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40 Teilnehmer, 18 Ideen, 7 Start-up-Teams, 150 Liter Kaffee und jede Menge Energie – das war das "Startup Weekend Bremen". 

Die Wohnungssuche in Großstädten durch Virtual Reality revolutionieren. Per App Menschen einen nachhaltigen Lebensstil antrainieren. Der Wegwerfgesellschafft durch Foodsharing-Konzepte begegnen. Handwerksbetrieben ein professionelles Personalmanagement anbieten. Verabredungen von Menschen mit gleichen Freizeitinteressen per App organisieren. Viele spannende Ideen, die vom 20. bis 22. Mai im Bremer Innovations- und Technologiezentrum BITZ überprüft, verworfen, verändert, angepasst wurden.

Die Start-up-Szene in Bremen wächst. Nicht zuletzt zeigt sich dies in neuen Event-Formaten, die den Standort bereichern und Ausdruck einer dynamischen Szene sind. Eines davon ist das "Startup Weekend Bremen". Bremer Wirtschaftsförderung, Bremer Aufbau-Bank, Kraftwerk City Accelerator Bremen und die Nehlsen AG haben das "Startup Weekend Bremen“ unterstützt, damit Bremen als Standort im bundesweiten Vergleich weiter aufholt.

Die Organisatoren des "Startup Weekend Bremen".
Die Organisatoren des "Startup Weekend Bremen" (v.l.n.r.): Jonas Fromme, Nienke Klöffer, Jan Wessels und Luis Humpert. © The Art of Journey / Luis Humpert

Von der Idee zum Startup

Es ist Freitag, 18 Uhr. In 54 Stunden zum Start-up – das ist das Ziel eines "Startup Weekends". Das heißt: keine langwierigen Vorträge, es gilt das Motto „No Talk, All Action!“. 40 Designer, Entwickler, Marketingexperten und andere Start-up-Enthusiasten – Studenten und Berufserfahrene – haben sich im BITZ eingefunden. Marco Langhoff, Gründer der eatclever UG, einem Food Delivery Startup aus Hamburg, berichtet kurz, wie er und sein Team sich 2012 auf dem "Startup Weekend Lüneburg" gefunden haben und inzwischen in 13 deutschen Städten vertreten sind. Und dann geht es schon los: Unter den Teilnehmern sind 18 Menschen, die eine noch formbare Idee mit sich herumtragen. 60 Sekunden haben sie Zeit, um ihre Idee zu pitchen und die anderen Teilnehmer für sich zu begeistern. Schlussendlich bilden sich sieben Teams, die über das Wochenende die beliebtesten Ideen bis zur Konzeptreife weiter ausarbeiten.

Hilfestellung von erfahrenen Coaches

Die wenigsten Teilnehmer haben bereits Erfahrung mit dem so genannten Lean Startup Prozess und der Entwicklung von Geschäftsmodellen gemacht. Schon vor dem eigentlichen "Startup Weekend" hat das Orga-Team um Jonas Fromme, Nienke Kloeffer, Luis Humpert und mich daher mehrere pre-Event-Workshops angeboten, um die Teilnehmer vorzubereiten. 

Wir wollten mit dem Startup Weekend Menschen mit Ideen helfen, in kürzester Zeit von Komfortzone zur Action zu gelangen, ein Team zu finden und dabei ein wichtiges Signal zu erhalten, ob andere Menschen und Experten ihre Idee für umsetzbar halten. 

Auf dem "Startup Weekend" wurden die Teams dann durch diverse Workshop-Angebote und von über einem Dutzend erfahrener Gründer und Coaches bei der Ausarbeitung der Idee unterstützt.

Von Handwerksmenschen, Foodsharing, einer Freizeit-App und nachhaltigerem Lebensstil

Sonntag, 17 Uhr. Die Teams stehen unter Strom, sie haben wenig geschlafen und fast rund um die Uhr an Geschäftsmodellen, Programmen und Produkten gefeilt, zwischendurch alles über den Haufen geworfen – und müssen nun vor öffentlichen Gästen und der Experten-Jury ihre Konzepte pitchen.

Die Jury kürt vier Teams zu Gewinnern in verschiedenen Kategorien. Die Sonderpreise für das beste soziale und gleichzeitig für das beste grüne Konzept gewinnt das Team EAGLES – eine App, um in 21 Tagen Menschen per Spielmechanismen mit einem nachhaltigeren Lebensstil vertraut zu machen. Für das beste Design wird das Team von foodnextdoor ausgezeichnet. Der Wegwerf-Gesellschaft zu begegnen treibt dieses Team an – wie kann zu viel zubereitetes Essen in der Nachbarschaft verwertet werden? Bester Pitch, hier gewinnt das Team von localise. Sie stellen eine App vor, die Menschen helfen soll, sich spontan mit Gleichgesinnten für Freizeitaktivitäten zu verabreden. Schlussendlich kürt die Jury das Team von Handwerksmensch zum besten Start-up des "Startup Weekend Bremen 2016"! Kern des Vorhabens ist eine Personalagentur zur Entwicklung und Bindung von (zukünftigen) Mitarbeitern für Handwerksbetriebe, mit modernen Methoden und skalierbarem System.

Weitere Impulse für das Startup Ecosystem Bremen in Planung

Ich und meine Mitstreiter vom "Startup Weekend Bremen" wollen es nicht bei einem einmaligen Event belassen.Von vielen Teilnehmern wurde der Wunsch nach regelmäßigen Meet-ups geäußert, um eine informelle Plattform für neue Ideen und Workshops zu bilden. Das ist ein wunderbares Feedback, dass wir gerne aufnehmen wollen. Das zeigt, dass Bremen als dynamisches Startup Ecosystem noch weiter wachsen kann.

 

Die Start-up-Teams bei der Arbeit.
Die Start-up-Teams erhalten wertvolles Feedback von erfahrenen Gründern und Coaches. © Jan Wessels


Um die Bremer Start-up-Szene sichtbar zu machen, arbeite ich zudem mit www.bremen-startups.de am Aufbau einer Bremer Start-up-Online-Plattform. Eventkalender, Newsletter, Startup Monitor & Interviews, Jobs@Startups, ein Ecosystem-Lotse, Resources & Tools – das sind einige der nächsten Ausbauschritte. 

Wenn jemand bspw. aus Frankfurt "Start-ups" und "Bremen" googled, dann soll auf einen Blick sichtbar sein, dass es eine Szene gibt und wo sie sich trifft.

Auch an der Universität Bremen mache ich mir Gedanken über das Start-up-Ecosystem. Mit dem Team des Lehrstuhls für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship von Prof. Dr. Jörg Freiling arbeite ich an einem Konzept, um die universitäre Gründerlehre für Studenten aller Fachbereiche zugänglich zu machen. Denn universitäre Entrepreneurship Education ist ein wesentlicher Hebel, um Studenten mit unternehmerischen Denken und Handeln sowie konkretem Rüstzeug zur Umsetzung auszustatten. Multidisziplinäre Teams sind schlagkräftig und bringen spannende Ideen hervor – das hat uns das "Startup Weekend" wieder bestätigt.

Bremen – ein weißer Fleck auf der nationalen Start-up-Landkarte?

Die Start-up-Szene in Bremen zeigt sich also – aber wird sie auch national wahrgenommen? In der letzten Erhebung des Deutschen Startup Monitors (DSM) wurde der Bremen als weißer Fleck in der nationalen Landkarte identifiziert – nur eine Handvoll Start-ups wurde registriert. Andere Standorte mit vergleichbarer Größenordnung zu Bremen haben offenbar eine sichtbarere und sehr aktive Szene. Zusammengefasst als Start-up-Region bringen sie laut dem DSM acht Prozent der deutschen Start-ups hervor (Bremen: 0,3 Prozent).

Ist Bremen wirklich eine Start-up-Wüste, die der DSM suggeriert? In der zehntgrößten Stadt Deutschlands, die eine sehr große und agile Kreativszene aufweist? Die Heimat florierender IT-Unternehmen ist? Die zu den Top-10-Industriestandorten in Deutschland zählt? Die über eine exzellente Hochschullandschaft verfügt? In der mit BEGIN24 ein breit gefächertes Netzwerk von Akteuren mit vielfältigen Beratungs- und Förderangeboten für Gründer und Gründungsinteressierte seit langem etabliert ist?

Vielleicht reicht das Netzwerk der DSM-Erheber auch einfach nicht bis nach Bremen hinein – wer die Bremer Szene kennt, kann locker mehr als eine Handvoll Start-ups aufzählen. In Bremen bilden sich immer mehr Co-Working-Spaces. Im Bereich Luft- und Raumfahrt haben es die Initiatoren vom "Disrupt Space Summit" geschafft, Bremen als international bekannten Standort für Space Start-ups zu etablieren. Zu den „Bremen Startups – geschüttelt, nicht gerührt“-Events von André Wollin kommen inzwischen über 200 Interessierte. Kraftwerk City Accelerator Bremen und team neusta fördern und finanzieren Start-ups systematisch. Es bewegt sich etwas in der Bremer Gründerszene, und das ist gut so.


Weitere Informationen zur Startup-Szene in Bremen gibt es unter www.bremen-startups.de und bei Jan Wessels, Tel.: 0179 1183 856, ahoi@bremen-startups.de und bei Kai Stührenberg, WFB, 0421-9600-325, kai.stuehrenberg@wfb-bremen.de.


Weitere Artikel zum Startup Weekend Bremen gibt es bei Spiegel Online und auf Bremen Startups.

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