+49 (0) 421 9600-10
5.2.2020 - Jann Raveling

„Ich will Gutes essen und Gutes tun“

Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft

Längst kein Geheimtipp mehr unter Foodies: Der Bremer Gewürzhandel

Daniel König, Gründer des Bremer Gewürzhandels
Daniel König, Gründer des Bremer Gewürzhandels © Bremer Gewürzhandel

Ist es Curry? Zimt? Paprika? Wenn der Wind richtig steht, weht ein süßlich-würziger Duft durch die Leipziger Straße im Bremer Stadtteil Findorff. Und wer seiner Nase folgt, landet schon bald im Ladengeschäft des Bremer Gewürzhandels, wo aus der sanften Gewürzbrise eine aromatische Reise um die Welt wird: Rosmarin und Thymian aus Italien, Curry aus Indien, Sternanis aus Asien.

Hobbyköche geraten hier schnell ins Schwärmen – neben zahllosen Gewürzen warten hier Trockenfrüchte, Tee, Honige, Kaffee oder Snacks auf ihren Kücheneinsatz. Für Kochfans ist der Bremer Gewürzhandel längst kein Geheimtipp mehr: Das Unternehmen hat sich in den vergangenen zehn Jahren zu einem der führenden Online-Gewürzanbieter in Deutschland gemausert. Wer im Internet nach neuen Kochzutaten sucht, kommt um die Bremer kaum herum. Das Ladengeschäft im Stadtteil Findorff ist da nur das Tüpfelchen auf dem i.

Anspruch: Unschlagbar in Preis und Qualität

Das Geheimnis des Erfolgs: Alles ist echt. Und damit sind weniger die hochwertigen Zutaten oder der Verzicht auf Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe in allen Produkten gemeint. Es geht vielmehr um den Geist, der dahinter steht. „Genießen ist pures Glück – und mein Lebensthema“, sagt Daniel König über sich. Der 43-jährige gründete 2010 den Bremer Gewürzhandel, mittlerweile beschäftigt er mehr als 40 Angestellte, in der Wintersaison bis zu 65.

„Ich will den Menschen tolle Produkte zu einem fairen Preis bieten“, das ist seine Maxime. Mit Konzepten wie Profitmaximierung kann er wenig anfangen, für König zählen allein die Produkte und das, was Koch-Fans damit anfangen. Wer mit ihm redet, merkt: Am liebsten würde er noch selbst an der Kasse stehen und jede Kundin und jeden Kunden beraten, hätte er als Geschäftsführer nicht noch zahlreiche andere Baustellen.

Blick ins Bremer Ladengeschäft im Stadtteil Findorff
Blick ins Bremer Ladengeschäft im Stadtteil Findorff

Liebe zum Kochen

Man könnte es Bescheidenheit nennen. Oder Leidenschaft. Als Kind einer Göttinger Bäckerfamilie wurde ihm die Liebe zu guten Lebensmitteln in die Wiege gelegt. Trotzdem zog es ihn zunächst als Medienkaufmann nach Hamburg, wo er in Fernsehproduktionen mitwirkte. Doch die Liebe zu Lebensmitteln ließ ihn nicht los. Und so fand sich König Mitte der 2000er Jahre mit einem Backwarenstand auf Märkten in der Region wieder. Damals verkaufte er nebenbei Gewürze, die er selbst abfüllte. Er merkte, wie seine Produkte auf eine steigende Nachfrage trafen.

Der offene Verkauf ist nach wie vor ein – wenn auch kleineres – Standbein des Bremer Gewürzhandels. Auf Wochen- oder Weihnachtsmärkten oder auf Events in der Region schätzen Norddeutsche die persönliche Beratung und das große Angebot. „Auch wenn unser Offlinegeschäft nur einen kleineren Teil des Umsatzes ausmacht, möchte ich daran festhalten. Das ist, woher wir kommen und wofür wir stehen“, sagt er überzeugt.

Gute Produkte allein reichen nicht

Kundinnen und Kunden goutieren das, Unternehmensberater könnten es „altmodisch“ nennen. Aber damit würde König gut zurechtkommen. Er hat seinen eignen Stil und eigene Erwartung an das, was ein Unternehmen ausmacht. „Wir wollen mehr Produkt als Marke sein“, ist so ein Satz, der von ihm stammt.

Wenn das Unternehmen an einer Spende von einem Cent scheitert, dann habe ich etwas falsch gemacht

Daniel König

Er ist einer, der sich Gedanken macht. Dazu gehört auch, einen Blick für die Welt zu haben. Und was er sieht, sagt ihm: Er muss mehr tun. „Gute Produkte zu verkaufen war mir irgendwann nicht mehr genug, ich wollte Veränderungen schaffen, etwas Soziales tun“, rekapituliert er. Aber für ein Ehrenamt fand er keine Zeit. Die Lösung? Jeden Tag etwas Gutes tun, mit seinem Unternehmen.

„Ich habe begonnen, eine eigene Produktreihe „Genusshelfer“ zu schaffen. Von jedem verkauften Produkt ging ein Cent an einen guten Zweck. Ich hab mir damals gesagt: Wenn das Unternehmen an einer Spende von einem Cent scheitert, dann habe ich etwas falsch gemacht“, erzählt er.

Sechsstellige Spendensumme erreicht

Dass er nichts falsch gemacht hat, haben die Jahre bewiesen: Aus einem Cent sind fünf geworden und aus einer speziellen Produktreihe heute eine Spende bei jedem verkauften Artikel aus dem gesamten Sortiment. 110.000 Euro sind so bisher zusammengekommen. Eine Summe, über die sich er sich freut wie – nunja – ein König eben.

Die Erlöse kommen dem Verein „Target“ des Abenteurers Rüdiger Nehberg zugute, der sich damit in Afrika gegen die noch immer verbreitete Praxis der Genitalbeschneidung bei Mädchen engagiert. „Ich traf Nehberg vor Jahren auf einem Vortrag und mich hat damals beeindruckt, wie er alles für eine Sache gibt, sich im positivem Sinne selbst aufgibt, um zu helfen. Und da habe ich mich gefragt: Wie kann ich meinem täglichen Handeln mehr Sinn geben?“, erinnert sich der Unternehmer. Heute verbindet die beiden eine lange Freundschaft.

Und auch darüber hinaus ist König dem „guten Wirtschaften“ eng verbunden. So steht er etwa in Kontakt mit der Hilfswerft, einem Bremer Unternehmen, das sich der Förderung des sozialen Unternehmertums verschrieben hat. Der Gewürzhändler könnte sich gut vorstellen, in Zukunft weitere Kooperationen mit lokalen Unternehmen einzugehen.

Alle Gewürze werden selbst gemischt und abgefüllt – in der Produktion riecht es entsprechend verführerisch
Alle Gewürze werden selbst gemischt und abgefüllt – in der Produktion riecht es entsprechend verführerisch © Bremer Gewürzhandel

10 Jahre – eine Bilanz

Vor kurzem zeigte sich König im Fernsehen – im NDR anlässlich einer weihnachtlichen Koch- und Backshow. Für den Gewürzhändler ein weiterer Schritt zu deutschlandweiter Bekanntheit, auch wenn er bescheiden abwiegelt: „Es ist schön, dass unser Erfolg bemerkt wird“.

Wenn er auf die vergangenen zehn Jahre zurückblickt, gibt es aber auch einige Dinge, die er gern ändern würde. "Ich hätte mir viel früher Profis zu verschiedenen Bereichen ins Boot holen sollen, statt alles selbst machen zu wollen. So sind einige Prozesse liegen geblieben, die wir erst jetzt nachholen.“ Ein modernes Marketing gehört da etwa dazu – um noch stärker wahrgenommen zu werden als „Bremer Gewürzhandel“.

Unternehmen und Investoren drängen auf den Markt

Denn die Konkurrenz schläft nicht. Gerade in den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen und vor allem junge Start-ups das Thema „Gewürze“ für sich entdeckt. Einige von erlangten durch Auftritte in Shows wie „Die Höhle des Löwen“ breite Bekanntheit. „Der Markt hat sich verändert. Kunden können heute in kleinen Margen im Großhandel kaufen, das Einkaufsverhalten und das Verkaufsverhalten haben sich somit geändert. Menschen probieren öfter verschiedene Shops aus“, führt er aus. „Wir können mit unseren Versprechen von guter Qualität und fairen Preisen aber nach wie vor punkten“.

Mit neuen Expertinnen und Experten im Team hat sich König persönlich vorgenommen, in Zukunft mehr Zeit in Produktentwicklung und Innovation zu stecken. Denn dafür findet er jetzt wieder Zeit. Und das auch nicht ganz uneigennützig: Denn aus seinen Produkten etwas Neues zaubern, Gewürze, Nüsse und Trockenfrüchte zu neuen Leckereien zusammenzufügen, liegt dem Genießer und Hobbykoch schließlich im Blut.


Mehr Infos zur Nahrungs- und Genussmittelbranche in Bremen hier

Teresa Rieger (rechts) macht seit 2019 eine Ausbildung zur Keramikerin bei Tanja Möwis
Pressedienst
08.09.2020
Auf den Ton kommt es an

Schönes aus Keramik boomt: Töpferkurse sind ausgebucht, Restaurants servieren auf Steinzeugtellern, Galerien entdecken Porzellan neu. Doch wer Keramikerin oder Keramiker werden will, hat es schwer. Ausbildungsplätze sind bundesweit rar gesät. Eine kleine Ausnahme bildet das Viertel in Bremen.

ab in die Tontalentschmiede
Start-ups
04.09.2020
Mit Leidenschaft die Krise gemeistert: grüne Aussichten bei Two Greens

Das Eröffnungsdatum ihres Pflanzen-Ladens fiel exakt auf den ersten Tag des Corona-Lockdowns. Wie sie die Krise erlebt und ihre Idee zu Two Greens trotzdem verwirklicht hat, erzählt die Gründerin Nina Fischer.

Zum Starthaus
Unternehmensservice Bremen
01.09.2020
So gelingt die Einstellung ausländischer Fachkräfte aus Drittstaaten

Unternehmen können jetzt Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland deutlich schneller einstellen. Dafür sorgt ein neues, beschleunigtes Verfahren. In Bremen zeigt der Willkommensservice, wie die Einstellung gelingt.

in 6 Schritten zur Fachkraft