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4.1.2024 - Mona Fendri

Literarisches Bremen – wo Bücherfans auf ihre Kosten kommen Teil 2

Tourismus

Hansestadt wurde mit dem UNESCO-Titel „Stadt der Literatur“ ausgezeichnet

Bücher vor den Stadtmusikanten
Seit Oktober 2023 trägt Bremen den UNESCO-Titel „Stadt der Literatur“. © WFB / Carina Tank

Seit Ende Oktober 2023 darf sich Bremen offiziell „Stadt der Literatur“ nennen. Die Stadt der Bremer Stadtmusikanten wurde von der UNESCO in das internationale Netzwerk der Creative Cities aufgenommen. Damit ist Bremen die siebte Kreativstadt in Deutschland, die von der Weltkulturorganisation ausgezeichnet wurde. Das Creative-Cities-Programm der UNESCO vernetzt weltweit Exzellenz-Zentren aus den Bereichen Film, Musik, Design, Gastronomie, Medienkunst, Handwerk und Literatur.

Doch was macht die Hansestadt zu einer Literaturstadt? Wo kommen Bücherwürmer, Leseratten und Liebhaber:innen des gesprochenen und geschriebenen Wortes auf ihre Kosten? Wo können Touristinnen und Touristen – aber auch Einheimische – mehr über Bremens literarische Seite erfahren? Und in welchen literarischen Werken – mal ganz abgesehen von dem Märchen der Bremer Stadtmusikanten – taucht die Stadt an der Weser auf?

Der erste Teil unseres Artikels, der sich auf Bremer Literaturorte und Veranstaltungen fokussiert, findet sich hier.

Mit Märchen, Sagen und Erzählungen durch die Stadt: literarische Führungen in Bremen

Auf die Spuren Bremer Erzählungen, Sagen und Märchen können sich Einheimische sowie Gäste der Hansestadt bei einem Rundgang durch die Stadt begeben. Bremen kann dabei mit den unterschiedlichsten literarischen Stadtführungen punkten.

Die Bremer LauschOrte – Bremen neu entdecken

Mythen und Geschichten, untermalt von Musikstücken, emotional aufbereitet: Die digitale Stadtführung „LauschOrte“ ermöglicht es Interessierten, sieben Bremer Orte neu kennenzulernen – unter anderem die Bremer Stadtmusikanten, die Sögeschweine oder das berühmte Schiff mit den grünen Segeln, die     “Alexander von Humboldt”. Auf eigene Faust und gewappnet mit einem Smartphone, können sich Touristinnen und Touristen sowie Bremer:innen auf Entdeckungstour begeben. Die LauschOrte stellen mit einem QR-Code Hörstücke von Bremer Künstler:innen bereit, die man an den jeweiligen Stationen abspielen kann.

Die Alexander von Humboldt
Die Alexander von Humboldt ist eine der sieben Sehenswürdigkeiten, die man bei den LauschOrten kennenlernen kann. © WFB / Carina Tank

Bremen ist sagenhaft – auf den Spuren Bremer Erzählungen

Bremen ist mehr als das Märchen der vier musizierenden Tiere. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich viele Geschichten, Sagen und Erzählungen angesammelt: die mysteriöse Geschichte der Giftmischerin Gesche Gottfried, die Legende der cleveren Sieben Faulen, die Sage des heldenhaften Rolands – dies sind nur ein paar der Erzählungen, die Bremen ausmachen. Bei der Stadtführung „Bremen ist sagenhaft“, organisiert durch die Abteilung Bremen Tourismus der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, geht es auf eine literarische Reise in die Geschichte der Bremer Geschichten. Wichtig zu wissen: Die Führung ist nur für Gruppen buchbar und nicht für einzelne Privatpersonen.

Bremen wie im Märchen – „Es hatte ein Mann einen Esel …“

Um das weltberühmte Märchen der Bremer Stadtmusikanten geht es hauptsächlich bei dieser Führung. Was steckt hinter dem Märchen? Wo ist das bekannte Tierquartett überall in Bremen zu finden? Und welche weiteren Sagen und Erzählungen hat die Hansestadt zu bieten? Die Stadtführung „Bremen wie im Märchen“ auf den Spuren von Esel, Hund, Katze und Hahn.

Eine Gruppe Tourist:innen vor den Bremer Stadtmusikanten
Bei der Stadtführung „Bremen wie im Märchen“ lernen Teilnehmende neue Facetten der Bremer Stadtmusikanten kennen. © WFB / Jonas Ginter

Bremen literarisch – eine Altstadtführung und kulinarischer Genuss

Das Projekt „Bremen in Szene gesetzt“ von Schauspielerin und Gästeführerin Kirsten Vogel bietet Altstadtführungen der etwas anderen Art. Beim Rundgang „Bremen literarisch“ erfahren Besucher:innen alles über die Bremer Innenstadt auf literarischer Ebene. Die Bremer Stadtmusikanten kommen zu Wort genauso wie die Bremer Gluckhenne, Heinrich Heine und Joachim Ringelnatz mit ihren Geschichten über oder aus Bremen sowie Rainer Maria Rilke, der Paula Modersohn Becker „wortmalerisch“ ins Bild setzt. Anschließend gibt es einen Gaumenschmaus in einem originalen Bremer Lokal.

Von Gräfin Emma und anderen Em(m)anzen – Bremens berühmte Frauen

Bremens weibliche Seite: Bei dieser Führung geht es um berühmte Frauen der Hansestadt. Der Rundgang durch die Altstadt zeigt anhand außergewöhnlicher Biografien von Bremerinnen ihren beschwerlichen Aufstieg in Politik, Justiz und ihre eigenständigen Wege in Kunst, Kultur und Literatur. Unter anderem geht es um die Bremer Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Marie Mindermann, die unter anderem 1867 zusammen mit der Bremer Pädagogin Ottilie Hoffmann einen Verein zur Ausbildung von Mädchen für gewerbliche und kaufmännische Berufe ins Leben rief und auch für das Frauenwahlrecht eintrat.

Bremen außer Rand und Band – Sprichwörter erklären Bremen

Haben Sie sich schon mal mit den Ursprüngen von deutschen Sprichwörtern und Redensarten befasst? Nicht alle lassen sich leicht deuten, bei manchen ist der Kontext, aus dem sie stammen, mit der Zeit verschwunden. Um diese Sprichwörter geht es bei der Führung „Bremen außer Rand und Band“. Zusammen mit einem Gästeführer oder einer Gästeführerin suchen die Teilnehmenden Orte in Bremen auf, die dabei helfen sollen, die Hintergründe der einen oder anderen Redensart besser zu verstehen – und erfahren so auch mehr über die Orte selbst. Getreu dem Motto: Sprichwörter erklären Bremen und Bremen erklärt Sprichwörter.

Schnoor bei Nacht
Bremen zeigt sich von seiner sinnlichen Seite bei der Führung „Rom des Nordens“. © WFB / Jonas Ginter

Rom des Nordens – Bremen sinnlich in Szene gesetzt

Der Bremer Autor und Fotograf Phil Porter lädt zu einem Stadtspaziergang ein irgendwo zwischen Begierden und Beobachtungen, wenn unter den Giebeln der Altstadt Geschichten zum Glitzern gebracht werden. Bei dieser Führung zeigt sich Bremen, das Rom des Nordens, sinnlich, eskapistisch und ein bisschen verlogen – eine neue Perspektive auf die altbekannte Hansestadt. Dabei geht es weniger um die berühmten Sehenswürdigkeiten Roland, Rathaus und Co., sondern vielmehr um die Menschen und die Geschichten, die die Stadt ausmachen. Begleitet wird die Altstadtführung von szenischen Lesungen, Live-Musik und einem rosigen Gin-Tonic auf Eis inklusive.

Mehr als nur Stadtmusikanten – Bremen in der Literatur

Wenn man an Bremen in der Literatur denkt, so fällt einem natürlich sofort das Märchen der Bremer Stadtmusikanten ein. Dabei haben es die musizierenden Tiere nie in die Hansestadt geschafft! Erstmals veröffentlicht von den Gebrüdern Grimm, greifen verschiedene literarische Werke die Erzählung ganz oder in Teilen auf – nicht zuletzt der Illustrator und Kinderbuchautor Janosch, der das Märchen auf frecher, ironischer Art neu erzählt. In Bremen selbst findet man viele Denkmäler und Angebote, die an das tierische Quartett erinnern. Dank ihnen hat es Bremen sogar in die Deutsche Märchenstraße geschafft.

Doch auch andere literarische Werke befassen sich mit der Stadt an der Weser. Hier kommt eine Auswahl davon – hätten Sie alle gekannt?

Robinson Crusoe – Sohn eines Bremer Kaufmanns

Wer hätte es gedacht? Robinson Crusoe hat einen bremischen Migrationshintergrund! Eingeführt wird der Held des weltweit bekannten Romans von Daniel Defoe als Sohn eines nach England ausgewanderten Bremer Kaufmanns – so heißt es gleich im ersten Satz aus dem gleichnamigen Roman: „Ich bin geboren zu York im Jahre 1632, als Kind angesehener Leute, die ursprünglich nicht aus jener Gegend stammten. Mein Vater, ein Ausländer, aus Bremen gebürtig, hatte sich zuerst in Hull niedergelassen (...)“

An den Helden bremischen Ursprungs erinnert das Robinson-Crusoe-Haus in der Bremer Böttcherstraße. Der Kaffeehändler Ludwig Roselius, dem man die Architektur der Häuser in der kleinen Straße zu verdanken hat, wählte den Namen für das Haus und symbolisierte damit den hanseatischen Tatendrang und Pioniergeist.

Die Bremer Stadtbibliothek
In der Stadtbibliothek finden Leseratten unzählige literarische Werke – unter anderem auch den weltberühmten Roman von Daniel Defoe. © WFB / Carina Tank

Heinrich Heine – eine Hommage an den Bremer Ratskeller

Hoher Besuch im Bremer Ratskeller: 1826 hielt sich der deutsche Dichter und Schriftsteller Heinrich Heine auf seiner Reise an die Nordsee in Bremen auf und stattete dabei dem Bremer Ratskeller einen Besuch ab. Die gute Stimmung und die exquisiten Weine schienen es ihm angetan zu haben. In seinem „Buch der Lieder“ besingt Heine den Bremer Ratskeller. „Glücklich der Mann, der den Hafen erreicht hat, und hinter sich ließ das Meer und die Stürme, und jetzo warm und ruhig sitzt im guten Ratskeller zu Bremen.“

Das freute die Bremer:innen natürlich und so widmeten sie dem Dichter nicht nur ein, sondern gleich zwei Denkmäler. Im Bürgerpark erinnert eine Bank an den berühmten Bremen-Gast. Und am Altenwall bei der Kunsthalle Bremen zeigt ein Bronzedenkmal den sitzenden Heine auf einem 1,20 Meter hohen Sandsteinsockel.  

Wilhelm Hauff – ein denkwürdiges Erlebnis im Bremer Ratskeller

Auch ein anderer deutscher Schriftsteller scheint einen Aufenthalt im Bremer Ratskeller genossen zu haben. In seinem satirischen Werk „Phantasien im Bremer Ratskeller. Ein Herbstgeschenk für die Freunde des Weines“ lässt Wilhelm Hauff seinen Erzähler ein nächtliches Trinkgelage im Bremer Ratskeller durchleben. In seinem Delirium verwischen sich zunehmend die Grenzen zwischen Realität und Phantasie. Bei der Geschichte selbst soll es sich allerdings nicht ausschließlich um ein Phantasiewerk handeln, sondern sie soll  durchaus autobiografische Züge haben. So verarbeitet Hauff in dieser Erzählung seinen eigenen Aufenthalt in Bremen, besonders einen vom Bürgermeister ihm zu Ehren veranstalteten Abend im Ratskeller.

Eine Frau sitzt auf einer Bank mit einem Regenschirm und liest ein Buch
Bremen in der Literatur – Nicht nur im Märchen der Bremer Stadtmusikanten spielt die Hansestadt eine Rolle © WFB / Lissi Savin

Joachim Ringelnatz – Briefe einer literarischen Reise

„Hier gelt ich nix, und würde gern was gelten, Denn diese Stadt ist echt, und echt ist selten.“
So beginnt das Gedicht „Bremen“, das Joachim Ringelnatz in seinen „Reisebriefen eines Artisten“ veröffentlichte. 1928 in Erstauflage erschienen, versammelt das Werk überwiegend Gedichte, die Ringelnatz für die satirische Zeitschrift Simplicissimus schrieb. Dabei nimmt der Dichter seine Leser:innen auf eine literarische Reise durch verschiedene Orte – darunter auch Bremen. Denn „reich ist die Stadt. Und schön ist ihre Haut“.

Till Eulenspiegel – gleich vier Streiche in Bremen

Auch der spöttische Till Eulenspiegel hat nachweislich die Hansestadt besucht und dort mit seinem Schabernack Chaos gestiftet. Gleich vier seiner Schelmenstücke soll er in Bremen verübt haben: Am Markttag prellt er die Milch-Zeche und zettelt so eine Schlägerei zwischen den Bäuerinnen an, er gewinnt eine Wette gegen einen Bischof, lässt sich von Kaufleuten verwöhnen und verteilt vor dem Rathaus kleine Steine, um „Schälke“ zu säen.

Ein Orchester auf der Bühne
Das jährliche Open-Air-Festival „Sommer in Lesmona“ erinnert an den gleichnamigen Roman von Marga Beck. © WFB / Jörg Sarbach

Sommer in Lesmona – Herzschmerz im Bremer Norden

Um Liebe, Hoffnung und Enttäuschung geht es im Roman „Sommer in Lesmona“ von Marga Berck. In ihren Briefen an ihre Schwester verarbeitet die junge Erzählerin ihre kurze Liebe zum Engländer Percy, den sie im Haus Lesmona in Bremen St. Magnus im Laufe eines schicksalhaften Sommers kennenlernt. Heute erinnern in Knoops Park eine Bronzebüste, aber auch das jährliche Klassik-Open-Air-Festival „Sommer in Lesmona“ an die traurige Liebesgeschichte. Verfilmt wurde die Romanze zudem 1987 mit Katja Riemann.

Neue Vahr Süd – Zeiten des Aufbruchs

In seinem Roman „Neue Vahr Süd“ zeichnet Autor und „Element of Crime“-Sänger Sven Regener den bremischen Aufbruch der 1980er Jahre nach. Es ist eine Zeit, in der Studierende die Weltrevolution planen und Hausbesetzer:innen und Kulturschaffende das Bremer Viertel für sich entdecken. Der Titel bezieht sich auf das Neubaugebiet Neue Vahr Süd im Bremer Osten. Wer doch nicht so gerne liest, hat Glück: 2010 wurde das Buch nämlich verfilmt.

Literaturorte, Bücherfestivals, Stadtführungen auf den Spuren von Sagen und Märchen – die Bremer Literaturwelt ist riesengroß. Dazu kommen noch eine Vielzahl an besonderen und traditionsreichen Buchhandlungen und Verlagen und auch einige berühmte Autorinnen und Autoren hat die Stadt an der Weser hervorgebracht. Viele weitere Informationen zur Literaturstadt Bremen finden sich auf dem Bremer Stadtportal.

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