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4.3.2021 - Anna Kehl

Unter die Lupe genommen: Bremer Umwelt- und Klimaforscher:innen

Wissenschaft

Im Hintergrund türmen sich schneebedeckte Gletscher auf, im Vordergrund offenes Meer
Das Eis schmilzt: Welche Folgen auf die Erdbewohnenden zukommen, erforschen Umwelt- und Klimawissenschaftler:innen in Bremen. © pixabay

Geballte Kompetenz aus Bremen: Durch das weit verzweigte Netzwerk aus Forschungseinrichtungen gilt die Hansestadt als erstklassiger Standort für Wissenschaft und Technologie. Dabei forschen kluge Köpfe in Bremen abseits vom Elfenbeinturm, denn Wissenschaft und Wirtschaft sind eng miteinander verbunden. Wer sind die Expertinnen und Experten, die an zukunftsweisenden Themen und Technologien arbeiten?

Monatlich stellen wir hier ein Bremer Innovationscluster vor. Ging es im ersten Teil der Reihe hoch hinaus ins Weltall, ist diesmal Tiefgang angesagt: zum Beispiel bei einem Ausflug in 400 Meter Wassertiefe zu Kaltwasserkorallenriffen vor Norwegen. Sieben kluge Köpfe aus Umwelt- und Klimawissenschaften erforschen in Bremen und Bremerhaven den Einsatz erneuerbarer Energien, entwickeln Zukunftsszenarien für Meeresbewohner:innen und entdecken mitunter unbekannte Lebewesen.

Unterschätzte Ressourcen

1. Dr. Alice Lefebvre

Ein Frau mit dunklem Zopf und Brille steht lächelnd vor einer hellen Wand.
Dr. Alice Lefebvre vom MARUM – Zen­trum für Ma­ri­ne Umweltwissen­schaf­ten der Universität Bremen. © WFB / Jonas Ginter

… vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) an der Universität Bremen erforscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin die Dynamik von Küsten. Hier macht sich der Klimawandel bemerkbar: Der Meeresspiegel steigt und verschluckt mitunter ganze Strände. Dabei sei gerade Sand eine der wichtigsten Ressourcen der modernen Gesellschaft und sollte mehr Beachtung erfahren, so die Wissenschaftlerin. Neben ihrer Forschung und Lehrtätigkeit ist Lefebvre auch eine von drei Frauenbeauftragten am MARUM. Manchmal vermisst sie die Strände Südfrankreichs, hatte sie ursprünglich doch nur einen zweijährigen Aufenthalt als Postdoktorandin in Bremen geplant. Langfristig überzeugt haben sie schließlich das großartige Forschungsumfeld und die grüne Lunge der Hansestadt. Hier geht es zum Interview.

Geschichten erzählende Schneekristalle

2. Dr. Stefanie Arndt

Eine Frau steht lächelnd in einem Kellerraum voller Forschungsgegenstände.
Dr. Stefanie Arndt ist Wissenschaftlerin am Alfred-Wegener-Institut (AWI). © WFB/Jonas Ginter

ist Wissenschaftlerin am Alfred-Wegener-Institut (AWI) Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Einmal im Jahr tritt sie an Bord des Forschungseisbrechers Polarstern die weite Reise in die Polarregionen an. „Wenn man draußen an Deck steht und das Eis am Rumpf des Schiffes brechen und knacken hört, und bis zum Horizont nichts als weiße Eiswüste sieht, sind das Bilder und Momente, die für lange im Gedächtnis bleiben – wenn nicht sogar für immer“, erzählt sie begeistert. Das liebste Forschungsmedium der Wissenschaftlerin ist Schnee: Auf ihren Expeditionen untersucht Arndt dicke Schneeschichten, die sich auf Eisschollen angesammelt haben. Unter der Lupe lassen sich die verschiedenen Schneekristalle genau erkennen – und dabei erzählt jeder seine eigene Geschichte. Denn Wind und Temperaturschwankungen verändern die Struktur. Wie Kristalle die Folgen des Klimawandels aufzeigen, erzählt die Wissenschaftlerin im Interview.

Zu Hause in der Meeresgeologie

3. Prof. Dr. Dr. h. c. Gerold Wefer

Gerold Wefer, ein Mann mit weißen Haaren, Brille und kurzem Bart, lehnt sich an einen mannshohen eckigen Forschungsapparat, auf dem das Logo des MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften zu sehen ist.
Prof. Dr. Dr. h. c. Gerold Wefer gründete das MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen. © WFB / Jonas Ginter

… hat die Bremer Wissenschaftsszene einen Meilenstein zu verdanken: 2005 gründete er das MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und leitete das Institut anschließend sieben Jahre lang. Nach Forschungstätigkeiten in Kiel und Kalifornien folgte er 1985 dem Ruf auf eine Professur nach Bremen. „Es war für mich ein Glücksfall, da ich hier meine Ideen von Forschung in den Meereswissenschaften realisieren konnte“, blickt der Wissenschaftler zurück. Die Bremer Wissenschaftsszene vergleicht Wefer mit einem Elefanten: „stark, klug, feinfühlig, ausdauernd und mit hoher Sozialkompetenz“. 2020 endete seine Leitung der Forschungsprofessur Meeresgeologie – in der Wissenschaftsvermittlung ist er aber weiterhin aktiv: im Vorstand des Bremer Hauses der Wissenschaft, das mit Ausstellungen, Vorträgen und Diskussionen spannende Einblicke in die Bremer Wissenschaft bietet.

Von Korallen und anderen Meerestieren

4. Prof. Dr. Christian Wild

Christian Wild
Prof. Dr. Christian Wild erforscht die Zukunft der Meere. © WFB/Jonas Ginter

… lehrt und leitet das Fachgebiet Marine Ökologie an der Universität Bremen. Seine Forschung ermöglicht einen Blick in die Zukunft der Meere – durch Simulationen, bei denen in 50 oder 100 Jahren erwartete Bedingungen eintreten. „Wir messen dann die Reaktionen der Meerestiere auf diese Bedingungen und können so Aussagen treffen, was passieren wird, wenn wir uns so oder so verhalten“, erklärt der Wissenschaftler. Ein unvergessliches Erlebnis für Wild war die Reise im U-Boot zu Kaltwasserkorallenriffen in rund 400 Metern Wassertiefe vor Norwegen – trotz Platzangst, wie er im Interview verrät. Aktuell arbeitet er federführend in der Organisation des 14th International Coral Reef Symposium (ICRS 2021).

Insektendetektiv

5. Dr. Volker Lohrmann

Ein rothaariger Mann in einem dunkelblauem Hemd mit fassungsloser Brille, Irokesenschnitt und Bart steht lächelnd im Vordergrund des Bildes. Hinter ihm ist verschwommen ein großer Raum mit Pflanzen und grünen Sitzinseln zu sehen.
Dr. Volker Lohrmann vom Übersee-Museum Bremen. © WFB / Jonas Ginter

… ist seit 2013 Kurator und Sachgebietsleiter Entomologie am Übersee-Museum Bremen. Der Weg nach Bremen führte ihn über Forschungsstationen an zahlreichen Instituten, darunter das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe, das Museum für Naturkunde Berlin und die Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften. Am liebsten taucht Lohrmann in die Strukturen kleinster Lebewesen unter dem Mikroskop ein: „Meine taxonomische Forschung trägt zur Erfassung der weltweiten Vielfalt des Lebens bei. Erst die Erfassung der Organismen ermöglicht es uns, nachhaltigen Naturschutz zu betreiben – denn: Man kann nur schützen, was man kennt“, so der Entomologe. Erst im Januar 2021 entdeckte er eine bislang unbekannte Wespengattung in einem 100 Millionen Jahre alten Bernstein. Eine andere Wespenart trägt sogar seinen Namen: Die „Eorhopalosoma lohrmanni“ entdeckten kalifornische Wissenschaftler und würdigten mit der Namensgebung den Bremer Insektenforscher.

Mit Solarstrom betriebene Klimaforschung

6. Dr. Doris Sövegjarto-Wigbers

Eine Frau mit kurzen Haaren und schwarzer Brille steht lächelnd vor einem einem weiß blühenden Baum. Sie trägt einen hellblauen Blazer und eine weiße Bluse.
Dr. Doris Sövegjarto-Wigbers gewann für ihren Einsatz als Klimaschutzmanagerin den Bremer Klimaschutzpreis. © WFB / Jonas Ginter

… ist Umweltkoordinatorin und Klimaschutzmanagerin an der Universität Bremen. Nicht nur Forschungsprojekte zu den Themen Klimawandel und Klimaschutz finden hier ihre Heimat – auch im täglichen Betrieb hat sich die Universität zum Ziel gesetzt, klimafreundlich zu handeln. Ein Höhepunkt ihrer Berufslaufbahn war für die Wissenschaftlerin die Gründung einer Solargenossenschaft: Seit 2011 produzieren Photovoltaik-Anlagen auf verschiedenen Gebäuden der Universität Bremen ökologischen Strom. „Ich alleine kann die Welt nicht retten. Aber ich hoffe, einen kleinen Beitrag zu leisten, um die Menschheit in die Lage zu versetzen, sich selbst zu retten“, sagt sie. Für ihr Engagement gewann die Wissenschaftlerin 2014 den Bremer Klimaschutzpreis. Hier geht es zum Interview.

Den fernen Riesen ganz nah

7. Telsche Nielsen-Lange

Eine Frau mit langen Haaren und schwarzer Brille steht in einer Halle, die rechte Hand liegt auf einem Werktisch, auf dem ein dünnes Material ausgebreitet ist.
Telsche Nielsen-Lange sorgt am Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES dafür, dass die Erkenntnisse aus der Windenergieforschung den direkten Weg an die Hochschulen finden. © WFB / Jonas Ginter

… arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Stabsstelle für Hochschulkooperationen, Weiterbildung und Wissenstransfer am Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES in Bremerhaven. Sie sorgt dafür, dass die Erkenntnisse aus der Windenergieforschung den direkten Weg an die Hochschulen finden – zu den Ingenieurinnen und Ingenieuren von morgen. „Ich bin in Nordfriesland neben den ersten Windrädern aufgewachsen, habe die erste sehr kleine Windenergiemesse ‚Husum Wind‘ mit Begeisterung besucht, in Freiburg und Oldenburg Physik und Hochschuldidaktik studiert und bin mit meinen Erfahrungen und Kompetenzen am Fraunhofer IWES genau an der richtigen Stelle gelandet“, findet die Wissenschaftlerin. Hätte sie einen Stand auf dem Bremer Freimarkt, dem größten Volksfest in Norddeutschland, könnten Interessierte dort mit einer VR-Brille eine Offshore Windenergieanlage betreten und die „fernen Riesen“ einmal aus nächster Nähe bestaunen.

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