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1.11.2019 - Anne Enderle

Tradition trifft auf Innovation

Wirtschaftsstandort
Wirtschaftsstandort Bremen: Das sind die starken Branchen
Infrastruktur, Gewerbeflächenangebot, Arbeitskräftepotenzial - Bremen überzeugt mit starken Standortfaktoren
Infrastruktur, Gewerbeflächenangebot, Arbeitskräftepotenzial - Bremen überzeugt mit starken Standortfaktoren © WFB/Jonas Ginter

Der Wirtschaftsstandort Bremen kann mit einigen Vorteilen überzeugen. Fast 22.000 Unternehmen bieten mehr als 325.000 Arbeitsplätze. Wir stellen die starken Branchen des Wirtschaftsstandorts Bremen vor. Und zeigen, welche Faktoren für Bremen sprechen.

Das kleinste Bundesland Deutschlands überzeugt mit Standortfaktoren wie Infrastruktur, Arbeitskräftepotenzial oder Gewerbeflächenangebot Unternehmen, sich in Bremen zu engagieren. Welche Branchen die wirtschaftlichen Schwergewichte sind und was sie ausmacht, erfahren Sie hier.

#1 Höchste Beschäftigungsdichte im Bereich Luft- und Raumfahrt in Deutschland

Bremen blickt auf eine lange Tradition in der Luftfahrt- und Raumfahrt zurück. Daher verwundert es nicht, dass  die Beschäftigungsdichte der Branche gemessen an den Einwohnern die höchste in Deutschland ist. Mehr als 140 Unternehmen, darunter führende Industrieunternehmen wie die Airbus Group, ArianeGroup, Rheinmetall Defence Electronics und OHB, sind in Bremen zu Hause. Zusammen mit über 20 Forschungsinstituten – darunter das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Faserinstitut Bremen und viele weitere – bietet die Branche 12.000 Beschäftigten einen Arbeitsplatz und erwirtschaftet mehr als vier Milliarden Euro im Jahr. In Bremen werden die Flügelausrüstung der Airbus-Flugzeuge, die Ariane-Oberstufe oder das Satellitennavigationssystem GALILEO produziert.

Eine wichtige Schlüsseltechnologie für die Luftfahrtbranche ist der Leichtbau. Das EcoMaT Center for Eco-efficient Materials & Technologies in direkter Nachbarschaft zum Bremer Flughafen arbeitet an den Technologien von morgen. Auf rund 22.000 Quadratmetern sind Büro-, Technikum und Laborräume für rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entstanden. Der Zusammenschluss aus Wirtschaft und Wissenschaft widmet sich dem Thema Leichtbau in seiner ganzheitlichen Systemrelevanz durch interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Der Verband AVIASPACE BREMEN e.V. vertritt die Branche. Das Netzwerk fördert die Entwicklung der Luft- und Raumfahrtindustrie durch eine Vernetzung mit der Automobilindustrie, Windenergie und Schiffbau.

Viele Studienangebote in Bremen verschaffen Studierenden aus aller Welt das nötige Rüstzeug für eine Karriere in der Raumfahrtindustrie. Dazu gehören allein vier Studiengänge an der Hochschule Bremen – darunter ein Dualer Bachelor-Studiengang. Die Universität Bremen bietet seit 2017 die beiden englischsprachigen Masterprogramme Space Engineering und Space Sciences and Technology an. Beide Hochschulen arbeiten eng mit Forschungsinstituten und Unternehmen vor Ort zusammen.

#2 Bremen – Das Tor zur Welt

Bremen und Meer? Eine jahrhundertealte Erfolgsgeschichte! Ein Schiff made in Bremen? Auf jeden Fall: Für alle Teilbereiche der Produktionskette findet sich mindestens ein Unternehmen am Wirtschaftstandort Bremen oder Bremerhaven. Das Bundesland ist der zweitgrößte Hafenstandort Deutschlands mit 1.300 Unternehmen und ca. 40.000 Arbeitskräften. Dazu kommen weitere mindestens 34.000 indirekt hafenabhängig Beschäftigte. Hier wird See- wie auch Binnenschifffahrt betrieben.

Die Häfen in Bremen und Bremerhaven sind die viertgrößte Containerdrehscheibe Europas. Bremen verzeichnet die höchste Exportquote unter den deutschen Bundesländern mit 65,4 Prozent: das entspricht insgesamt fast 74 Millionen Tonnen Gütern in 2019.

Neben den Häfen braucht es Lagerfläche und Infrastruktur, um die Waren im Land zu verteilen. Fünf Logistikzentren auf 1.486 Hektar Logistikfläche und mehr als 1.300 Unternehmen mit 20.000 Beschäftigten sorgen für einen reibungslosen Ablauf des Güterumschlags und –transports per Schiene, Straße und Luft.

Darüber hinaus bietet das Güterverkehrszentrum (GVZ) eine Million Quadratmeter Hallenfläche. Damit ist es Deutschlands und seit 2020 auch Europas Nummer eins – ein Standort von internationaler Bedeutung. Derzeit arbeiten dort 150 Unternehmen mit etwa 8.000 Fachkräften.

#3 Starker Standort für die Automobilindustrie

Bremen hat Benzin im Blut und neuerdings auch Strom. Der Automotive-Standort kann mit einer mehr als hundertjährigen Geschichte aufwarten. Mercedes-Benz ist heute der größte Arbeitgeber der Region mit 12.500 Mitarbeitern und einer Jahresproduktionszahl rund 400.000 Fahrzeugen. Neben den klassischen Autos mit Verbrennungsmotoren werden in Bremen mit der neuen Produkt- und Technologiemarke EQ auch Elektroautos gefertigt. 2019 startete hier die Produktions des EQC, einem vollelektrischen SUV.

Neben Mercedes-Benz bieten mehr als 40 Zuliefererunternehmen circa 5.000 weitere Arbeitsplätze, darunter führende Unternehmen wie die Hella Gruppe, Lear Corporation oder die Brose Gruppe. Mit dem Gewerbepark Hansalinie hat die Branche einen optimalen Standort mit direktem Autobahnanschluss an die A1 und schneller Anbindung zum Mercedes-Benz Werk.

Produktionsstandort Bremen, Automobildrehscheibe Bremerhaven: 2019 wurden 2,2 Millionen Fahrzeuge aus ganz Deutschland am Autoterminal umgeschlagen. Damit ist Bremen zweitgrößter Autoumschlagplatz Europas. Neben Europas führendem Automobillogistiker BLG arbeiten hier weitere Schwergewichte wie reimer logistics, Ipsen Logistics, PWL (Peter W. Lampke GmbH & Co. KG), Stute oder Weserport.

Das Netzwerk Automotive Nordwest e.V. vereint Hersteller, Zulieferer, Wissenschaft und Ausbildung. Es agiert als Plattform für branchenübergreifende Kommunikation und Kooperation in der Region.

#4 Einzigartig vernetzt im Windenergiesektor

Forschung, Entwicklung, Service und Wartung: Nahezu die komplette Wertschöpfungskette im Windenergiesektor wird in Bremen und Bremerhaven abgedeckt. Dieses Netzwerk bietet beste Voraussetzungen für den Aufbau und Betrieb von On- und Offshore-Projekten. Mehr als einhundert Unternehmen und Institutionen haben sich in beiden Städten angesiedelt, wovon etwa die Hälfte im Bereich der Offshore-Windenergie arbeitet. Heute ist das Land ein international anerkanntes Innovationszentrum der Branche.

Durch seine Küstennähe konnte sich Bremerhaven zu einem bedeutenden Standort für die Offshore-Windindustrie entwickeln. Die Häfen dort sind ein wichtiges Bindeglied und spezialisiert auf schwere und große Ladungen – den Break Bulk. In der Bremer Airport-Stadt nutzen viele  Zulieferer, Planungsbüros, Projektierer und Servicedienstleister Büroflächen.

Das Unternehmensnetzwerk WAB Windenergie-Agentur bietet die Möglichkeit für Kooperationen sowie den Austausch von Kompetenzen und ist Ansprechpartner der Region für die Offshore-Windenergie-Branche.

#5 Volle Kraft voraus in das Zeitalter der Digitalisierung

Die IT-Branche in Bremen belegt im Bundesländervergleich einen der vorderen Plätze und erwirtschaftete zuletzt über eine Milliarde Euro. Mehr als 1.300 Unternehmen haben sich am Wirtschaftsstandort Bremen angesiedelt, darunter namhafte Firmen wie team neusta oder die E-Commerce-Spezialisten hmmh. Bremen bietet verschiedene Faktoren, die eine Ansiedlung attraktiv machen wie die Fachkräfte-Versorgung oder die Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Die Alte Schnapsfabrik in der Bremer Neustadt
Sitz vieler kreativer und innovativer Unternehmen: Die Alte Schnapsfabrik in der Bremer Neustadt. © WFB/Frank Pusch

Neben den Unternehmen, die schon Spezialisten im digitalen Sektor sind, treibt alle anderen Unternehmen die Digitalisierung um. Arbeit 4.0, Prozessoptimierung, neue technologische Rahmenbedingungen, sich verändernde Märkte: All das sind wichtige Wettbewerbsfaktoren – für alle, ob groß oder klein. Große Unternehmen betreiben in Bremen ihre eigenen Innovationslabore wie das Innolab von Daimler oder das Digilab der BLG.

Kleine und mittlere Unternehmen finden Unterstützung und Förderangebote beim Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum. Es ist eines von 23 Zentren deutschlandweit, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert werden. Als erster Ansprechpartner hilft das Kompetenzzentrum dabei, den digitalen Wandel im Unternehmen umzusetzen.

#6 Innovation durch kreative Köpfe

Neben Hard Facts wie Umsatz oder Beschäftigtenzahlen ist die Kreativwirtschaft einer Stadt ein wichtiger Standortfaktor. Sie macht Bedarfe und Strömungen erkennbar, greift Herausforderungen der Zukunft auf und ist eng verzahnt mit der Digitalisierungsbranche, was zu innovativen Entwicklungen führt.

In Bremen gibt es etwa 1.800 kreative Unternehmen mit über 10.000 Beschäftigten, darunter international gefragte wie Urbanscreen. Überseestadt, Neustadt und Ostertorviertel sind die Hotspots der Kreativen. An der Hochschule für Künste im Speicher XI werden Nachwuchskräfte ausgebildet und gefördert.

Hochschule für Künste im Speicher XI
An der Hochschule für Künste im Speicher XI werden die kreativen Köpfe Bremens ausgebildet und gefördert. © WFB/Frank Pusch

Die Medienfördereinrichtung nordmedia finanziert Filmprojekte aus Niedersachsen und Bremen. Sie unterstützt Filme- und Medienmacher mit finanziellen Mitteln sowie Workshops und Networking-Veranstaltungen. In Bremen ist sie mit einem Regionalbüro im Weserhaus vertreten. 

Wer als Jungunternehmer oder Freelancer einen Arbeitsplatz sucht, findet ein umfangreiches Coworking-Angebot in Bremen. Viele Förderangebote und die Crowdfunding-Plattform Schotterweg helfen Gründern bei der Umsetzung ihrer innovativen Projekte. Erste Anlaufstelle für Gründungsinteressierte ist das Starthaus.

#7 Erfolgreicher Einzelhandel in der Stadt mit Handelstradition

Der Wahlspruch der Bremer Kaufleute lautet auch heute noch „Buten un binnen - wagen un winnen“ („Draußen und drinnen – wagen und gewinnen“). Der Spruch prangt über dem Eingang der Handelskammer – übrigens die älteste Kammer Deutschlands. Gute Erreichbarkeit und Vielfalt zeichnen den Einzelhandelsstandort aus. Über vier Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete die Branche 2017/18 erstmals. Mehr als 700 Geschäfte, 200 Gastronomiebetriebe und 50 kulturelle Einrichtungen sind in der City zu finden. Es mischen sich große, zum Teil internationale Stores, mit kleineren inhabergeführten Traditionsgeschäften.

Es tut sich viel in der Bremer Innenstadt: Rund eine Milliarde Euro investieren private Akteure in mehrere Projekte, um die Attraktivität des Standorts zu steigern. Die Kommunikationskampagne „Bremen wird neu“ informiert über alle Projekte und Baumaßnahmen. Der Schnoor und das „Viertel“ sind weitere angesagte Einkaufsmöglichkeiten im innerstädtischen Bereich. Darüber hinaus ergänzen mehrere Shoppingcenter und Fachmarktzentren der Bremer Stadtteile das Einkaufserlebnis Bremens.

#8 Von Kaffeebohnen, Fisch und anderen Leckereien

Nicht nur Autos gehen gut über die Bremischen Häfen – fast jede zweite Kaffeebohne wird über Bremen gehandelt. Die Häfen sind somit die wichtigste Importstation für Kaffee in Deutschland ein wichtiger Standortfaktor. Bremerhaven ist außerdem der größte Fischverarbeitungsstandort Deutschlands mit einem Marktanteil von 50 Prozent. Die Stadt wird auch Europas Tiefkühltruhe genannt: FRoSTA, Nordsee, Frozen Fish und Deutsche See betreiben hier ihre Tiefkühl- sowie Verarbeitungshäuser. In der Stadt an der Außenweser werden die weltweit beliebten Fischstäbchen produziert. FRoSTA und Frozen Fish produzieren zusammen 2,7 Milliarden Fischstäbchen pro Jahr. Das ist so viel, dass sie der Länge nach aneinander gelegt, fünfmal um die Erde reichen würden.

Bremen weist eine hohe Markendichte auf, darunter Schwergewichte wie Becks, Hachez, FRoSTA oder Melitta. Doch auch innovative Food-Start-ups fühlen sich hier pudelwohl. Übrigens: Auch wenn Bremen nicht gerade als Weinstandort bekannt ist, so kann die Stadt doch mit einem kleinen Rekord aufwarten. Der Bremer Ratskeller besitzt die weltweit größte Sammlung deutscher Weine.

Insgesamt erwirtschaftet die Nahrungs- und Genussmittelbranche zusammen mit dem Großhandel circa 2,5 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr und beschäftigt etwa 10.000 Menschen. Etabliert haben sich neben der verarbeitenden Industrie zahlreiche Dienstleister aus Logistik, Lagerei und Transport, Prüflabore und spezialisierte Forschungseinrichtungen.


Sie haben Fragen zu einer Ansiedlung in Bremerhaven? Die BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH steht mit Rat und Tat zur Seite.


Informationen über Bremens Gewerbeflächen und -gebiete erhalten Sie hier.

Foto

Iris Geber

Unternehmensservice und Standortentwicklung

Abteilungsleitung, Prokuristin

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!ed.nemerb-bfw[AT]rebeg.siri

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