Georg Tschupke, Leiter der Abteilung Innovation, Industrie und Digitalisierung im Bremer Wirtschaftsressort. „Bremen ist ein Innovationsmotor für die additive Fertigung mit Know-how in Industrie und Wissenschaft“, macht Tschupke deutlich. Vom bionischen Design zur Prozessplanung über das Material bis hin zur Fertigung und der Nachbearbeitung von Ergebnissen einer Computersimulation bestünden in der Hansestadt auf engstem Raum Kompetenzen. 

Durch die Industrialisierung des 3D-Drucks in den vergangenen Jahren hätten sich weitere Chancen für Unternehmen und insbesondere für Start-ups ergeben: „Durch die günstigere Anwendung der Technologie und gesammelten Erfahrungen im Umgang mit Prozessen und Materialien wird der Markt für additive Fertigung größer und damit in einzelnen Anwendungsfeldern auch lukrativer.“ 

Notebook
Die defekten Bereiche eines Bauteils werden digital „repariert“, um danach per 3D-Druck das Ersatzteil zu erstellen. © WFB/Sarbach

Potenzial für die Zukunft

Dass das Marktumfeld günstig ist, haben auch die beiden WeserCAD-Gründer erfahren. Mitte des Jahres 2022 gab es im Unternehmen einen ersten Expansionsschub. Das Team besteht inzwischen aus acht Mitarbeitenden. „Bremen ist für uns der ideale Standort, weil wir hier eine gute Infrastruktur und eine gute Vernetzung innerhalb der Gründerszene haben“, meint Michel Petkovic. 

Auch das Seminar- und Qualifizierungsprogramm des Starthauses Bremen hat dem Start-up immer wieder neue Impulse gegeben. So wurden sie unter anderem Preisträger beim Wettbewerb „Campusideen 2021“ der InitiativeBRIDGE - Gründen aus Bremer Hochschulen

Ziel sei es nun, weiter zu wachsen und nachhaltig am Markt anzukommen. „Ich sehe im 3D-Druck noch sehr viel Potenzial, unter anderem im Gebäudebau“, sagt der 34-Jährige. „Aber eben auch im Anlagen- und Maschinenbau, wo es um die schnelle Beschaffung von Ersatzteilen geht. Das ist momentan ein großes Problem in Deutschland.“ Im ersten Jahr hätten sie ihr Unternehmen etabliert und Kontakte geknüpft, ergänzt Florian Schnakenberg. „Jetzt sehen wir, dass unser System funktioniert und dass es skalierbar ist. Das wollen wir tun, und darauf freuen wir uns.“

Pressekontakt:

Michel Petkovic, Tel.: +49 421 1783-2944, E-Mail: mpetkovic@wesercad.de 

Bildmaterial:

Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

Foto 1: Digitale Technik für die Ersatzteilbeschaffung: WeserCAD-Gründer Florian Schnakenberg (links) und Michel Petkovic. © WFB/Sarbach

Foto 2: Für ihr Geschäftsmodell sind Petkovic und Schnakenberg mit dem BRE3D-Award 2022 ausgezeichnet worden. © WFB/Jörg Sarbach

Foto 3: Die defekten Bereiche eines Bauteils werden digital „repariert“, um danach per 3D-Druck das Ersatzteil zu erstellen. © WFB/Sarbach

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Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden. Es ist erwünscht, dass Journalistinnen und Journalisten den Text komplett, in Auszügen oder Zitate daraus übernehmen.

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