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Schwarzer Genuss

Die bremischen Häfen sind die wichtigsten Importstationen für Kaffee in Deutschland: Fast jede zweite Bohne wird über Bremen oder Bremerhaven eingeführt. Röstereien wie Lloyd Caffee oder Cross Coffee runden das Bild Bremens als Kaffeehauptstadt Deutschlands ab. Am 1. Oktober wird mit besonderen Aktionen der "Tag des Kaffees" gefeiert.

Die Gründer von „Cross Coffee“
Oliver Kriegsch (links) und Kevin Windhorst (rechts) knüpfen an eine lange Tradition Bremens als Kaffeestadt an: Vor einem Jahr gründeten sie mit „Cross Coffee“ die jüngste Kaffeerösterei in der Hansestadt. © Pressedienst Bremen

Wenn Oliver Kriegsch Kaffee zubereitet, ist das eine kleine Zeremonie. Er legt den Papierfilter in den Porzellan-Halter und gießt kurz heißes Wasser darauf. „Das öffnet die Poren, spült den Papiergeschmack weg und wärmt die Keramik vor“, erklärt er. Das durch den Filter gelaufene Wasser schüttet er anschließend weg. Auf den nassen Filter gibt er 12 Gramm frisch gemahlenes Kaffeepulver pro Tasse. „Das Verhältnis von Kaffee und Wasser ist wichtig“, sagt Kriegsch. Schließlich kommt schwallartig das 92 Grad heiße Wasser über das Pulver. Es duftet. Der Kaffee ist fertig.

Oliver Kriegsch hat 2013 die jüngste Kaffeerösterei in Bremen gegründet: Cross Coffee. Geröstet wird im Hafengebiet, verkauft wird vor allem über das Internet. Kriegsch knüpft mit seiner Unternehmensgründung an eine lange Tradition Bremens als Kaffeestadt an. Diese verdankt die Hansestadt dem Niederländer Jan Jahns von Huisten, der das Kolonialgetränk nach Bremen brachte. Auf sein Betreiben genehmigte der Rat der Stadt Bremen im Jahr 1673 das erste öffentliche Kaffeehaus Deutschlands.

Erste Kaffeefabrik Europas stand in Bremen

Vor über 100 Jahren gründete dann Ludwig Roselius in Bremen Kaffee Hag. Es war nicht nur die erste Kaffeefabrik Europas, sondern auch weltweit das erste Unternehmen, das koffeinfreien Kaffee verkaufte. Die Bohnen aus Übersee wurden im Bremer Hafen umgeschlagen. Da lag es nahe, dass sich auch weitere Kaffee-Unternehmen in der Hansestadt ansiedelten. „In der Hoch-Zeit des Kaffees ab Anfang der 1920er Jahre gab es um die 250 Kaffeeröstereien in Bremen“, erzählt Christian Ritschel, Geschäftsführer und Röstmeister von Lloyd Caffee, einer der ältesten Privatröstereien in Bremen. Der Erfolg hielt nicht ewig. „Problematisch wurde es, als die Supermärkte aufkamen und der Kaffeepreis sank“, erklärt Ritschel. Röstereien fusionierten oder gaben ganz auf. Doch noch heute haben Branchengrößen ihren Sitz in der Hansestadt: Melitta, Mondelez mit den Marken Jacobs, Kaffee Hag, Tassimo und Onko sowie Azul und Westhoff. In Weyhe, direkt vor den Toren Bremens, röstet Aldi Nord seinen Kaffee.

Zudem haben sich kleine Röstereien etabliert: Neben Lloyd Caffee unter anderem die Rösterei Hemken im Szene- und Kultur-Quartier Viertel, die Bremer Kaffeegesellschaft mit Büchlers Beste Bohne sowie Münchhausen. Die letzte Rösterei Bremens in Familienbesitz existiert bereits seit knapp 80 Jahren. Auch Lloyd Caffee kann auf eine lange Tradition zurückblicken: 1930 gegründet, hat das Unternehmen eine bewegte Vergangenheit mit einem kurzen Ausflug nach Hamburg hinter sich.

Geschäftsführer und Röstmeister Christian Ritschel
Geschäftsführer und Röstmeister Christian Ritschel leitet die Geschicke von Lloyd Caffee. Seit fünf Jahren ist eine der äl-testen Privatröstereien Bremens im ehema-ligen Fabrikgebäude von Kaffee Hag ansäs-sig. © Pressedienst Bremen

Inzwischen lenkt Röstmeister Christian Ritschel die Geschicke. Ihm ist es zu verdanken, dass Lloyd Caffee seit 2009 im Holz- und Getreidehafen der Bremer Überseestadt in einem Gebäudekomplex sitzt, der einst Kaffee Hag gehörte. „Dort, wo heute unser Café ist, wurde früher der Rohkaffee angenommen“, sagt Ritschel. Entsprechend versteckt liegt das Café mit Shop und gläserner Rösterei. Kaffeeliebhaber finden trotzdem den Weg. Sie kommen sogar in Gruppen mit Reisebussen, um Ritschel beim Rösten über die Schulter zu schauen und Interessantes in seinen Kaffeeseminaren zu erfahren. Ritschel erzählt dann nicht nur etwas über den Weg der Bohne vom Anbaugebiet bis in die Tasse, sondern auch etwas über die unterschiedlichen Röstverfahren und die Zubereitung.

Beliebtestes Getränk in der Bundesrepublik

Auch heute noch ist Kaffee ein großes Geschäft. Es ist das beliebteste Getränk in Deutschland: 2015 lag der Pro-Kopf-Konsum nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes bei durchschnittlich 162 Liter Kaffee - und damit deutlich höher als der von Mineralwasser (143,4 Liter) oder Bier (105,9 Liter). Im selben Jahr wurden über eine Million Tonnen Rohkaffee nach Deutschland geliefert. Diese wurden allerdings nicht vollständig hier konsumiert - die deutschen Häfen dienen für Teile des Rohkaffeeimports als Umschlagplatz. Fast jede zweite Kaffeebohne wird über Bremen eingeführt. Damit sind die bremischen Häfen neben Hamburg die wichtigsten Importplätze in Deutschland.

Der Bedarf an Kaffee ist also groß, und Industrieware bestimmt den Markt. Doch der handwerklich geröstete Kaffee aus bester Rohware, sagt Ritschel, habe in Zeiten, in denen sich Menschen Kaffeemaschinen für mehrere Hundert Euro in die Küche stellen, stark gewonnen. „Für uns als kleine Röstereien ist das eine Nische“, sagt Ritschel. „Aber eine, in der wir uns wohlfühlen.“

Kleine Röstereien bieten den besonderen Kaffee

In diese Nische will sich auch Oliver Kriegsch von Cross Coffee etablieren. Der 48-Jährige ist eigentlich Unternehmensberater, aber Kaffee ist seine große Leidenschaft. Angefangen hat die, als er bei Jacobs Maschinenschlosser lernte. Nach seinem anschließenden Maschinenbaustudium war er für die Betriebstechnik von Großröstereien zuständig. Auch privat interessierte er sich fürs Rösten, experimentierte mit einem Haushaltsröster zu Hause. „Das hat zunehmend Zuspruch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gefunden“, sagt Oliver Kriegsch. Deshalb entschloss er sich schließlich, das Ganze größer und gewerblich aufzuziehen.

Sechs direkt gehandelte Rohkaffees bietet er inzwischen an. „Wir können ihn bis zum einzelnen Kaffeebauern zurückverfolgen“, sagt Kriegsch. Zu jedem Kaffee könne er eine eigene Geschichte erzählt. Die Bohnen werden bei Cross Coffee eher hell geröstet, selbst der Espresso. „Dadurch kommen alle Aromen durch“, erklärt Kriegsch. „Kaffee hat um die tausend Aromen, weitaus mehr als Wein.“ Ebenso wie beim Wein seien die Lage und die Bodenverhältnisse entscheidend für den Geschmack. Den Lampocoy-Kaffee aus Guatemala beschreibt Oliver Kriegsch so: „Leicht nussig, leichte Zitronenaromen, leichte Gewürznote, hat einen schönen Körper, das gibt ein volles Gefühl im Mund, und er ist er noch relativ süß.“


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Pressekontakt zu Lloyd Caffee und Cross Coffee


Weitere Informationen zum Tag des Kaffees finden sie auf der Aktionsseite www.tag-des-kaffees.de


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