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5.5.2020 - Jann Raveling

Für das Geschäft gekommen, zum Leben geblieben

Internationales

Export nach Pakistan: Ein Bremer Unternehmen führt Plastikmüll für Recyclingzwecke aus

Karin Noetzel, Bremeninvest und Salman Farooqi, Gründer von MEGA Plastics, in Bremen
Karin Noetzel, Bremeninvest und Salman Farooqi, Gründer von MEGA Plastics, in Bremen © WFB/Raveling

Export von Kunststoffmüll – seit dem chinesischen Importverbot für Plastikreste von 2018 verschieben sich die internationalen Warenströme im Wertstoffgeschäft. Davon profitiert die Bremer MEGA Plastics GmbH, die hochwertigen Plastikmüll aus Bremen nach Pakistan exportiert, wo er weiterverarbeitet wird.

Salman Farooqi ist Unternehmer durch und durch. Der emsige Pakistani führt drei Unternehmen in Karatschi, mit insgesamt 400 Angestellten. Spezialisiert auf die Recyclingindustrie, verarbeiten diese entsorgte Kunststoffe weiter und führen sie dem Verwertungskreislauf wieder zu. In Bremen hat er mit der MEGA Plastics GmbH nun sein viertes Unternehmen gegründet – und gleichzeitig eine neue Heimat gefunden.

Kunststoffabfälle Teil einer weltweiten Wertstoffkette

In Deutschland fallen jährlich mehr als fünf Millionen Tonnen Plastikmüll an. Der Großteil davon wird verbrannt oder im Inland wiederverwertet. Rund 14 Prozent wandern ins Ausland – 710.000 Tonnen im Jahr.

Bis 2018 war das Zielland dieses Plastikmülls vor allem China. Das damalige Importverbot durch die chinesische Regierung sorgte für eine Krise in der weltweiten Recyclingbranche und eine Verschiebung der internationalen Warenströme. Seither sind vor allem südostasiatische Länder Abnehmer des Plastikmülls.

Zu einem geringeren Maße gehört auch Pakistan dazu: In dem Land haben sich allein von 2017 zu 2018 die Importe um 160 Prozent erhöht. Diese Zahl könnte künftig weiter steigen – und Unternehmer wie Salman Farooqi haben daran ihren Anteil. „Pakistan eignet sich als Exportland hervorragend, da die Arbeitskosten sehr niedrig sind“, weiß der Unternehmer.

Lieferkette um die halbe Welt mit Karatschi als Zentrum

Plastikverwertung ist ein durchaus lukratives Geschäft, zwischen 200 und 500 Dollar pro Tonne bringt der recycelte Müll ein. Doch die Aufbereitung des Ausgangsstoffs ist aufwendig – und der Grund dafür, warum Plastikabfälle in Niedriglohnländer exportiert werden. „Die Kosten für die Sortierung und Verwertung sind hoch, denn der Prozess ist sehr arbeitsintensiv. Der Müll muss zunächst manuell sortiert, dann zerkleinert, gewaschen und zu Pellets geformt werden, bevor er als Rohstoff von der Kunststoffindustrie verwendet werden kann“, erzählt Farooqi.

Um die Verwertung des Kunststoffmülls kümmern sich die drei pakistanischen Unternehmen des Gründers. Für den Nachschub sorgt der neueste Zugang: Die bremische MEGA Plastics GmbH. Das junge Unternehmen kauft Kunststoffreste und verschifft sie nach Pakistan – monatlich bis zu zwölf 40-Fuß-Container mit je 20 Tonnen Inhalt. Die kommen zu großen Teilen aus Bremen selbst, aber auch aus weiteren europäischen Ländern. Der hiesige Abfallstoff ist dem Recyclingprofi jedoch am Liebsten: „Der deutsche Müll hat eine hohe Qualität und ist kaum verunreinigt, was die Weiterverarbeitung einfacher macht.“ Nach dem Recycling in Pakistan gelangen die Kunststoffe dann weiter nach China, wo sie als Rohstoff für neue Produkte weiterverwendet werden.

Über mehrere Prozessschritte wird Plastik vom Abfallstoff zum Rohstoff für die Kunststoffindustrie
Über mehrere Prozessschritte wird Plastik vom Abfallstoff zum Rohstoff für die Kunststoffindustrie © MEGA Plastics

Bremerhaven als Basis für den Export

Auf Einladung eines Kunden kam Farooqi 2018 erstmals nach Bremen und lernte schnell die Vorzüge des Standorts kennen. Er fand nicht nur Lieferanten für geeigneten Plastikabfall, auch die logistische Infrastruktur sagt ihm zu: „Der Export von Bremerhaven in den pakistanischen Überseehafen Qasim nahe Karatschi ist günstig und funktioniert hervorragend. Das kommt mir natürlich entgegen“, so Farooqi. Und weiter: „Man kann hier sehr gut sein Geschäft aufbauen. Man benötigt kein Auto, die Menschen sind sehr freundlich und helfen einem weiter.“

Besonders sein erster Besuch in der Hansestadt ist ihm gut in Erinnerung geblieben. Er kam zur Weihnachtszeit und ließ es sich natürlich nicht nehmen, den weltberühmten Bremer Weihnachtsmarkt zu besuchen – und sich spontan in Poffertjes zu verlieben, Minipfannkuchen mit süßer Beilage. „Die Stadt ist sehr ruhig und sauber, das gefiel mir gleich.“

Familie kommt nach Bremen – nach der Coronakrise

So gut, dass der Pakistani seinen Wohnsitz in die Hansestadt verlegt und plant, auch seine Familie nach Deutschland zu holen. Sowohl bei der Erlangung eines Aufenthaltstitels als auch bei den Formalitäten rund um den Start ins eigene Unternehmen, bei Kontakten zur Handelskammer oder zu Steuerberatern half die Wirtschaftsförderung Bremen über ihre Auslandsmarke Bremeninvest weiter.

Nur die Corona-Krise hat ihm vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Die pakistanische Regierung hat die Fabriken hier vor Ort geschlossen und wir sind auf unsere Häuser beschränkt. Aber auch ohne den Lockdown haben wir derzeit Probleme, denn durch das verringerte weltweite Transportaufkommen mangelt es an leeren Schiffscontainern, die wir mit Waren zum Export füllen könnten. Ich hoffe jedoch, dass sich diese Situation in Kürze entspannt und wir wieder wie geplant unsere Geschäfte aufnehmen können.“

Sein deutsches Büro liegt derweil auf dem Grundstück des Kunststoffwerks Bremen GmbH & Co. KG im Gewerbegebiet Bremer Industrie-Park – gleichzeitig einer der Hauptkunden des Unternehmensgründers. Wenn alles wieder nach Plan läuft, möchte Farooqi sein Geschäft konsequent ausbauen und kann sich dafür gut vorstellen, in den kommenden Jahren auch in Deutschland Angestellte zu beschäftigen.


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Foto Karin Noetzel

Karin Noetzel

Akquisition und Projekte

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