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Innovative Geschäftsideen beleben im Bremer citylab die Innenstadt

Karin Take und Thorsten Tendahl von der WFB.
Karin Take und Thorsten Tendahl kümmern sich bei der WFB um die Umsetzung des Zwischennutzungskonzeptes für das citylab. © Andrea Bischoff

Wenn Ladenflächen vorübergehend nicht genutzt werden, wird vielerorts über eine Zwischennutzung nachgedacht. Das citylab in der Bremer Innenstadt folgt einem besonderen Konzept, das von Besuchern gut angenommen wird: in temporären Pop-up-Stores könnnen innovative Geschäftsideen ausgetestet werden.

Strategisches Konzept für Zwischennutzung

2013 hatte die Stadt Bremen den ehemaligen Lloydhof gekauft, um eine größere Einzelhandelsentwicklung zu initiieren. Als Mitte 2015 jedoch die Gespräche mit dem Investor scheiterten, der das Gebäude am Ansgarikirchhof und das nahegelegene Parkhaus am Brill neu entwickeln wollte, wurde ein Konzept zur Zwischennutzung entwickelt. Neben der Bremer CityInitiative und Vertretern des Wirtschaftsressorts waren Karin Take als Projektleiterin bei der WFB und Thorsten Tendahl, Teamleiter für den Unternehmensservice und die nationale Ansiedlung, für die Wirtschaftsförderung Bremen dabei. Das Gebäude, das nun den Namen „citylab“ trägt und damit den Versuchscharakter des Projekts treffend zum Ausdruck bringt, beherbergt neben Verkaufsflächen auch 10.000 Quadratmeter Bürofläche und etliche Mietwohnungen. „Die Passage punktet mit ihrem Standort in bester Citylage, gut geschnittenen Ladenflächen und einer hohen Aufenthaltsqualität“, erklärt Thorsten Tendahl.


Mann vor Plaketen der Firma „freigeist“.
Freigeist: Anti-Kater-Drinks im Bremer citylab. © WFB/Frank Pusch

Erwartungen der Besucher werden einbezogen

Take und Tendahl glauben fest an den Standort. „Wir wollten eine strategische Zielsetzung auch bei einer vorübergehenden Nutzung der Immobilie“, erläutert Thorsten Tendahl. „Es war uns wichtig, den Besuchern der Innenstadt neue, innovative Einzelhandels- und Gastronomieangebote anzubieten. Die Ladenlokale sollten auf jeden Fall zu den üblichen Geschäftszeiten geöffnet sein und der Inhaber vor Ort erreichbar sein.“ Die Ladenflächen lediglich als Ausstellungsfläche zur Verfügung zu stellen, kam deshalb nicht in Frage. „Im ehemaligen Lloydhof wollten wir auf jeden Fall einen Handelsschwerpunkt setzen“, betont Take.

Geschäftsideen können ausgetestet werden

Schnell entstand die Idee, Existenzgründenden eine Möglichkeit zu bieten, ihr Geschäftskonzept einmal unter echten Marktbedingungen zu testen. Mieter haben im citylab die Möglichkeit, zu günstigen Konditionen vorübergehend eine Ladenfläche zu nutzen. So können in diesen Pop-up-Stores Ideen umgesetzt werden, die es sonst schwerer hätten, und die vielleicht nie in die Erprobungsphase kämen.

Der Name war schnell gefunden und ist Programm: citylab – Stadtlabor. Für Mieter ist es sozusagen eine Teststrecke, die die Wirtschaftsförderung ihnen zur Verfügung stellt.

Bremer Pop-up-Store in Groningen

Pop-up-Stores sind ein Trend, um schnell neue Ideen für eine begrenzte Zeit umzusetzen. Auch in anderen Städten wird mit ähnlichen Konzepten experimentiert: Die Stadt Bremen probierte ein Pop-up-Konzept vor Kurzem auch selbst aus: mit der Ambassade, einer Botschaft auf Zeit, waren Bremen und Oldenburg im holländischen Groningen vertreten.

Die "Ambassade Bremen & Oldenburg" in Groningen.
Die "Ambassade Bremen & Oldenburg" in der Innenstadt von Groningen. © Douwe de Boer

Für das citylab wurden Zielgruppen definiert

„Für das citylab haben wir verschiedene Zielgruppen vor Augen: einerseits Menschen, die eine innovative Geschäftsidee haben. Zum anderen Unternehmer aus den Stadtteilen, die sich mit ihrem Geschäft zusätzlich in die Innenstadt trauen und zum dritten etablierte Firmen, die eine Idee haben, die sich im Rahmen ihres bisherigen Geschäftes aus räumlichen oder anderen Gründen nicht umsetzen lässt – sozusagen eine Spielwiese für neue Ideen", so Tendahl.

Der Charakter der Mall wurde modernisiert, Farbe, Bestuhlung und Pflanzen geben ein neues Erscheinungsbild. „Gerade die Mischung aus Einzelhandel und Gastronomie mit verbesserter Aufenthaltsqualität trägt dazu bei, dass Besucher sich wohlfühlen“, sagt Karin Take.

Einige etablierte Altmieter führen ihr Geschäft weiterhin im citylab, Kunden müssen damit nicht auf das Angebot verzichten, das sie zum Teil seit Jahren schätzen. Eine Mieterin ist seit 17 Jahren mit ihrem Geschäft dort ansässig – und freut sich über die Neubelebung der Passage.

Drei Mitarbeiter von Calafant, zwei tragen Masken.
Calafant kreative Spielwelten aus Karton. © WFB/Frank Pusch

Bremer Produkte finden eine gemeinsame Vermarktungsfläche

Manche Ideen finden im citylab endlich ihre Umsetzung. Karin Take erläutert: „Es gibt in Bremen viele kleine, feine Manufakturen, die tolle Produkte herstellen. Wir hatten schon länger angeregt, über einen gemeinsamen Standort zur Vermarktung nachzudenken. Als eine Interessentin für das citylab dann handgefertigte Produkte aus deutschen Manufakturen anbieten wollte, war für uns klar: Das ist der Ort, um auch Bremer Manufakturprodukte zu präsentieren.“

Das Angebot ist in Bremen einzigartig

„Es ist uns wichtig, dass im citylab Dinge angeboten werden, die es so anderswo in Bremen nicht gibt“,

betont Tendahl. „Immer wieder hört man die Klage, dass das Angebot der Innenstädte mittlerweile zu ähnlich ist, und Einzelhandelsketten den Markt beherrschen. Das ist im citylab deutlich anders.“

Take und Tendahl gingen proaktiv auf mögliche Interessenten zu und hatten schnell eine umfangreiche Liste möglicher Mieter. So entstand eine Mischung mit vielen bunten Geschäften im citylab. In Kürze wird ein weiterer Gastronom hinzu kommen, der eine Tapas- und Weinbar betreiben wird. Die Verträge sind so gestaltet, dass Mieter ihre Geschäftsidee erst einmal ohne allzu großes finanzielles Risiko austesten können. Die Mietverträge laufen bis Ende 2017. Wenn das Geschäft aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht läuft, können Mieter ihren Vertrag auch kurzfristig kündigen.

Drei Mitarbeiter von Wedderbruuk im citylab.
Wedderbruuk: Second-Hand-Laden im Bremer citylab. © WFB/Frank Pusch

Unternehmer sammeln Erfahrungen

Unternehmer können auf diese Weise wertvolle Erfahrungen sammeln und Kosten und Umsatz realistischer einschätzen, so dass der nächste Schritt zum eigenen Geschäft genauer planbar wird. Tendahl hebt hervor: „Der Mieter kann anhand seiner Zahlen dann entscheiden, ob und wo er längerfristig eröffnen will. Dabei begleitet die WFB ihn dann natürlich gerne weiterhin.“ Auch bei der Umgestaltung der Einkaufspassage war die WFB mit Mitarbeitern vor Ort. “Wir haben ein Logo für das citylab entwickelt, das beispielsweise an den Eingängen der Mall angebracht wurde. Die WFB sorgte für eine Grundausstattung der Passage und hat ein kleines Werbebudget für die Internet- und Facebookseite sowie einige Marketingmaßnahmen. Die Gestaltung ihrer Ladenlokale übernahmen die Mieter – großenteils in Eigenarbeit. Es sind sehr schöne und individuelle Läden entstanden, es macht wirklich Spaß, da durch zu bummeln und das Besondere zu entdecken“, findet Tendahl.

Multifunktionsfläche für besondere Aktionen

Neben den Geschäften gibt es hier eine 500 Quadratmeter große Multifunktionsfläche, die von der CityInitiative betreut wird, für besondere Veranstaltungen zur Verfügung steht und daher zurzeit nicht fest vermietet wird.

citylab wird von Besuchern gut angenommen

Das Konzept des citylabs wird von Besuchern augenscheinlich gut angenommen, die Händler freuen sich über den Zuspruch. Doch auch die umliegenden Geschäfte spüren die Belebung. Es bilden sich auch neue Allianzen: vielleicht lässt sich schließlich etwas voneinander lernen. Die Strategie geht auf.


Weitere Information zum citylab gibt es bei bei Thorsten Tendahl, T +49 (0) 421 9600-121, thorsten.tendahl@wfb-bremen.de oder Karin Take T +49 (0) 421 9600-221, karin.take@wfb-bremen.de.


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