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Steigende Zahl an Schwertransporten aus dem Bremer Neustädter Hafen

Bauteile für Windenergieanlagen
Bauteile für Windenergieanlagen im Neustädter Hafen © BLG Logistics

Der Umschlag von Stückgut über den Bremer Neustädter Hafen hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Die Energiewende beschert dem Hafen verstärkten Umsatz: Insbesondere die Verladung von großen Bauteilen für Windparks, die von der Firma Enercon beliefert werden, sorgt dafür, dass in vielen Nächten Schwertransporte den Hafen verlassen. Das ist vor allem auf Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Schwertransporte im Land Bremen zurück zu führen.

Der Neustädter Hafen ist der größte Stückguthafen Europas

Der Bremer Neustädter Hafen ist der größte Hafen für Stückgut in Europa. Die Bremer Lagerhaus Gesellschaft (BLG) betreibt hier Europas größten Terminal für Stück- und Schwergut und schlug 2015 1,3 Millionen Tonnen Stückgut um. Stahl und Stahlprodukte verschiedenster Größe sind darunter, Holz und Papier, Maschinen und Maschinenteile – sogar ganze Eisenbahnwaggons für den Export werden in Bremen für den Weitertransport bereit gemacht. Der Neustädter Hafen verfügt über spezielle Anlagen und auch über die notwendige Fläche, um große Teile umschlagen zu können. Die Schiffsliegefläche hat eine Länge von zwei Kilometern. Das 18 km lange hafeninterne Schienennetz sorgt dafür, dass auch eine größere Anzahl an Waggons und Lokomotiven direkt von der Schiene aus an Bord verladen werden können.

Auch dem Trend zur Verschiffung immer größerer Teile bis hin zu ganzen Anlagen kann die BLG begegnen: Sie kann ausreichend Platz für die Konstruktion von Anlagen anbieten.

„Der Transport von Stückgut unterliegt immer konjunkturellen Schwankungen“, erläutert Sven Riekers, Geschäftsführer bei der BLG Cargo. „Das liegt beispielsweise an Währungsschwankungen und auch am Ölpreis. In den letzten Jahren mussten die Bremer Häfen deshalb in manchen Bereichen auch Ladungsverluste hinnehmen. Aber auch hausgemachte Probleme standen einer positiven Entwicklung im Wege.“

„Wir haben genauer nach den Ursachen gefragt und zugehört, was Spediteure sich vom Standort Bremen wünschen. Dabei zeigte sich, worauf es ankommt: Schnelligkeit beim Genehmigungsverfahren, Verlässlichkeit der Begleitung von Schwertransporten und Planbarkeit der Fahrten zu möglichst vielen Terminen.“

Sven Riekers, Geschäftsführer BLG Cargo

Am Runden Tisch wurden Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet

Die BLG nahm das Thema mit in die GST (Großraum- und Schwertransporte) Gesprächsrunde Bremen, eine Initiative des Senators für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, bei der neben Hafen- und Transportwirtschaft unter anderem auch die Polizei und das Amt für Straßen und Verkehr eingebunden sind. Gemeinsam wurden Maßnahmen entwickelt, die die Bedingungen für den Transport nun für Speditionsunternehmen deutlich verbessern. Dazu gehören einerseits eine Ausweitung der Zeiten, in denen Schwertransporte nun in sechs Nächten pro Woche fahren dürfen. Außerdem sollte das Personal aufgestockt werden, das für die Begleitung der Transporte zuständig ist.

Riekers erklärt: „In der Vergangenheit konnte es vorkommen, dass Schwer- und Sondertransporte stehen bleiben mussten, wenn die Polizeibeamten anderweitig im Einsatz waren. Nach der grundsätzlichen gesetzlichen Weichenstellung durch den Bund ist es uns in Bremen gemeinsam mit allen Beteiligten gelungen, schnell ein Projekt zu entwickeln, bei dem die obligatorische Begleitung durch ein privates Sicherheitsunternehmen übernommen werden kann.” Andere Bundesländer machen bereits gute Erfahrungen mit dieser Lösung, die auch die Kapazitäten der Polizei schont.

Hafenarbeiter befestigen Ladung am Kran
Professionelles Verladen im Neustädter Hafen © BLG Logistics

Enercon wickelt den Umschlag über Bremen ab

Seit einigen Monaten hat der Umschlag von Komponenten für die Windenergie via Bremen zugenommen: Die Firma Enerconder größte deutsche Hersteller von Windenergieanlagen, wickelt die Verladung von Komponenten für verschiedene Windparks bis Süddeutschland nun auch über den Neustädter Hafen ab. Die Teile für die Türme der Windenergieanlagen werden in Portugal hergestellt und zunächst nach Deutschland verschifft. Vom Hafen werden sie weiter auf Straßen bis zur Baustelle transportiert. „Die neuen Maßnahmen, die den Umschlag und den Transport vereinfachen, waren für Enercon wesentlich. Ohne sie hätte das Unternehmen die Verladung zwangsläufig auf unterschiedliche norddeutsche Häfen verteilen müssen.“

Jeder der 147 Meter hohen Türme der Windenergieanlagen besteht aus jeweils 46 Betonhalbschalen. Eine einzelne Komponente wiegt dabei bis zu 51 Tonnen – und für jedes Teil wird ein einzelner Schwertransport nötig.

„Insgesamt sind es 4.500 Teile, die wir für Enercon verladen. Wir haben spezielle Anlagen, die den besonderen Sicherheitsvorschriften entsprechen. Die Bauteile liegen in der Regel wenige Tage bei uns, bevor sie weiter zur Baustelle transportiert werden. Derzeit sind es etwa 70 Transporte pro Nacht.“ Die zwei Hafenmobilkräne im Neustädter Hafen können Stückgut bis zu einem Gewicht von 200 Tonnen pro Stück bewegen, das Beladen eines Schwertransports dauert etwa zwanzig Minuten.

Bremer Neustädter Hafen aus Vogelperspektive
Der Bremer Neustädter Hafen © BLG Logistics

Bremen verfügt über den südlichsten Seehafen Deutschlands

Bei Schwertransporten ist die geografische Lage des Hafens von entscheidender Bedeutung, denn Aufwand und Kosten für den Transport auf der Straße sind wesentlich höher als auf dem Wasser: Strecken sind nur beschränkt verfügbar, zu den hohen Kraftstoffkosten kommen polizeiliche Sicherungsmaßnahmen und eventuelle bauliche Änderungen auf der Strecke. Sollen Transporte weiter in den Süden gehen, kann es daher für den Spediteur von Interesse sein, dass Bremen der am weitesten südlich gelegene Seehafen Deutschlands ist: Transportkosten mit dem Lkw reduzieren sich deutlich.

Sven Riekers betont: „Die Bauteile sind nicht für Offshore-Windparks gedacht, dafür sind wir zu weit von der Küste entfernt, aber für Onshore bietet der Neustädter Hafen ideale Bedingungen.“


Weitere Informationen zum Thema gibt es bei Dieter Voß, T +49 (0) 421 9600-328, dieter.voss@wfb-bremen.de oder Jörg Kautzner, T +49 (0) 421 9600-324, joerg.kautzner@wfb-bremen.de

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