+49 (0) 421 9600-10

Wie der Weltraumkongress IAC 2018 in Bremen Realität wird

Bremen, Oktober 2018: Rund 4.000 Raumfahrtexpertinnen und -experten aus der ganzen Welt sind in der Stadt, um am Weltraumkongress IAC (International Astronautical Congress) teilzunehmen. Die Raumfahrt beherrscht nicht nur den Kongress, sondern ist auch Thema in Kneipen, Schulen und Kitas. Damit all das Wirklichkeit wird, arbeitet schon jetzt ein Organisationskomitee am Zentrum für angewandte Raumfahrtforschung und Mikrogravitation (ZARM) an der Universität Bremen auf Hochtouren. Peter von Kampen und Birgit Kinkeldey vom ZARM im Interview über die Programmplanung des weltweit größten Raumfahrt-Branchentreffens, das Motto „Involving everyone“ (Alle beteiligen) – und gute Nachrichten aus Mexiko.


Local Organizing Comittee arbeitet am IAC 2018
Das Local Organizing Comittee vom ZARM arbeitet auf Hochtouren am Weltraumkongress IAC, der 2018 in Bremen stattfindet. Das Team besteht aus (v.l.n.r.): Claus Lämmerzahl, Marc Avila, Birgit Kinkeldey und Peter von Kampen © ZARM, Universität Bremen


Was haben Sie aus Mexiko, wo der IAC 2016 stattfand, mitgebracht? Und warum ist es für Sie als Ausrichter 2018 überhaupt wichtig, vor Ort zu sein?

Peter von Kampen: Die jährlichen IAC-Kongresse, wie jetzt in Mexiko und im nächsten Jahr in Australien, sind Schlüsselevents für uns, um auf den Kongress 2018 aufmerksam zu machen und damit auf die Möglichkeiten des Raumfahrtstandorts Bremen. Und natürlich wollten wir die Teilnehmenden auch von den Gastgeberqualitäten Bremens überzeugen.

Und?

Peter von Kampen: In Mexiko lief es sehr erfolgreich! 50 Prozent der Ausstellungsflächen sind inzwischen reserviert. Die große Herausforderung der nächsten Monate wird sein, alles weiter auf eine solide Basis zu stellen. Dazu brauchen wir Aussteller, Sponsoren, Teilnehmende. Bereits im Juni haben wir bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin damit begonnen – jetzt sind wir mittendrin.


Senator Günthner & ESA-Direktor Wörner, IAC 2016
Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen Martin Günthner und Johann-Dietrich Wörner, ESA-Generaldirektor (European Space Agency) am Bremer Gemeinschaftsstand auf dem IAC 2016 in Mexiko © ZARM, Universität Bremen


Beim IAC kommen Raumfahrt-Agenturen, wissenschaftliche Einrichtungen und Unternehmen der Raumfahrtindustrie zusammen, um sich über technologische und wissenschaftliche Fortschritte zu informieren. Neben der Messeausstellung gibt es den Fachkongress. Welche Aufgabe haben Sie hier als lokales Organisationskomitee?

Birgit Kinkeldey: Die International Astronautical Federation in Paris und entwickelt die wissenschaftlichen Tagungsprogramme, die aus ungefähr 3.000 eingereichten Vorträgen bestehen. Unser Auftrag als lokales Organisationskomitee ist, daraus eine perfekte Veranstaltung zu konzipieren. Das reicht von der Suche nach geeigneten Veranstaltungsorten über das Buchen von Hotelkontingenten, die Registrierung der Teilnehmenden bis hin zum Ausrichten der Raumfahrtausstellung und eines großartigen Rahmenprogramms. Letzteres schieben wir gerade an.

Wie sieht das aus?

Birgit Kinkeldey: Als Raumfahrtstandort sind wir zum einen in der Lage, ein umfangreiches Programm für die Teilnehmenden zusammenzustellen: In Bremen sind ja nicht nur das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR und Unternehmen wie OHB und Airbus ansässig, sondern auch Forschungsinstitute wie das Institut für Umweltphysik, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI, das ZARM oder auch das Zentrum für Technomathematik – sie alle beschäftigen sich mit der Raumfahrt. Es gibt also eine große Bandbreite, die wir hier für die Konferenzteilnehmenden sichtbar machen können.

Daneben wird es natürlich auch ein touristisches Angebot geben und, was uns insbesondere am Herzen liegt: Wir wollen das Thema Raumfahrt in ganz Bremen spürbar machen. An Schulen, Unis, in öffentlichen Räumen, auch in Kneipen und Kinos, wo man es erstmal nicht so erwartet.

Birgit Kinkeldey, Head of Corporate Communication, ZARM


Welche Chancen verbinden sich mit dem IAC aus Ihrer Sicht für den Standort wirtschaftlich, aber auch für die wissenschaftliche Forschung?

Peter von Kampen: Unser Hauptanliegen ist der Welt zu zeigen, was Bremen in Sachen Raumfahrt zu bieten hat. Darum haben wir uns um die Ausrichtung beworben. Wir wollen die internationale Fachwelt hierher holen, wissenschaftlichen Austausch und Kooperationsprojekte generieren. Selbstverständlich wird Bremen dadurch als Raumfahrthauptstadt in hohem Maße profitieren. Ganz nebenbei ist es auch für die Hotellerie, Gastronomie und den Einzelhandel ein gern gesehener Zugewinn, wenn sich 4.000 Personen für über eine Woche in Bremen aufhalten.

Jeder IAC hat ein eigenes Motto, 2018 lautet es „Involving everyone“ – Alle beteiligen. Was verbirgt sich dahinter?

Birgit Kinkeldey: Wir wissen aus vielen Studien: Arbeitsgruppen arbeiten deutlich effektiver, wenn sie gemischt sind, was Alter, Geschlecht und Herkunft betrifft. Wir wollen, dass auch die Raumfahrt bunter wird.


Unser Motto ist: Diversität.

Birgit Kinkeldey, Head of Corporate Communication, ZARM


Wie fließt das in den Kongress ein?

Birgit Kinkeldey: Zum Beispiel: Wir wollen nachhaltig den Frauenanteil erhöhen. So wird eines unserer Ziele sein, dass die Hauptvorträge zu 50 Prozent von Frauen gehalten werden. Das dürfte, so meine Einschätzung, bisher noch nie dagewesen sein. Junge Mädchen und Frauen brauchen diese Vorbilder, um für sich eine Perspektive in der Branche zu sehen und die Möglichkeit, ihre Ziele erreichen zu können.

Außerdem wollen wir die Teilnehmendenstruktur verjüngen. Es wird beispielsweise auch eine Konferenz für Schülerinnen und Schüler geben, die sich mit Vorträgen bei uns bewerben können. Darüber hinaus wollen wir auch Teilnehmende aus Ländern, die keine eigene Raumfahrt-Agentur haben, gezielt ansprechen.

Sie waren 2003 bereits im Organisationskomitee, als Bremen den Kongress erstmals ausrichtete. Damals waren es 2.700 Teilnehmende, heute rechnen Sie mit bis zu 4.000: Das sind andere Dimensionen.

Peter von Kampen: 2003 waren wirklich noch ganz andere Zeiten. Vieles hat sich seither weiterentwickelt, der IAC, aber auch Bremen als Raumfahrtstandort und die Kongressausrichtung als solche. Damals ging es darum, den Kongress und die dazugehörige Ausstellung zu organisieren. Mittlerweile gibt es so viele Parallelveranstaltungen, die mit dem Kongress einhergehen: Das sind bis zu 50 weitere Veranstaltungen, die organisiert sein wollen. Das hat sich verzehnfacht. Wir werden unser Team deshalb jetzt um zwei weitere Vollzeitstellen aufstocken.

Frau Kindeldey, Herr von Kampen, vielen Dank für das Gespräch!


Weitere Informationen über Innovationen in der Raumfahrt erhalten Sie bei Dr. Barbara Cembella, Clustermanagerin Raumfahrt, 0421 9600 340, barbara.cembella@wfb-bremen.de.


Informationen zum Luft- und Raumfahrtstandort Bremen finden Sie hier.

Weitere Artikel


Kampf dem Dateien-Wirrwarr beim Satellitenbau
Luft- und Raumfahrt
25. Januar 2017

Kampf dem Dateien-Wirrwarr beim Satellitenbau

Beim jungen Bremer Unternehmen Valispace entwickeln Marco Witzmann und sein Team seit zwei Jahren webbasierte Software, die Raumfahrtingenieuren Arbeitserleichterungen und ein Ende des Dateien-Wirrwarrs verspricht.

Mehr lesen...
Wo Bremens Chancen in Kanada liegen
Luft- und Raumfahrt
16. Januar 2017

Wo Bremens Chancen in Kanada liegen

Die wirtschaftliche und innovative Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kanada stärken – dazu trägt seit rund fünf Jahren die Konferenzreihe German Canadian Concourse bei. Welche Chancen der Dialog zwischen Deutschland und Kanada für Bremen bietet, das erläutert Dr. Matthias Mück, Präsident des „Canada Meets Germany Network“ und Leiter des German Canadian Concourse im Interview.

Mehr lesen...
Gärtnern für Mars, Mond und Antarktis
Luft- und Raumfahrt
09. Januar 2017

Gärtnern für Mars, Mond und Antarktis

Gesunde Ernährung ist für Raumfahrer bisher kaum möglich. Wo sollen die frischen Vitamine im All auch herkommen? Aus dem „Garten-EDEN“, schlägt ein Forscherteam um Daniel Schubert vor. Der Leiter des Projekts „EDEN ISS“ beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen, züchtet in einem sterilen Gewächshaus Gurken, Radieschen und Tomaten. Es soll irgendwann auf anderen Planeten stehen.

Mehr lesen...