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15.9.2021 - Jann Raveling

Die 8 Bremer Häfen im Porträt

Maritime Wirtschaft und Logistik

Industrie, Jobs und Schifffahrt in den Häfen der Hansestadt 2021

Ob Containerschiff, Kohle oder Maschinenanlagen: Bremer Häfen haben für jeden Bedarf etwas zu bieten
Ob Containerschiff, Kohle oder Maschinenanlagen: Bremer Häfen haben für jeden Bedarf etwas zu bieten © BLG

Die Bremer Häfen sind Industriemotor für die Region, schaffen Tausende Jobs durch die Abfertigung von Schiffen, dem Transport und Umschlag von Waren oder Reparatur-, Logistik- und Servicediensten.

Das Bundesland verfügt nicht nur über einen einzigen Hafen – insgesamt gibt es acht Häfen. Diese liegen sowohl in Bremerhaven als auch in der Stadt Bremen selbst. Jeder Hafen ist hochspezialisiert, hat seine eigene Geschichte und seine Besonderheiten.

Insgesamt beschäftigt die Hafen- und Logistikwirtschaft bis zu 40.000 Menschen, im weiteren Sinne ist sogar jeder dritte Arbeitsplatz in Bremen von dem Transport- und Umschlagwesen abhängig. Sie alle sorgen für einen Warenumschlag von 66,5 Millionen Tonnen im Jahr, die sich auf folgende acht Häfen verteilen:

Die acht Bremer Häfen in der Übersicht
Die acht Bremer Häfen in der Übersicht © WFB/Raveling

Die acht Häfen in Bremen:

1. Container-Terminal Bremerhaven

Die flächenmäßig größte Hafenanlage des Bundeslands ist dem Containergeschäft gewidmet. Als viertgrößter Containerhafen Nordeuropas werden jährlich 4,8 Millionen TEU (Container-Einheiten) umgeschlagen (2020). Hier legen regelmäßig die größten Schiffe an, die auf den Weltmeeren unterwegs sind. Der Bau des Terminals startete 1968, zwei Jahre nachdem erstmals ein Containerschiff in Europa angelegt hatte, damals noch im Europahafen in Bremen. Früh wurde klar: Nur ein Containerhafen mit seeschifftiefen Wasser hatte eine Chance, global mitzuspielen. Bis heute ist daraus eine gigantische Anlage geworden, die etwa mit einer fünf Kilometer langen Kaje aufwartet, der längsten der Welt. Die Eröffnung folgte im September 1971 - womit die Kaje 2021 ihr 50-jähriges Jubiläum feiert.

2. Auto-Terminal Bremerhaven

Gleich neben dem Container-Terminal liegt ein weiterer Hafen der Superlative: Der größte Parkplatz Europas, das Auto-Terminal Bremerhaven. 95.000 Pkw können hier zwischengeparkt werden, bevor sie als Exportware den Weg in die Welt antreten oder als Import auf den deutschen Markt gelangen. 2020 schlug der internationale aufgestellte Logistikdienstleister BLG LOGISTICS hier 1,7 Millionen Fahrzeuge im Jahr um. 

3. Fischereihafen Bremerhaven

Bremerhaven wird manchmal auch die Tiefkühltruhe Europas genannt. Mit Frosta, Nordsee, Frozen Fish und der Deutsche See sitzen hier einige der größten Produzenten für Tiefkühlware – alleine 2,7 Milliarden Fischstäbchen produzieren sie im Jahr! Das Areal rund um diese Produzenten wird auch der Fischereihafen genannt. Hier findet Nahrungsmittelumschlag im großen Stil statt. Zudem gibt es hier große Flächen, die von Windkraftunternehmen genutzt werden können, um Rotoren, Türme und Motorgondeln auf die Errichterschiffe zu laden.

4. Kreuzfahrt-Terminal

Bis zur Corona-Pandemie boomte der Kreuzfahrttourismus, nicht nur international, auch in Bremen. Reiseschiffe auf Nordseerouten machten immer häufiger halt in Bremerhaven. Das Kreuzfahrt-Terminal nimmt sie auf, um Tagestouristen den Ausflug ins Umland zu ermöglichen oder Reisende an Bord zu lassen. 2019 kamen 115 Schiffe mit 247.000 Passagieren an. Die Pandemie hat dieses Geschäft 2020 fast vollständig zum Erliegen gebracht, mit 2.500 Passagieren brach der Verkehr um 90 Prozent ein - mit einer Belebung des Geschäfts wird erst allmählich wieder gerechnet.

Der Neustädter Hafen profitiert auch durch die Nähe zum Güterverkehrszentrum Bremen
Der Neustädter Hafen profitiert auch durch die Nähe zum Güterverkehrszentrum Bremen © WFB/Studio B

5. Industriehafen Bremen

Der erste der vier stadtbremischen Häfen liegt im Norden der Hansestadt und ist für rund die Hälfte des stadtbremischen Seegüterumschlags von bis zu 12 Millionen Tonnen verantwortlich. Schiffe, welche die 250 Meter lange Oslebshauser Schleuse passiert haben, laden und entladen hier Stahl und Stahlerzeugnisse, Holz, Projektladung, Fahrzeug- und Anlagenteile ebenso wie Massengüter, also Bau- und Abfallstoffe oder Schmieröle. Auch die Kohle für das Bremer Stahlwerk von ArcelorMittal wird hier entladen. Rund um die Hafenbecken haben sich viele Industriebetriebe angesiedelt, welche die umgeschlagenen Waren gleich weiterverarbeiten oder versenden.

6. Holz- und Fabrikenhafen

Unterhalb des Industriehafens erstreckt sich der Holz- und Fabrikenhafen in der Bremer Überseestadt, in dem viele Rohstoffe für die Lebensmittelindustrie umgeschlagen werden. Dazu zählen Futtermittel, Getreide, Kakao oder Kaffee. Hier hat auch Kaffee HAG seinen Firmensitz, der Erfinder des entkoffeinierten Kaffees oder die Mühle Roland Mehl – die ihre Rohstoffe auch per Schiff in Empfang nimmt. Teil des Hafenbeckens ist auch der Getreidehafen, zu dem die Getreideverkehrsanlage Bremen gehört, ein Baudenkmal mit über 100-jähriger Geschichte, das noch heute aktiv genutzt wird.

7. Neustädter Hafen

Auf der linken Weserseite liegt der Neustädter Hafen, der sich auf das Breakbulkgeschäft spezialisiert hat. Breakbulk nennt man Stückgüter – also alles, was nicht in einen Container passt. Das können Stahlerzeugnisse wie Rohre für Pipelines sein, Forstprodukte oder Maschinen und Maschinenteile. Auch Teile für Windkraftanlagen werden hier verladen oder Papierrollen für die Papierindustrie an Land gebracht. Im kleineren Maße findet im Neustädter Hafen zudem Containerumschlag statt. Die Nähe zum direkt in der Nachbarschaft befindlichen Güterverkehrszentrum Bremen macht die Wege für Speditionen kurz.

8. Weserhafen Hemelingen

Am weitesten landeinwärts liegt der Weserhafen Hemelingen. Ein reiner Binnenhafen, große Seeschiffe kommen hier nicht an, denn diese können nicht die stromabwärts gelegenen Brücken der Bremer Innenstadt sowie die Schleuse des Weserwehrs passieren. Die Hafenanlagen sind mit ihrem Entstehungsjahr 1968 noch relativ jung und haben sich auf den Binnenlandverkehr mit Stahl und Metall, Schrott, Sand und Kies spezialisiert.

Und das waren sie – alle acht Hafenanlagen mit aktivem Seegüterumschlag im Bundesland Bremen! Mehr über die einzelnen Hafenanlagen auch bei bremenports und für die stadtbremischen Häfen speziell bei der Initiative stadtbremische Häfen.

Foto Iris Geber

Iris Geber

Unternehmensservice und Standortentwicklung

Abteilungsleiterin, Prokuristin

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