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22.2.2018 - Diana Bluhm

Grüne Mode – Wie Sonja Stellmann sich mit Ecoture einen Traum erfüllt

Unternehmensservice Bremen
Faire Bio-Kleidung in Vegesack und der Bremer Innenstadt
Inhaberin Sonja Stellmann
Zeit für die Frühlingsmode: Sonja Stellmann ist Inhaberin von Ecoture – eco & fair trade fashion. © WFB / Anne Enderle

Im April 2015 erfüllte sich Sonja Stellmann einen Traum: Sie eröffnete ihre eigene Boutique „Ecoture – eco & fair trade fashion“ in Bremen-Vegesack. Dort verkauft die gebürtige Niedersächsin nicht irgendwelche Kleidung – in ihren Regalen finden die Kundinnen und Kunden grüne Mode. Das heißt, Kleidungsstücke aus ökologischer und fairer Produktion. Seit Dezember 2017 betreibt sie eine weitere Boutique im citylab in der Bremer Innenstadt.

Nach ihrer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei einem Bremer Jeans-Produzenten arbeitete Stellmann einige Jahre als Kundenbetreuerin bei einem Textilgroßhandel in Syke. Bis eines Tages der Anruf eines Kunden kam. Vor seinem Geschäft fand eine Demonstration statt – die Demonstranten wollten wissen, wo und wie die Kleidung produziert wurde. Ein Ereignis, dass sie verändern sollte. Nach und nach beschäftigte sich die heute 45-Jährige mit dem Thema Produktionsbedingungen. Was bedeutet „made in Bangladesh“? Was steckt hinter dem Fairtrade-Siegel? Wofür steht die „Kampagne für Saubere Kleidung“?

Der mutige Schritt in die Selbstständigkeit

Mit dem dazugewonnenen Wissen wuchs ihr Zweifel an den Methoden der konventionellen Textilbranche. Für sie wurde klar: So konnte es nicht weitergehen. Sie wollte etwas ändern – am besten mit einen eigenem, fairen Laden. Ihr fehlte aber noch der betriebswirtschaftliche Hintergrund, weshalb sie mutig beschloss, den Job an den Nagel zu hängen und ein BWL-Studium zu beginnen. In ihrer Abschlussarbeit befasste Stellmann sich intensiv mit der Zertifizierung ökologischer und fairer Kleidung. „Ich will grüne Mode in der Bremer Innenstadt verkaufen“, setzte sich die Betriebswirtin als langfristiges Ziel. Bevor sie den Schritt in die eigene Selbstständigkeit wagte, führte sie gemeinsam mit ihrem Mann drei Jahre lang ein Sanitätshaus in Schwanewede.

Ich will grüne Mode in der Bremer Innenstadt verkaufen.

Sonja Stellmann, Geschäftsführerin von Ecoture

Das Wissen aus dem Studium und die Erfahrung ihr eigenes Geschäft zu führen, gaben Stellmann 2015 den benötigten Mut: Sie eröffnete ihre eigene Boutique. Sie fand es immer schwer, in Bremen faire Bio-Kleidung zu kaufen und wollte nun den Markt hier bedienen. Dass sie ihren ersten Laden in Bremen-Vegesack eröffnete, war anfangs so nicht geplant. Als die damals noch in Niedersachsen Wohnende durch die Vegesacker Fußgängerzone ging, war sie erstaunt. „Ist das schön hier“, dachte sie damals. Auch die Spaziergänge an der Weser haben sie überzeugt, ihren Lebensmittelpunkt nach Bremen-Nord zu verlagern. Mittlerweile ist nämlich nicht nur ihre Boutique Ecoture in der Vegesacker Fußgängerzone, sie wohnt auch in dem nördlichen Stadtteil.

Der Einheitliche Ansprechpartner als Starthilfe

„Der Anfang war sehr schwer“, resümiert die Wahlbremerin. „Es ist wichtig, sich von Anfang an die Unterstützung anderer zu holen. Bei Agnes Knelangen vom Unternehmensservice Bremen konnte ich zum Beispiel ganz leicht mein Gewerbe anmelden. Das war eine große Hilfe.“ Agnes Knelangen arbeitet als Einheitliche Ansprechpartnerin. Sie übernimmt alle notwendigen Schritte, damit der Weg in die Selbstständigkeit so kurz wie möglich ist. Alle behördlichen Prozesse aus einer Hand – so erleichtert der Einheitliche Ansprechpartner den Unternehmensstart. Er hat seinen Sitz beim Unternehmensservice Bremen in der Bremer Innenstadt. Jeden Mittwoch von 10 Uhr bis 15 Uhr berät Knelangen als Einheitliche Ansprechpartnerin Selbstständige im Stadthaus Vegesack.

Der Eingang zur neuen Boutique in der Bremer Innenstadt
Der Anfang war schwierig, aber Sonja Stellmann schaffte den Erfolg mit ihren beiden Boutiquen von Ecoture. © WFB / Anne Enderle

Einkaufen mit gutem Gewissen

Beim Gespräch mit der Unternehmerin wird schnell klar, dass ihr der ökologische und faire Aspekt an ihrer Kleidung sehr am Herzen liegt. Sie achtet bei ihren Marken auf Zertifizierungen wie das GOTS- (Global Organic Textile Standard) und das Fairtrade-Siegel. „Große Unternehmen verkaufen mittlerweile auch Klamotten aus Bio-Baumwolle oder fairer Produktion“, erzählt Stellmann. Dabei ist sie skeptisch: Kleidung aus Bio-Baumwolle, die dann chemisch gefärbt wird, verschmutzt die Umwelt. Fairtrade-Sachen nur mit hauseigenem Siegel, das nicht den internationalen Richtlinien entspricht. „Die Menschen hinterfragen heute die Produktion und kaufen bewusster ein. Die Konzerne wollen auch auf den Zug aufspringen. Nur leider ist es nicht immer so, wie es scheint.“ Bei Ecoture verkauft sie Marken wie Armedangels, Alma & Lovis, Lanius und Kuyichi. Da weiß sie, was dahinter steckt. Neu im Regal ist auch die Yoga-Kleidung von Mandala und das mallorquinische Label Suite 13.

Nächster Halt: Innenstadt

Ihr Ziel, irgendwann eine Boutique in der Bremer Innenstadt zu haben, hatte Stellmann immer im Hinterkopf. Im Dezember 2017 war dann endlich der richtige Zeitpunkt gekommen: Das Zwischennutzungskonzept „citylab“ gab ihr die Möglichkeit, ihre Kleidung in der Innenstadt zu verkaufen. Im ehemaligen Laden von Malte Blank, der mit seinem Geschäft BLNKS in die Bischofsnadel am Domshof gezogen ist, bietet sie vor allem Damenmode an. Wer jetzt an den Müsli-Look der 80er denkt, ist weit gefehlt. Ihre Mode ist schick, aber auch lässig. Auch für Herren gibt es eine Auswahl an Jeans, T-Shirts, Hoodies und Sweatshirts, sowie Hemden von Kuyichi und Armedangels. Die Bildergalerie zeigt ein paar Eindrücke aus ihrer Boutique in der Bremer Innenstadt:

Stilvoll in die Zukunft blicken

Menschen beraten – das liebt Stellmann. „Ich sehe den Online-Handel nicht als große Konkurrenz“, sagt die Inhaberin selbstbewusst. „Die Kundinnen und Kunden wollen die Kleidung anprobieren, sie anfassen und beraten werden. Viele freuen sich gerade über eine Stilberatung und meine Tipps zum Kombinieren.“ Zukünftig will sie ihr Wissen in der Stilberatung durch eine Weiterbildung vertiefen.

Im Moment setzt sie sich vor allem mit Social Media auseinander. Ecoture hat bereits eine Facebook-Seite. Nun will Stellmann an der Webseite arbeiten und auch auf Instagram ihre Mode bewerben. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Alleine ist die Unternehmerin aber nicht. Mittlerweile arbeiten vier Angestellte in ihren beiden Geschäften – eine in Vollzeit und drei als Aushilfen. Der Plan ist, bald noch jemanden einzustellen.

Sonja Stellmann in ihrer Boutique
Sonja Stellmann liebt es, ihre Kundinnen und Kunden in Sachen Stil und Kombinierbarkeit zu beraten. © WFB / Anne Enderle

Ideen sind keine Mangelware

Mal präsentiert sie ihre Kleidung auf Modenschauen, mal ist sie auf Bio- und Fairtrade-Märkten unterwegs. An Ideen mangelt es Stellmann nicht. Gerade für ihre Boutique im citylab kann sie sich vorstellen, Verkaufsparties zu veranstalten. Eines ist sie immer: up-to-date mit der Modewelt. Denn sie muss immer ein Jahr im Voraus planen. Am Ende eines Winters zieht die Geschäftsfrau los und ordert Kleidung für den kommenden Winter. „Man muss ein Gespür dafür haben, was im nächsten Jahr getragen wird“, erklärt Stellmann. „Gerade in der grünen Mode ist es nicht einfach, mitten in einer Saison Kleidung nachzubestellen. Da muss man gut vorplanen.“


Sie finden Ecoture – eco & fair trade fashion
in der Bremer Innenstadt im citylab:
Hanseatenhof 9
28195 Bremen

in Vegesack:
Reeder-Bischoff-Straße 32
28757 Bremen
Tel. 0421 63 977 210
info@ecoture-bremen.de


Für Informationen zum Einheitlichen Ansprechpartner und zum Unternehmensservice Bremen kontaktieren Sie Agnes Knelangen, Tel. +49 (0)421 16 33 99 473, agnes.knelangen@wfb-bremen.de.

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