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Das erste Vollcontainerschiff in Deutschland – Jubiläumsfeier in der Bremer Überseestadt

Ein Container wird auf Lkw geladen
Ein Container der amerikanischen SeaLand-Reederei wird im Bremer Überseehafen auf einen Lkw geladen © BLG

Das erste Vollcontainerschiff erreichte Deutschland am 5. Mai 1966 und machte Bremer Überseehafen fest. Der Einsatz standardisierter Transportbehälter hatte weitreichende Folgen, und der Welthandel wächst durch den Einsatz des Containers bis heute.

Heute ist es unvorstellbar, dass es eine Zeit in der Schiffahrt ohne Container gab. Doch bis in die 1960er Jahre waren Stückgut und Schüttgut die übliche Art, Handelsgüter zu laden. Das Be- und Entladen war langwierig und personalintensiv – und die Liegezeiten in den Häfen entsprechend teuer.

Die Reederei SeaLand des Container-Reeders Malcolm McLean

Malcolm McLean, ein kleiner Spediteur aus North Carolina, der in seinem Unternehmen zunächst auch selbst als Fahrer gearbeitet hatte, ärgerte sich über die langen Ladezeiten, die den Spediteur, aber auch den Fahrer selbst betrafen.

Er entwickelte die Idee, den Ladevorgang zu ökonomisieren, indem er die Ladung in standardisierten Containern verpackte. Diese Container konnten nun in einem Bruchteil der Zeit vom Lkw aufs Schiff und wieder zurück auf einen Lkw verladen werden.

Der Container in den USA

Reeder waren zunächst skeptisch gegenüber der neuen Art des Transports. Deshalb verkaufte McLean kurzerhand seine Spedition, die mittlerweile auf 1.800 Fahrzeuge angewachsen war und gründete eine eigene Reederei. Sein erstes Schiff, das Container transportierte, war die für diesen Zweck umgebaute „Ideal X”. Der Transport innerhalb der USA lief erfolgreich an, und der Container setzte sich schnell durch. Bald plante McLean, Container auch transatlantisch zu verschicken.

Am 05. Mai 1966 erreichte das erste Vollcontainerschiff einen deutschen Hafen. Die „Fairland“ hatte insgesamt 226 Container geladen, der erste Teil ihrer Ladung wurde in Rotterdam gelöscht, bevor es weiter nach Bremen und von dort aus nach Grangemouth (Schottland) ging.

Zwei Containerbrücken im Bremer Neustädter Hafen
Beide Containerbrücken im Bremer Neustädter Hafen 1968 © BLG

In Bremen hatte man sich auf die Container vorbereitet

Auch in Europa überwogen anfänglich Bedenken gegenüber der neuen Transportverpackung. Die Investitionen für neue Containerbrücken und spezielle Lkws wurden als zu hoch angesehen. „Eine Containerbrücke gab es damals noch nicht, die Schiffe von SeaLand hatten ihre eigene Kranbrücken an Bord“, sagt Hans Joachim Abendroth, 81 Jahre, ehemaliger Schuppenvorsteher und Betriebsleiter der BLG.

Die Bremer Lagerhaus Gesellschaft schätzte die neue Transportbox als zukunftsfähig ein und bereitete sich auf die Anlandung von Containern aus Übersee vor: Im März begann die BLG mit dem Bau eines ersten Containerumschlagplatzes im Überseehafen. Damit wurde Bremen der erste deutsche Container-Hafen. „Während damals in fast allen europäischen Seehäfen und bei den Reedern die Skepsis gegenüber dieser neuen Transportart überwog, leistete die Bremer Lagerhaus Gesellschaft in der Geburtsstunde des Containerverkehrs in Deutschland entscheidende Starthilfe“, so Frank Dreeke, Vorstandsvorsitzender der BLG Logistics. „Das war eine mutige Entscheidung. Weil die BLG damals vorangegangen ist, haben wir heute den Containerumschlag in Bremerhaven und fertigen an den Eurogate-Terminals die größten Schiffe der Welt ab.“

Schon 1966 gab es Kühlcontainer: In mindestens einem der Container, die in Bremen landeten, wurden einige tausend amerikanische Hähnchen über den Atlantik transportiert. Das Kühlaggregat des Containers hatte sie auf Minus 18 Grad gefroren.

20 Jahre nach der Ankunft des ersten Containers in Bremen waren bereits 50 Prozent des gesamten Stückguts an den großen Häfen Nordwesteuropas containerisiert.

Im Oktober 1966 wird im Neustädter Hafen die erste Containerbrücke gebaut. Bald zeigt sich jedoch, dass der Platz in Bremen nicht ausreicht, so wird im Februar 1968 der erste Spatenstich für die 700 m lange neue Stromkaje des Container-Terminals Bremerhaven (CTB) gesetzt. Im April 1971 wird der erste Liegeplatz in Betrieb genommen und die Kaje in der Folge immer wieder erweitert. Auch die Fahrrinnen werden über die Jahre vertieft, damit auch die größten Containerschiffe Bremerhaven unabhängig von der Tide erreichen können.

Der Containerhandel setzt sich durch

Dass der Container sich durchsetzte, erfuhren nicht nur die Hafenstädte. Auch auf Straßen und Schienen wurden immer mehr Container transportiert – direkt vom Schiff an ihren Zielort transportiert.

Weil die BLG damals vorangegangen ist, haben wir heute den Containerumschlag in Bremerhaven.

Hans-Joachim Abendroth erinnert sich: „Die Zeit lief schnell weiter und der Containerverkehr nahm immer mehr Fahrt auf. Die SeaLand-Reederei und die BLG mussten sich vorerst im Überseehafen behelfen, aber mit Hochdruck wurde auf der linken Weserseite der Neustädter Hafen mit den drei Schuppen 24, 22 und 20 ausgebaut. Am Ende von Schuppen 24 entstand 1966 eine Freifläche mit einer Paceco-Containerbrücke für die Abfertigung der SeaLand-Schiffe. Ich war Vorsteher für Schuppen 20 im konventionellen Bereich, aber auch für den Containerumschlag zuständig. War ein SeaLand-Schiff da, wurde ohne Pause gearbeitet, Tag und Nacht und am Wochenende.“

Container Terminal in Bremerhaven 2007
Container Terminal in Bremerhaven 2007 © BLG

Viele Container werden heute über die Nordrange abgewickelt

Heute werden über die Häfen der Nordrange etwa 80 Prozent des europäischen Im- und Exports abgewickelt. Der größte europäische Hafen Rotterdam konnte 2015 einen Containerumschlag von mehr als 12 Millionen TEU verzeichnen. TEU steht für "Twenty Foot Equivalent Unit" und bezeichnet das Maß eines Standardcontainers mit einer Länge von 20 Fuß bzw. etwas über 6 Metern. Die Bremer Häfen sind mit jährlich 5,59 Millionen TEU der viertgrößte Containerhafen in Europa.

Weil die Container vom Hafen aus an den Zielort befördet werden, entwickeln sich neben den Häfen auch Logistikunternehmen weiter. Rund 12 Prozent der Beschäftigten in Bremen arbeiten heute in der Logistikbranche.

Damit ergeben sich immer neue Herausforderungen. Das Be- und Entladen der Schiffe geht nun schneller, doch das Befüllen beispielsweise erfordert spezielle Kenntnisse.

Heute werden Hafenarbeiter mit modernen Methoden geschult, um sich den immer neuen Anforderungen des Hafenbetriebs zu stellen.

Jubiläumsfeier in der Überseestadt Bremen

50 Jahre Containerschifffahrt in Deutschland – dieses Jubiläum wird in Bremen am 04. Mai 2016 mit einem Festakt gefeiert. Die Veranstaltung findet im BLG-Zentrum statt, das im ehemaligen Überseehafen, der heutigen Überseestadt liegt. 1998 kam das Aus für den ehemals umschlagsstärksten Hafen der Welt. Die Weser war endgültig nicht mehr tief genug für die großen Containerschiffe und das Hafenbecken wurde zugeschüttet. Der Überseehafen ist nun die Überseestadt, in der neue Wohnanlagen und Gewerbeflächen entstehen. Eine rege Bautätigkeit zeigt den dynamischen Wandel an.

Bremerhaven aber boomt: der Containerterminal, der Autoterminal und der Kreuzfahrt-Terminal stehen für den florierenden Welthandel in der Hansestadt und der Region.


Weitere Informationen
Neben historischem Bildmaterial und Zeitzeugenberichten finden Sie weitere Informationen zum Containerumschlag der Bremischen Häfen auf der Website der BLG LOGISTICS GROUP AG, hier im Themendossier "50 Jahre Container".


TV-Tipp
Sie möchten mehr über die Geschichte des Containers erfahren? Wir empfehlen Ihnen die Wochenserie "Containerrevolution beginnt in Bremen" in der ARD Mediathek.


Weitere Informationen zum Thema Logistik gibt es bei Jörg Kautzner, Clustermanager Logistik und Automotive. T +49 (0) 421 9600-324, joerg.kautzner@wfb-bremen.de

Weitere Informationen zur Maritimen Wirtschaft / Logistik in Bremen und zu den Services der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH finden Sie hier.

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