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Laborgroßhändler OMNILAB entwickelt digital vernetztes Analysegerät

FoodALYT D 5 + Wasserdampfdestillierer
Neuentwicklung: FoodALYT D 5 + Wasserdampfdestillierer © OMNILAB

Es blubbert, dampft und brummt. FoodALYT D 5 + macht auf sich aufmerksam, wenn er arbeitet. Der Wasserdampfdestillierer bearbeitet Proben für die Analyse, zum Beispiel von Eiweißgehalten in Nahrungsmitteln. Geräte dieser Art sind unverzichtbar in Laboren von Lebensmittel- und Tierfutterherstellern. Die Neuentwicklung der OMNILAB-LABORZENTRUM GmbH & Co. KG beherrscht das problemlos – und kann noch mehr: Per WLAN oder Weboberfläche lässt sich mobil auf Analyse-Daten zugreifen, ein Touchscreen erlaubt die einfache Bedienung vor Ort.

Ein Riesenschritt, der bei einem Blick in heutige Labore deutlich wird: Immer noch werden Messwerte ausgedruckt, Laboranten berechnen per Hand mit Hilfe von Formelsammlungen oder Taschenrechnern Analysenergebnisse. Die Archivierung erfolgt durch Abheften oder manuelles Eintippen in Computer. Diese Situation besteht noch aktuell, weil nicht jedes Labor über das finanzielle Volumen verfügt, um in neueste Laborgeräte zu investieren, die bereits per Kabel an Computer angebunden sind und so Messdaten elektronisch archivieren. Der neue Wasserdampfdestillierer erlaubt jedoch auch den Zugriff via Tablet oder Handy. „Das gibt es in dieser Form noch nicht. Es ist ein Schritt hin zum automatisierten SmartLab“, erklärt Dr. Claus Beninga stolz.

Den Schritt zum Hersteller vollzogen

Beninga leitet die FoodALYT GmbH, eine Tochter von OMNILAB. Die Neuheit für den Laborgerätemarkt ist auch eine Neuheit für OMNILAB: Zum ersten Mal in der über 80-jährigen Geschichte hat das Bremer Unternehmen den Schritt vom reinen Händler hin zum Entwickler und Hersteller gewagt. „Wir betreten damit Neuland und gehen ein hohes Risiko ein“, erläutert er und ist überzeugt, dass es sich auszahlt. Denn „Wasserdampfdestillierer sind technisch ausgereift, man kann sie kaum noch effizienter oder schneller machen“. Andere Hersteller bieten zudem ebenfalls Spitzenqualität made in Germany. Will man sich vom Markt unterscheiden, werden andere Features interessant. Bedienbarkeit, Vernetzung und schnellere Verfügbarkeit von Daten können den Ausschlag am Markt geben.

Softwareoberfläche des Destillierers
Am Touchscreen lassen sich alle Werte komfortabel ablesen © OMNILAB

Für eine neue Generation

Ein Markt, der herausfordernd ist. „Laborgeräte haben eine Lebensdauer von zehn Jahren. Viele Labore bleiben dabei der Marke treu und setzen auf bewährte Technologien. Der Markt ist eher konservativ“, so Beninga. Zudem ist es ein Nischenmarkt, in dem Neuheiten schwer zu platzieren sind. Eine komplette Neuentwicklung war für das Unternehmen daher ein Risiko, auch finanziell. „Aber der Markt war reif. Digitalisierung hält künftig auch im Labor Einzug. Die kommende Generation der Laboranten sind mit Touch und Web aufgewachsen – für sie ist so eine Bedienoberfläche selbstverständlich“, schlussfolgert Beninga.

Unterstützung aus Förderprogramm

Bei OMNILAB wusste man, dass für diese Aufgabe zusätzliches Know-how und Erfahrung nötig sind, die im Unternehmen nicht vorhanden waren. „Uns war von Anfang an klar: Wenn wir jemand externes mit der Entwicklung beauftragen, kommt nicht das heraus, was wir uns wünschen. Wir kennen den Markt und die Bedürfnisse unserer Kunden am besten“, so Beninga. Und so wandte OMNILAB sich im Frühjahr 2013 zunächst an die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Sie half gleich auf zweierlei Weise: zum einen mit Kontakten zu zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen und zum anderen mit dem Forschungs- und Entwicklungs-Programm (FuE), das Fördermittel für Innovationen bereitstellt. In dem Programm können Anträge für Darlehen und Zuschüsse gestellt werden. „Neue Produkte und innovative Ideen zu entwickeln ist oft mit hohen betriebswirtschaftlichen Risiken und Vorleistungen verbunden. Wir fördern daher gute Ideen mit Landes- und EU-Mitteln, um die Risiken, die mit technologisch schwierigen Projekten einhergehen, zu minimieren“, so Dr. Norbert Möllerbernd, Innovationsmanager der WFB. Gerade für mittelständische Unternehmen eine große Chance.

Gutes Netzwerk

Der Experte rund um Förderung und Zuschüsse half nicht nur bei der Beantragung und Bewilligung der FoodALYT D 5 + Projektfördermittel – er vermittelte OMNILAB auch an das Bremer Centrum für Mechatronik (BCM). Ein Kontakt, der sich als goldrichtig erwies. Das BCM versteht sich als Problemlöser: Es bringt das Know-how aus der Wissenschaft mit den Bedürfnissen und Anforderungen aus der Industrie zusammen. Technologietransfer ist das Stichwort. Für das Projekt FoodALYT D 5 + hat das Institut gemeinsam mit OMNILAB den Projektantrag ausgearbeitet, ein Teilprojektmanagement übernommen und ein Wissenschaftler-Team zusammengestellt, das Softwareentwicklungskompetenz einbrachte. Unter Führung des BCM wurde die Steuerungssoftware für FoodALYT D 5 + entwickelt. „Der Schritt von OMNILAB vom Händler zum Entwickler war für uns am BCM interessant. Wir haben das Markt-Potenzial der Neuentwicklung gesehen, gerade auch im Zusammenhang mit dem digital vernetzten Labor“, so Dr. Holger Raffel, Geschäftsleiter des BCM.

Ingenieur mit Kolben
Es kann auch mal der Lötkolben sein: Christian Renz entwickelt bei OMNILAB die Steuerelektronik © OMNILAB


Arbeitsplätze entstehen

Zudem entstand durch das BCM der Kontakt zu Christian Renz, Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik. Der ehemalige Wissenschaftler am BCM wurde als Entwicklungsingenieur bei OMNILAB für das Projekt eingestellt. „Das war ein wichtiges Signal. OMNILAB vollzog damit den Schritt zum Hersteller und wir hatten einen direkten Ansprechpartner für alle technischen Fragen vor Ort“, so Raffel. Im engen Austausch konnte das Laborgerät innerhalb von 18 Monaten von der Idee zum Prototypenstatus gebracht werden. Ein weiterer Vorteil der Kooperation: die kurzen Wege im Technologiepark Uni Bremen. Zwischen OMNILAB und dem BCM sind es nur wenige hundert Meter Luftlinie, offene Frage konnten beim gemeinsamen Mittagessen gelöst werden.

Serienreife in Aussicht

FoodALYT D 5 + wird 2016 serienreif, erste Resonanzen sind positiv, konkrete Anfragen liegen vor. Parallel zur Entwicklung des Laborgerätes hat OMNILAB die FoodALYT GmbH gegründet, die neben der Produktion auch den Vertrieb und den Service übernimmt. „OMNILAB wird als reiner Händler wahrgenommen. Mit der FoodALYT GmbH positionieren wir uns als Hersteller und können viel zielgerichteter auftreten“, so Beninga. Neues Personal, eigenes Tochterunternehmen - für OMNILAB ist die Neuentwicklung eine wesentliche Erweiterung des Geschäftsmodells, die auch durch die Industrie 4.0-Fähigkeiten des Gerätes begünstigt wurde. Denn durch die Online-Oberfläche können Servicetechniker von überall aus auf den Wasserdampfdestillierer zugreifen, vorausschauende Wartung wird möglich. Bei Störungen muss nicht immer ein Termin vereinbart werden. Das heißt auch: Ein effizienterer und günstigerer Service ist gewährleistet.

Dr. Claus Beninga, Leiter FoodALYT GmbH
Dr. Claus Beninga, Leiter FoodALYT GmbH © OMNILAB

Erster Schritt zum Labor 4.0

Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung SmartLab. Und es ist nur der Anfang – Beninga und Renz von FoodALYT können sich schon weitere Laborgeräte vorstellen, die sie fit für das Labor 4.0 machen. Auch für Bremen ein großer Erfolg, freut sich Möllerbernd von der WFB: „Mithilfe von Bremer Know-how, guter Beratung und Unterstützung haben wir eine neue Produktion in Bremen geschaffen, ein neues Unternehmen ist entstanden und eine neue Technologie wurde entwickelt. Das ist großartig.“


Weitere Informationen zur Digitalisierung in der Logistik und zum Industrie-4.0-Kompetenzverbund gibt es bei Kai Stührenberg, Tel.: 0421 9600 325, kai.stührenberg@wfb-bremen.de

Welche Services die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH bei der Digitalisierung ihres Unternehmens bietet, finden Sie auf der Übersichtsseite Digitalisierung.

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