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26.6.2019 - Anne-Katrin Wehrmann

Legosteine der Fördertechnik

Maritime Wirtschaft und Logistik
Revolution am Fließband: Bremer Start-up cellumation sorgt mit innovativem Fördersystem für Aufsehen

Fließbänder transportieren Waren von A nach B, doch sobald komplexere Aufgaben wie Drehen oder Sortieren gefragt sind, brauchte es bisher spezialisierte und damit unflexible Anlagen. Mit dem in Bremen entwickelten Fördersystem „celluveyor“ steht der Logistikbranche jetzt eine innovative Lösung zur Verfügung, die sich immer wieder neu an unterschiedliche Anforderungen anpassen lässt. Das internationale Interesse ist groß. Demnächst soll die Serienproduktion beginnen. 

Hendrik Thamer (links) und Gründer Claudio Uriarte (rechts) am Fördersystem celluveyor. im Vergleich zu anderen Förderanlagen brauche ihr System 95 Prozent weniger Platz.
Hendrik Thamer (links) und Gründer Claudio Uriarte (rechts) am Fördersystem celluveyor. im Vergleich zu anderen Förderanlagen brauche ihr System 95 Prozent weniger Platz. © WFB/Jörg Sarbach

Auf den Kopf gestellter Fußballrobotor

Ein paar Jahre ist es jetzt her, dass der Maschinenbauer und Patentingenieur Claudio Uriarte (40) im Internet auf Youtube einen Fußball-Roboter in Aktion sah. Das kleine Kerlchen bewegte sich auf Rädern. Sie ließen sich in alle Richtungen steuern. Der Roboter war deswegen wendig und flexibel. Da kam Uriarte, der damals als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) beschäftigt war, eine Idee: Warum den Roboter nicht auf den Kopf stellen und die Technik der Räder nutzen, um damit Gegenstände zu transportieren? Aus Restteilen, die er an seinem Arbeitsplatz zusammensuchte, bastelte er eine kleine sechseckige Fläche mit drei einzeln und gezielt ansteuerbaren Rädern: Fertig war der Prototyp des „cellular conveyor“ (zellulares Förderband), kurz celluveyor. 

Zellen lassen sich zu beliebig großen Anlagen zusammensetzen

Das Besondere am celluveyor ist, dass sich beliebig viele Zellen zu beliebig großen Anlagen zusammensetzen lassen. Sie können dann wiederum dank individueller Software die unterschiedlichsten Aufgaben erledigen. Objekte sortieren, sie in unterschiedlichen Geschwindigkeiten geradeaus oder um die Ecke transportieren, rotieren, Paletten bestücken – alles ist möglich, da sich jedes Rad einzeln steuern lässt. „Wir haben praktisch die Legosteine der Fördertechnik entwickelt“, erläutert Uriarte. Ihm und seinen BIBA-Kollegen Hendrik Thamer und Ariandy Yoga Benggolo war schnell klar: Die Erfindung kann die Welt der Förderanlagen revolutionieren. Die Technologie wurde erfolgreich patentiert. Die drei bewarben sich um eine Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums, das im Rahmen des Programms „Exist“ Existenzgründungen aus der Wissenschaft unterstützt. „Wir haben von Anfang an an das große Potenzial der Technologie geglaubt“, macht der promovierte Ingenieur Hendrik Thamer (38) deutlich.

Parallel nahmen die beiden Gründer von April 2015 bis April 2016 am 12-monatigen Coachingprogramm des Starthauses Bremen teil und machten sich konzeptionell und unternehmerisch fit für den Schritt in die Selbstständigkeit.

Jede Zelle des Celluveyor besteht aus einer sechseckigen Fläche mit drei Rädern, drei Elektromotoren und einer integrierten Steuerungsplatine.
Jede Zelle des Celluveyor besteht aus einer sechseckigen Fläche mit drei Rädern, drei Elektromotoren und einer integrierten Steuerungsplatine. © WFB/Jörg Sarbach

DHL-Preis bringt Bestätigung und Motivation – und ein Pilotprojekt

Vor zwei Jahren gründeten die Wissenschaftler als Spin-Off des BIBA ihr eigenes Unternehmen cellumation. Schon einige Monate zuvor hatten sie den „Shark-Tank“-Wettbewerb des Paketdienstleisters DHL für innovative logistische Ideen gewonnen – nach Ansicht von Hendrik Thamer eine wichtige Auszeichnung in einer ansehnlichen Reihe von Preisen, die das Start-up inzwischen schon eingefahren hat. „Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, wohin der Weg führt“, berichtet der 38-Jährige. „Der DHL-Preis hat uns viel Bestätigung und Motivation gebracht. Und er hat dafür gesorgt, dass die internationale Logistikwelt zum ersten Mal auf uns aufmerksam geworden ist.“ Doch nicht nur das: Der Paketriese erklärte sich bereit, in der DHL-Niederlassung Braunschweig ein Pilotprojekt zu starten und so die Praxistauglichkeit des celluveyors zu belegen. „Das war für uns ideal“, meint Thamer, „weil wir anhand der Rückmeldungen unser System noch weiter optimieren konnten.“

celluveyor - Process Flexibility

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Einfache Bedienung am Touchscreen

Die einzelnen Zellen, die jeweils aus einer Blechfläche in hexagonaler Form, drei Rädern, drei Elektromotoren und einer integrierten Steuerungsplatine bestehen, unterscheiden sich in nichts voneinander. Die Software bestimmt die Funktionalität des Gesamtsystems. „Die Steuerung in der Zelle ist sehr komplex“, erläutert Thamer. „Die Bedienbarkeit ist jedoch extrem einfach. Jeder, der mit einem Handy oder Tablet umgehen kann, kann dem System am Touchscreen vorgeben, was es tun soll.“ Sollte eine Zelle einmal nicht funktionieren, melden das umgehend die Nachbarzellen. Zu den großen Vorteilen der modularen Bauweise gehört es, dass die Anwender ein defektes Modul unkompliziert austauschen können. Uriarte: „So gibt es keine teuren Systemausfälle, das macht uns einzigartig.“ Hinzu komme, dass der celluveyor auf kleinstem Raum unterzubringen sei. Im Vergleich zu anderen Förderanlagen benötige er bis zu 95 Prozent weniger Platz.

Aus einzelnen Zellen lassen sich beliebig große Fördersysteme zusammenbauen. Da die Zellen über eigene Steuerungsplatinen verfügen, ist jede individuell ansteuerbar.
Aus einzelnen Zellen lassen sich beliebig große Fördersysteme zusammenbauen. Da die Zellen über eigene Steuerungsplatinen verfügen, ist jede individuell ansteuerbar. © WFB / Jörg Sarbach

Den Wandel der Industrie mitgestalten 

In der Logistikbranche sprechen sich unterdessen die Vorzüge der Bremer Erfindung herum. Die ersten noch in Handarbeit in den Räumen des BIBA produzierten Anlagen sind bereits verkauft. Zu den Kunden gehören neben Paketdienstleistern auch weitere namhafte Unternehmen aus Produktion und Logistik. Das Start-up, das inzwischen 21 Mitarbeiter beschäftigt, hat gerade Räume im Bremer Technologiepark bezogen und will demnächst an einem europäischen Standort in die Serienproduktion einsteigen. 

Technologie soll internationaler Standard werden

Der celluveyor sei nicht nur ein Fördersystem, sondern ermögliche ganz neue Anwendungen in der Logistik und der Produktion, macht Hendrik Thamer deutlich. Zu viel verraten will er nicht, nur so viel: „Wir wollen ein Unternehmen sein, das den Wandel in der Industrie mitgestaltet – durch neue Ideen, Sachen zu denken und umzusetzen. Nur so lassen sich letztlich komplett neue Lösungen entwickeln.“ Dass ihm und seinen Mitstreitern die Ideen so schnell nicht ausgehen werden, davon ist er überzeugt. Und auch das ehrgeizige Unternehmensziel hält er für durchaus realistisch: „Wenn alles nach Plan läuft, hat sich unsere Technologie in ein paar Jahren etabliert und ist zum internationalen Standard geworden. Der celluveyor hat das Potenzial, die Welt der Materialfluss-Technik so zu verändern, wie der Industrieroboter die Produktion in der Vergangenheit revolutioniert hat.“ 


Pressekontakt:

Laura Billen, Marketing cellumation GmbH, Telefon +49 (0)421 331-13520, E-Mail: l.billen@cellumation.com.


Bildmaterial:

Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

Foto 1: Hendrik Thamer (links) und Gründer Claudio Uriarte (rechts) am Fördersystem celluveyor. im Vergleich zu anderen Förderanlagen brauche ihr System 95 Prozent weniger Platz.  © WFB/Jörg Sarbach

Foto 2: Jede Zelle des Celluveyor besteht aus einer sechseckigen Fläche mit drei Rädern, drei Elektromotoren und einer integrierten Steuerungsplatine. © WFB/Jörg Sarbach

Foto 3: Aus einzelnen Zellen lassen sich beliebig große Fördersysteme zusammenbauen. Da die Zellen über eigene Steuerungsplatinen verfügen, ist jede individuell ansteuerbar. © WFB/Jörg Sarbach


Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen arbeitet ähnlich wie ein Korrespondentenbüro. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden.

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