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Unterwegs bei Start-ups: Der Bremer Existenzgründer und Geschäftsführer von edicted und rightmart

Start-up Team edicted
Das Gründer-Team: Jan F. Strasmann, Philipp Harsleben, Dr. Philipp Hammerich und Marco Klock © rightmart


2014 gründete Marco Klock zusammen mit drei Freunden edicted. Das Portal ist eine Art Online-Netzwerk für Juristen. Kanzleien und Rechtsanwälte können darüber Spezialisten finden und Aufträge erteilen oder erhalten. 2015 kam dann rightmart hinzu. Die Online-Kanzlei nutzt die Vorteile der Digitalisierung, um Mandate effizienter und günstiger durchzuführen. Individuelle Rechtsberatung ohne Termine, möglichst kostenlos und in Echtzeit – das ist der Anspruch des Legaltechs. Hinter der Bezeichnung steckt der Begriff „Legal Technology Start-ups“ und er benennt Technologie-Gründungen in der Rechtsbranche.

Als einer der Geschäftsführer von zwei aufstrebenden Start-ups ist der Tag bei Markus Klock lang und ereignisreich. Wir haben ihm über die Schulter geschaut.

Das morgendliche Ritual

07:00 Uhr Der Wecker klingelt. Und wenn das Handy schon in der Hand ist – welche neuen Mails sind eingegangen? Der erste Gedanke am Morgen gilt dem Unternehmen. „Das würde ich aber echt niemanden empfehlen“, gibt Marco Klock lachend zu.

07:10 Uhr Marco macht sich einen Kaffee, geht damit wieder ins Bett. Jetzt ist Zeit für die aktuellen Nachrichten aus aller Welt, über Portale wie Zeit oder Spiegel. Danach geht es wieder an die E-Mails. Interne Mails werden noch gleich aus dem Bett heraus bearbeitet. Zum morgendlichen Ritual gehört auch ein Blick auf Google Analytics und auf den Status der internen Systeme.

Als einer von vier Geschäftsführern verantwortet Klock die Bereiche Vertrieb/Marketing und die strategische Geschäftsführung der beiden Unternehmen. Zahlen sind sein Metier. „Ich sehe mir die Werte des Vortages an – hat sich was geändert? Gibt es irgendwo Steuerungsbedarf? Das kann ich schnell am Morgen einschätzen“, so der 29-jährige.

07:40 Uhr Nach einer Dusche geht es ab ins Büro. Edicted. und rightmart werden vom gleichen Team betreut. Die Zentrale liegt in der Bremer Neustadt.

Mensch mit Smartphone
Marcos wichtigstes Arbeitsgerät: Mit dem Smartphone koordiniert er Termine, Aufgaben und greift per Cloud auf sämtliche Dokumente und Prozesse zu © visualhunt.com


08:00 Uhr
Klock fährt zehn Minuten mit der Straßenbahn. Das ist die wichtigste Zeit des Tages. „Ich organisiere meinen ganzen Tag in der Bahn, alle Termine und To-Dos“, sagt der gelernte BWLer. Dazu nutzt er die App „Wunderlist“. Darin hat er sich verschiedene Pläne und Listen für beide Unternehmen angelegt.

08:20 Uhr Zwischen acht und neun kommt er im Büro an. Eine Assistenz hat Post und Dokumente verteilt, der erste Blick gilt wieder den E-Mails: Jetzt werden Anfragen von Klienten, Geschäftspartnern oder Interessenten wie Investoren bearbeitet.

Beide Unternehmen benötigen Kapital, um zu wachsen und ihre Services fortzuentwickeln. Dazu setzen die Gründer auf verschiedene Quellen. So ist etwa die Förderbank für Bremen und Bremerhaven, die BAB, Gesellschafter von edicted. Ein anderer Weg ist Crowdfunding, etwa über die Online-Plattform Seedmatch.

09:30 Uhr Kaffee Nummer zwei oder drei. „Ich trinke bestimmt zehn Tassen am Tag, das ist ein kleines Laster“, gibt er schmunzelnd zu.

Der Vormittag gilt dem Marketing und Vertrieb. Als erstes nimmt sich Klock alle Aufgaben vor, die sich direkt auf den Umsatz auswirken, verteilt Arbeitspakete oder übernimmt erledigte Aufgaben, um sich mit Geschäftspartnern abzustimmen.

Der ganze Tag ein Meeting

Er sitzt zusammen mit den drei weiteren Geschäftsführern in einem Büro. „Weil wir alle so eng aufeinanderhocken, gibt es bei uns keine regelmäßigen Besprechungen. Wir diskutieren die Themen direkt und sparen uns so einige Meetings“, erzählt Klock. Themen oder neue Ideen werden sogleich in der Runde besprochen. Pro Tag sprechen sie so bis zu zwei Stunden miteinander. Ein intensiver Austausch, der den vieren wichtig ist, um ihr Unternehmen strategisch auf einen Kurs zu halten.

Edicted hat seit seiner Gründung 2014 einen Wandel hinter sich. Das Start-up wurde als Plattform gegründet, bei der Kanzleien Routine-Arbeiten kostengünstig online outsourcen konnten. Doch der Rechtsmarkt reagierte skeptisch. „Die Branche ist eher konservativ, die Digitalisierung steckt noch in den Kinderschuhen“, so Klock. Heute ist Edicted eine Austauschplattform, in der Kanzleien Profis für Rechtsgebiete finden können, in denen sie selbst keine Kompetenzen haben. Das Konzept funktioniert, Teile des Unternehmens wurden vor kurzem an den Verlag C.H.BECK oHG verkauft, den größten Rechtsverlag Deutschlands. Gemeinsam sollen deutschlandweit gezielt Juristen angesprochen und für den Service gewonnen werden.

Mittagspause in einem Start-up: Fast Food

12:00 Uhr Gemeinsame Mittagspause. 15 Festangestellte und 20 bis 30 Teilzeitkräfte arbeiten bereits für die beiden Unternehmen. Häufig gibt es Döner oder Burritos von Imbissläden in der Nähe. „Daran müssen wir auf jeden Fall noch arbeiten! Aber meistens bleibt uns zu wenig Zeit“, erzählt Klock grinsend.

13:00 Uhr Die Wunderlist zeigt für heute Nachmittag einen Außentermin an: Ein Pitch vor einer Gruppe Rechtsanwälten in Hamburg. Ein bis zweimal die Woche ist Klock unterwegs, um seine Unternehmen Geschäftspartnern, Investoren oder Kunden vorzustellen. Klinkenputzen, denn möglichst viele Kanzleien und Rechtsanwälte sollen bei Edicted mitmachen.

rightmart räume
Blick in die Räume: Viele Aktenordner, wie man es in einer Kanzlei erwartet - aber rightmart setzt ganz auf Technologie © rightmart


14:00 Uhr
Im Zug von Bremen nach Hamburg. Die Bahn ist Marcos bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Denn so hat er Zeit zu arbeiten. Etwa an der Präsentation, die er in Hamburg vorstellt. “Ich versuche, meinen Präsentationen immer ein Motto zu geben. Dieses Mal ist es 'Transparenz schafft Effizienz. Effizienz schafft Wachstum'. Ich arbeite dabei viel mit Bildern”, erklärt er. Zum Einsatz kommt dabei, ganz klassisch, Powerpoint. Alle Dokumente des Unternehmens werden in der Google Cloud gespeichert – günstig, effizient und mobil von überall erreichbar, so Klock.

17:30 Uhr Wieder zurück aus Hamburg. Jetzt ist Zeit für Telefonate mit Gesellschaftern, ein paar weitere E-Mails oder für die Verbesserung der Organisationsstruktur.

Die beiden Unternehmen wachsen schnell. Klock weiß, dass rasantes Wachstum in Start-ups oft Probleme mit sich bringt. Vor allem wenn plötzlich 20 oder 30 Mitarbeiter geführt werden wollen. “Ich mag Strukturen und poche sehr darauf, dass alle Mitarbeiter etwa die Ablage in unserer Cloud einhalten. Manchmal wäre ein anderer Weg schneller, aber bei wachsenden Mitarbeiterzahlen müssen wir darauf achten, reproduzierbare und nachvollziehbare Abläufe zu schaffen”, so Klock.

Abendbrot in kleiner Runde

18:30 Uhr Abendessen unter den Geschäftsführern. Viele Mitarbeiter haben das Büro verlassen, jetzt ist Zeit, um Ereignisse des Tages zu besprechen oder Planungen voranzutreiben. Wie etwa für ein neues Büro, die bisherigen Büroräume platzen aus allen Nähten und weiteres Wachstum ist angepeilt.

Denn rightmart, die Online-Kanzlei, geht gerade durch die Decke. Verbraucher können hier zum Beispiel kostenlos ihre Hartz-IV-Bescheide prüfen lassen. Bei erfolgreichem Widerspruch zahlt das Finanzamt die Anwaltskosten. Eine Software prüft die Bescheide, die Nutzer online hochladen können, bewertet sie und ordnet sie gegebenenfalls Anwälten zur weiteren Bearbeitung zu. Das spart der Kanzlei viel Zeit. “Wir haben uns die Prüfung von Sozialleistungsbescheiden als erstes vorgenommen, da das Gebiet eng abgesteckt und übersichtlich ist. Mit unseren Erfahrungen wollen wir jetzt auch in andere Rechtsgebiete vordringen.” Allein mit der Prüfung von Hartz-IV-Bescheiden erzielte rightmart im vergangenen Jahr 5000 Mandate und eine Million Euro Umsatz. Zum Vergleich: Der letzte Platz in den Top-100 der größten Kanzleien Deutschlands erzielt 10 Millionen Euro Gesamt-Umsatz im Jahr. Bereits heute folgen mehr als 25.000 Leute in den sozialen Medien der Kanzlei über die Seite www.hartz4widerspruch.de.

Wie rightmart funktioniert, dazu mehr im Youtube-Video von Marco Klock:

20:00 Uhr Wenn es im Büro ruhiger wird, ist die Zeit für das Rechnungswesen gekommen. Marco Klock kümmert sich um Buchhaltung, Belege und Bewirtungskosten.

21:00 Uhr Der Geschäftsführer verlässt das Büro und macht sich auf ins Fitnessstudio. Dreimal die Woche powert er sich hier aus. “Ich brauche den Sport als Ausgleich”, sagt er.

21:45 Uhr Nach dem Sport geht es endlich nach Hause. Dort gilt ein letzter Blick den E-Mails und dem Status aller Systeme, falls noch akute Probleme aufgetaucht sind. Zur Entspannung schaut Klock über Netflix noch die ein oder andere Folge einer Serie. Game of Thrones, Breaking Bad oder House of Cards zählen zu seinen Lieblingen.

Manchmal liest er auch noch etwas. Er liebt Gründerliteratur, gerade über Unternehmerpersönlichkeiten aus den Vereinigten Staaten. Neben Elon Musk und Steve Jobs gehört dazu Mikkel Svane, Gründer von Zendesk. “Sein Buch Startupland kann ich jedem Gründer empfehlen”, rät Klock.

00:30 Uhr Mit dem Beginn des neuen Tages endet der alte. Um spätestens halb eins legt sich Marco Klock schlafen - und das Smartphone aus der Hand. Aber die nächsten E-Mails warten schon.


Weitere Geschichten zur Bremer Start-up Landschaft gibt es auf dem Bremer Portal startups-bremen.de


Weitere Informationen zur Kreativwirtschaft und zu Unternehmensgründungen von Kreativen gibt es bei Kai Stührenberg, Tel.: 0421 9600 325, kai.stuehrenberg@wfb-bremen.de

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