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Sie organisiert eines der größten Kultur- und Musikfestivals in der Hansestadt

Breminale Blick auf Weser
Blick auf die Breminale 2015 © Sternkultur UG

Susanne von Essen ist ruhig und gelassen, zugleich voller Ideen und Tatendrang. Sie ist Gesellschafterin der Sternkultur UG, Kuratorin, Künstlerische Leiterin und Projektentwicklerin. Und eigentlich ist sie noch viel mehr: Kreativkopf, Ideen-Entwicklerin, Organisationstalent. Erleben kann man die Früchte ihrer Arbeit auch auf der Breminale.

Und jährlich grüßt das Murmeltier

Wenn die Zirkuszelte auf dem Osterdeich thronen, die Musik mit der Weser strömt und zufriedene Besucherinnen und Besucher den Deich besiedeln, wissen wir: Es ist wieder Breminale-Zeit. Rund 200.000 Besucher erlebten 2015 an fünf Tagen Kulturangebote für alle Altersgruppen. Als Familienfest konzipiert, lockt die Breminale tausende Neugierige, Schaulustige und Musikliebhaber an den Deich. Und auch für Susanne von Essen geht’s jedes Jahr aufs Neue wieder los. Als Gesellschafterin der Sternkultur UG organisiert sie – zusammen mit ihrem Partner Max Maurer und einem kleinen Team von drei Leuten – das größte Kulturfestival Bremens.

Susanne von Essen
Susanne von Essen mit ihren drei Kindern und Ehemann © Susanne von Essen

Als sie 2007 in das Breminale-Team kam, hatte sie schon einige Stationen hinter sich gebracht: Geboren und aufgewachsen im Ammerland nahe Oldenburg, zog es sie zum Studieren nach Berlin. Europäische Ethnologie hatte sie als Studienfach gewählt. Ihr Schwerpunkt damals: Stadtethnologie. Ein Thema, das heute noch ihre Arbeit beeinflusst. Ein Zwischenstopp in Hamburg ebnete ihr den beruflichen Weg. 2003 kam sie nach Bremen. Hier angekommen, hier geblieben, könnte man sagen. In Bremen schloss sie ihr Studium ab und gründete eine Familie. Hier fasste sie beruflich Fuß. Mittlerweile ist sie mit ihrer Arbeit tief in Bremen verwurzelt und bestimmt das Stadtgeschehen und die kulturelle Vielfalt bedeutend mit - mit Veranstaltungen, die jedes Jahr aufs Neue zu den Höhepunkten der bremischen Kulturszene gehören. Und dazu gehört auch die Breminale. Als künstlerische Leiterin des Kulturfestivals schaut sie gerne über den Tellerrand und lässt sich von anderen Inszenierungen inspirieren. Nichts scheint bei ihr unmöglich, so scheint es.

Ein Neuanfang musste her und der ist immer noch zukunftsweisend

In den ersten Jahren hatte sie über über zahlreiche Events und Inszenierungen in der bremischen Kulturszene Fuß gefasst und sich ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut. Das einzige Jahr, in dem die Breminale nicht stattfand – 2007 – war das Jahr, in dem Susanne von Essen einstieg. Es war Zeit für einen Neuanfang, mit neuen Leuten. Das war auch Carsten Werner, damals künstlerischer Leiter der Breminale, klar. So führte das Eine zum Anderen. "Carsten, wenn, dann machen wir das zusammen!", sagte sie damals zu ihm. "Es hat mir einfach einen wahnsinnigen Spaß bereitet, mit Carsten Formate zu entwickeln! Und glücklicherweise wollte er auch mit mir zusammenarbeiten", erzählt sie mit großer Freude über diese Anfangszeit. Trotz ihrer Auszeit, die sie sich 2007 für ihre Familie nahm, wurde an diesem Tag eine neue Ära der Breminale besiegelt, indem die breminale GmbH Susanne von Essen und Carsten Werner engagierte. Bewährtes blieb bestehen und doch war die Zeit gekommen für eine Portion frischen Wind.

Wie diese Portion frischer Wind aussieht, sehen Sie in diesem Video:

Mut zur Lücke: Neue Formate hüllten die Breminale in ein neues Gewand

Es war eine herausfordernde Aufgabe, die Carsten Werner und Susanne von Essen erwartete: "Wir mussten 2007 das Konzept der Breminale komplett umkrempeln, das war dringend nötig", so Susanne von Essen. "Die Stadt Bremen hatte uns schon damals finanziell unterstützt. Doch es gab 2007 eine klare und für uns auch nachvollziehbare Vorgabe, die es zu erfüllen galt: Wir brauchten einen roten Faden für die Breminale und haben deswegen ordentlich aufräumen müssen. Das hat mit der Grafik angefangen, indem wir erstmals mit den Bremer Stadtmusikanten gearbeitet haben. Wir haben den Termin – vor allem wetterbedingt – vom Mai in den Juli verschoben. Man durfte nicht mehr auf dem Gelände parken – heute sowieso unvorstellbar – und es gab ein neues Programmheft." Seit diesen und weiteren programmlichen Änderungen wurde die Breminale immer erfolgreicher. Das Programm wurde vielfältiger, das Festivalgelände größer und immer mehr Besucher wollten bei dem fünftägigen Spektakel dabei sein.

Ein neues Team für eine neue Breminale

2011 gründete Susanne von Essen mit ihrem heutigen Partner Max Maurer die "Sternkultur UG". Seitdem organisieren sie zusammen die Breminale – er als Projektleiter, sie als Künstlerische Leiterin, beide als Gesellschafter. Ein Team, das von Beginn an funktionierte. Der Erfolg der Breminale gründet sich auf diese Teamleistung und bestünde im Zusammenspiel aus bewährten und neuen Programmpunkten, so von Essen. Dass dies so ist, dafür haben sich Susanne von Essen und ihr Team einiges einfallen lassen: "2011 konnten wir ein paar Hemmschwellen abbauen, als wir unser Bio-Erleben-Dorf ins Leben gerufen haben. Es war ein kleines gallisches Dorf mit sechs, sieben Ökoständen, zu denen sich später noch das sonntägliche Deichbankett am Osterdeich gesellte." Die Idee funktionierte: Das Bio-Dorf wurde mit Kuss-Hand angenommen und ist heute fester Bestandteil des Breminale-Programms. "Ein weiterer Höhepunkt war, dass wir das Festivalgelände mit der himmlischen Wiese und dem 'Himmelwärts' vergrößern und näher an die Kunsthalle Bremen heranbringen konnten. Das war ein Kraftakt, an dem wir seit 2008 gearbeitet haben."

Abendstimmung Breminale
In den Abendstunden besonders schön: die Lichterkette entlang der Weser, Markenzeichen der Breminale © Sternkultur UG


Nachhaltigkeit weiter im Fokus

Neben dem Bio-Dorf wird das Thema Nachhaltigkeit und Energiesparen 2016 auch bei der Beleuchtung umgesetzt: 4.000 Leuchten werden auf LED umgestellt. Allen voran die große Lichterkette entlang der Weser, die zum Markenzeichen der Breminale geworden ist. „Wir geben unseren Gästen die Gelegenheit, eine Leuchte mit fünf Euro zu sponsern und so den Gedanken der Nachhaltigkeit zu leben“. Als kleines Dankeschön erhalten die Besucher dafür ein Festivalbändchen – was es sonst nicht gibt, denn das Fest ist kostenlos, ein nettes Andenken. Neben den Gästen wird die Umstellung der Leuchten auch von großen Bremen Unternehmen unterstützt.

Die Breminale: das Wohnzimmer der Bremer

Wie auch immer sich die Breminale in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird, eines dürfe man laut Susanne von Essen nicht außer Acht lassen. Das Wichtigste sei die Aufenthaltsqualität vor Ort, die dürfe nicht leiden. "Die Breminale ist ja eigentlich wie eine große WG. Die Mehrheit der Breminale-Besucher nimmt sich meist vor zu einem bestimmten Konzert zu gehen und auf einmal sitzt man mit Bekannten oder Unbekannten am Osterdeich, egal zu welcher Tageszeit, oder probiert einfach auch mal etwas Neues aus. Auch wenn die Breminale in den letzten Jahren größer wurde und immer stärker besucht wird, hier trifft man sich trotzdem noch jedes Jahr wieder."

Auf der Erfolgsspur und kein Ende in Sicht

Der Erfolg der Breminale sei nicht nur an den zufriedenen Gesichtern der Besucher auszumachen oder an den steigenden Besucherzahlen, so von Essen. Auch die touristische Auslastung und die Medienberichterstattung haben regional und überregional stark zugenommen und sind daher gute Indikatoren für den Erfolg der Breminale in den letzten Jahren: "Die Breminale ist ein lokales Kleinod, besitzt aber gleichzeitig überregional eine enorme Strahlkraft. Die Musikagenturen nehmen uns immer mehr wahr und wissen schon lange, dass die Breminale kein klassisches Stadtfest ist. Seit 2008 dokumentieren wir, wer was über die Breminale berichtet. Diese Pressespiegel sind monsterdick. Das sind richtige Bücher. Und in ihnen kann man die Entwicklung der Breminale schön nachverfolgen. Und eben diese Entwicklung macht einen großen Teil des Erfolgs aus."

Holzbauten von Sternkultur
Attraktion der vergangenen Breminale: Holzbauten von Sternkultur © Sternkultur UG

Stillstand kennt die Breminale wahrlich nicht. Und geht es nach Susanne von Essen, ist das Potenzial auch noch lange nicht ausgeschöpft. "Die Breminale ist und bleibt mehr 'Bullerbü' und weniger 'Hurricane'. Und das ist auch gut so. Aber ein bisschen mehr Festivalatmosphäre könnte schon entstehen – zum Beispiel indem wir das Campen in der Kinderwildnis anbieten oder den Bereich rund um das Café Sand mitnutzen und dafür auch Flussüberquerungen mit dem THW oder dem Fährbetrieb ermöglichen. Und ein großer, leider aber auch teurer Traum von mir ist eine Wasserbespielung auf der Weser."

Vom Blick in die Vergangenheit zum Ausblick in die Zukunft

Der weiteren Entwicklung der Breminale und auch ihrer persönlichen Zukunft sieht Susanne von Essen gelassen, aber realistisch entgegen. Auf der einen Seite könnte die Breminale nicht ohne öffentliche Gelder überleben. An dieser Stelle müsse man auch eine Lanze für die Politik in Bremen brechen, die die Breminale jedes Jahr fördert. Doch personell müsse man dringend aufstocken, so von Essen. Mit der aktuellen finanziellen Ausstattung sei das aber mehr als schwierig: "Wir sind mittlerweile soweit, dass wir so selbstbewusst sind und nach der Breminale recht zügig den Termin für das kommende Jahr herausgeben. Wir legen den dann einfach fest und kommunizieren ihn auch – ohne zu wissen, ob wir das Festival überhaupt finanziert bekommen. Es ist jedes Jahr aufs Neue ein Spagat. Die momentane finanzielle Ausstattung und Bürostruktur führen leider dazu, dass wir alle über unsere Grenzen und Kapazitäten hinausgehen. Das, was die Stadt für uns tut, ist schon sehr gut. Ohne Zweifel. Aber: Man braucht für eine Veranstaltung wie die Breminale einfach eine gewisse Planungssicherheit und es wäre eine wahnsinnige Anerkennung, wenn die Stadt noch mehr Verantwortung übernehmen würde."


Breminale 2016

Die Breminale 2016 findet vom 13.07 - 17.07. am Bremer Osterdeich statt.

Alle Informationen zu Programm und Bands finden Sie hier: breminale.sternkultur.de

Plakat Breminale
Plakat Breminale 2016 © Sternkultur UG


Weitere Informationen zur Kreativwirtschaft gibt es bei Kai Stührenberg, Tel.: 0421 9600 325, kai.stuehrenberg@wfb-bremen.de

Was Kreative in Bremen sonst noch so machen, dazu mehr auf der Übersichtsseite Kreativwirtschaft


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