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„Lokale Medien sind ein idealer Kommunikationskanal für Unternehmen“

Günther Hörbst
Günther Hörbst, neuer Geschäftsführer von VIA BREMEN © WFB | Jörg Kautzner

Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten lebt der gebürtige Innsbrucker Günther Hörbst in Norddeutschland. Der Öffentlichkeit ist er bekannt durch seine journalistische Tätigkeit, unter anderem beim Bremer Weser-Kurier. Im Gespräch erläutert Hörbst, seit Anfang April 2016 Geschäftsführer der BHV und nun auch von VIA BREMEN, wie er Bremen erlebt und wo er seine neuen Aufgaben sieht.

Herr Hörbst, wie verschlägt es einen in Innsbruck geborenen Tiroler überhaupt nach Bremen?

Der Anlass, aus dem ich vor mittlerweile zwei Jahrzehnten nach Bremen kam, war privat. Unmittelbar nach dem Studium kam ich in die Hansestadt – und lebe seither in Norddeutschland. Es gab für mich zwischenzeitlich verschiedene berufliche Stationen beispielsweise in Hamburg und Berlin, was auch viel anstrengendes Pendeln mit sich brachte. Deshalb freue ich mich, dass ich in meiner neuen Position bei VIA BREMEN nun in Bremen lebe und arbeite – am selben Ort wie meine Familie. Als passionierter Mountainbike-Freund genieße ich es sehr, ab und zu auch mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren zu können.

Was haben Sie in diesen 20 Jahren über Bremen erfahren und wie sehen Sie die Stadt als Wirtschaftsstandort?

Der Kern der Bremer Wirtschaft ist natürlich der Hafen – kaum ein Standort ist in diesem Bereich vergleichbar breit aufgestellt. Bremen und Bremerhaven bieten als Universalhäfen alles, was die maritime Wirtschaft und Logistik ausmacht. Vom Containerumschlag über Break Bulk, High and Heavy bis zum Auto-Umschlag. Sogar die traditionelle Belieferung von Mühlen, Brauerei und Kellogg´s per Schiff gibt es in den Bremer Häfen noch – das ist eine unglaubliche Vielfalt an Dienstleistungen. Wir müssen es schaffen, diese Vielzahl an besonderen Dienstleistungen für Interessierte außerhalb Bremens und Bremerhavens als Leistungsmerkmale wahrnehmbarer zu machen.

Daneben ist Bremen ein exzellenter Standort für die Wissenschaft mit herausragenden wissenschaftlichen Einrichtungen. Gerade auch die Zukunft der Logistik wird hier wissenschaftlich aufgezeigt. Ferner haben wir im Bereich der Digitalisierung mit dem Bremer Standort des Deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen eine Einrichtung, die an Robotik und autonomen Systemen forscht und sind damit für das Thema Industrie 4.0 kompetent vertreten.

Für mich ist Bremen sehr lebenswert – und die Bremer dürfen ruhig eine überzeugtere Gundhaltung zu ihrer Stadt vertreten. Ich erlebe sie oftmals als sehr leise, dabei gibt es viele Erfolgsgeschichten in Bremen, über die man deutlich hörbar reden könnte.

Günther Hörbst, Portrait
Kennt den Standort und die Themen von Logistik und maritimer Wirtschaft: VIA BREMEN-Geschäftsführer Günther Hörbst © WFB | Jörg Kautzner

Sie haben für große Tageszeitungen in Hamburg, Bremen und Berlin gearbeitet. Was hat Sie nun an VIA BREMEN gereizt?

Tatsächlich habe ich schon während meines Studiums in Innsbruck journalistisch als Gerichtsreporter gearbeitet. Meine Studienfächer waren damals Politikwissenschaft, Geschichte und Medien. In der Studentenvertretung der Universität war ich außerdem Medienbeauftragter und damit auch für die Uni-Zeitung zuständig. Meine anschließende journalistische Arbeit – vor allem als Ressortleiter beim Weser-Kurier und als Chefredakteur der DVZ – hat mir ein umfassendes Wissen über die hiesige Unternehmenslandschaft  sowie die Logistik- und Hafenwirtschaft gebracht. Dabei habe ich auch eine breite Erfahrung in der Kommunikation zwischen verschiedenen Stakeholdern gesammelt.

Als ich von Mitgliedern des Kuratoriums von VIA BREMEN angesprochen wurde, überzeugte mich, dass das neue Aufgabenfeld sehr gut zu meinen bisherigen Erfahrungen und Qualifikationen passte: Zum einen kenne ich den Standort, die Strukturen und vor allem die mittelständische Wirtschaft hier gut.

Zum anderen weiß ich durch meine Arbeit als Chefredakteur bei der DVZ sehr genau, was die Logistikbranche an Themen bietet. Als gelernter Journalist und mit der Erfahrung von 20 Jahren weiß ich, wie man durch Lokalkenntnis und die Vertrautheit mit logistischen Themen und Geschäftsmodellen erkennt, welche Geschichten sich daraus ergeben und wie sie sich für das Standortmarketing einsetzen lassen.

Der Containerhafen in Bremen
Der Hafen- und Logistikstandort des Landes Bremen bietet viel Potenzial © WFB/Frank Pusch

Was erwarten Sie von Ihrem neuen Wirkungskreis bei VIA BREMEN?

VIA BREMEN ist die unternehmensneutrale Koordinierungs-, Informations- und Kommunikationsplattform für den Logistik- und Hafenstandort Bremen/Bremerhaven. Sie soll als Plattform fungieren, auf der vor allem die Interessen der mittelständischen Unternehmen gebündelt und darüber der Standort gestärkt werden soll – auch, indem wir mehr über Bremer Erfolge reden. Der Standortwettbewerb hat eindeutig stark zugenommen und bei VIA BREMEN arbeiten wir auch daran, die Einzigartigkeit von Bremen – das was man heute „USP“ nennt – herauszustellen. Doch andere Standorte sind beim Marketing wesentlich aktiver. VIA BREMEN will hier eine Plattform sein, um Bremer Projekte bekannter zu machen. Wir wollen unsere Kräfte bündeln, um Bremen in den Fokus zu bringen, damit Menschen auch aus wirtschaftlichen Gründen hierher kommen.

Bremens Kompetenz im Bereich der Projektlogistik beispielsweise ist vielleicht einzigartig in Europa.

VIA BREMEN kann über die Partikularinteressen von Verbänden und Interessengruppen hinaus hinaus die bremische Wirtschaft übergeordnet vertreten. Das ist speziell für kleinere Unternehmen interessant.

Was planen Sie konkret?

Um die angesprochene Erhöhung der Wahrnehmung von Bremen nach außen zu erreichen, möchte ich weiter an einer stärkeren internen Vernetzung arbeiten, damit diese dann nach außen wirken kann. Dafür kann VIA BREMEN die verschiedenen Interessen und Themen zusammenbringen.

Wir fragen unsere Mitglieder auch direkt, welche Themen sie bewegen. Wir führen Gespräche und fragen, welchen Gegenwert Unternehmen von uns erwarten. Wir vertreten speziell den Mittelstand in der Logistik – dort sind die Margen bekanntermaßen sehr gering, und Unternehmen wollen ihr Geld sinnvoll einsetzen. Der Gegenwert für sie kann darin bestehen, eine Plattform zur Vernetzung zu bieten und Menschen zusammenzubringen.

Mir ist es wichtig, dass man nicht nur redet, sondern auch etwas tut und wahrnehmbare Dinge schafft.

Günther Hörbst, VIA BREMEN

Der Beginn meiner Arbeit bei der BHV fiel mit dem Container-Jubiläum zusammen – ein sehr spannendes Thema. Wir wollten dieses Ereignis auch in der Stadt sichtbar machen und haben im Mai eine kleine Container-Show vor dem Rathaus aufgebaut. Durch diese Aktion sind wir mit vielen Personen ins Gespräch gekommen, und so sind zahlreiche Touristen mit dem Wissen nach Hause gefahren, dass ein Anfang der Containerlogistik in Bremen lag.

Wieso sind solche Aktionen wichtig?

Wir müssen unsere Themen sichtbarer machen, Kommunikation hat heute einen hohen Stellenwert. Für Mittelständler hat sich durch die Digitalisierung viel verändert: Unternehmer fragen, wie sie ihre Kommunikation verbessern können. Kommunikation ist der Schlüssel, denn sie führt zu Vernetzung und ermöglicht, zwischen Stakeholdern zu vermitteln – das war mir schon immer sehr wichtig. Durch mein Netzwerk habe ich viele Kontakte zu Unternehmern und in die Politik, und der Einstieg fällt leicht.

In Bremen erreicht man viel, wenn man eine Verlässlichkeits- und Vertrauenbasis als Grundlage der eigenen Arbeit hat.

Günther Hörbst
„Wir müssen lauter über Bremer Erfolge reden“, meint Günther Hörbst. © WFB | Jörg Kautzner

In Bremen lässt es sich gut leben – fehlt Ihnen nicht trotzdem manchmal Ihre Heimat Tirol?

Ich versuche, jedes Jahr zweimal nach Österreich zu fahren, im Winter zum Skifahren und im Sommer zum Wandern und Mountainbiken. Ich träume davon, einmal die ganze Strecke von Nord nach Süd mit dem Fahrrad zurückzulegen. Das ist eine schöne sportliche Herausforderung und gleichzeitig eine Möglichkeit, um Land und Leute dabei ganz anders zu erleben. Es eröffnen sich auch neue Sichtweisen – das reizt mich, und darauf bin ich immer gespannt.

Herr Hörbst, vielen Dank für das Gespräch!


Mehr zum Thema erfahren Sie bei Günther Hörbst, VIA BREMEN Foundation, Martinistraße 50, 28195 Bremen, T +49 421 53 50 97 0, guenther.hoerbst@via-bremen.de

Mehr zu Hafen und Logistik in Bremen und Bremerhaven erfahren Sie hier oder bei Jörg Kautzner, Clustermanager Automotive und Logistik, T +49 (0) 421 9600-324, joerg.kautzner@wfb-bremen.de

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