+49 (0) 421 9600-10
16.8.2019 - Jann Raveling

Drei Freunde bauen sich ein Verlies

Erfolgsgeschichten
Schnitzeljagden auf Adrenalin - Hinter den Kulissen eines Escape-Rooms in Bremen
Authentische Requisiten sorgen für gruselige Atmosphäre im Escape-Room
Authentische Requisiten sorgen für gruselige Atmosphäre im Escape-Room © WFB/Raveling

Ein schwaches Licht illuminiert die Gefängniszelle. Unheimliche Geräusche krächzen aus der Ferne, grauenerregende Folter-Apparaturen hängen an den Wänden, alles wirkt heruntergekommen, düster, vermodert. Wie bin ich hier nur hereingekommen? Und wie zur Hölle komme ich wieder heraus, bevor ich in die Hände meines Entführers falle?

Eine Stunde. So viel Zeit bleibt, um sich aus „High Voltage – Unter Strom“ zu befreien – mitten in der Bremer Innenstadt, in der Nähe des Bahnhofs. Heraus gelangt, wer Hinweise findet, Mechanismen entschlüsselt und einen kühlen Kopf behält. Es ist einer von vier Escape-Rooms, welche die Bochumer Firma „LOCKED“ in Bremen eröffnet.

Nervenaufreibendes Erlebnis im Bremer Escape-Room

Die Räume liegen in einem ehemaligen Ladenlokal, das heute nicht wiederzuerkennen ist. Dafür haben Yasin Karapinar, Stephan Langhoff und Viktor Huhn gesorgt. Die drei sind die Choreografen des Gruseln und Rätselns, gleichzeitig Unternehmensgründer. Die Firma betreibt an zwei Standorten in Deutschland Escape-Rooms – Schnitzeljagden auf Adrenalin.

Kleine Gruppen von bis zu sieben Personen werden in aufwendig gestaltete Räume eingeschlossen und haben eine Stunde Zeit, herauszukommen. Dabei müssen sie allerhand Rätsel lösen und Hinweise finden, um letztendlich zu entkommen. Neben den fest eingebauten Räumen bietet LOCKED auch einen „mobilen“ Escape-Room an, welcher beispielsweise zu Teambuilding-Maßnahmen oder Firmenevents in den Räumlichkeiten der Kunden aufgebaut werden kann.

Gründer Yasin Karapinar im Empfangsbereich - von hier starten die Gruppen in ihre Abenteuer
Gründer Yasin Karapinar im Empfangsbereich - von hier starten die Gruppen in ihre Abenteuer © WFB/Raveling

Herzblut, Schweiß und Tränen im Akkord

Genauso spannend wie das Abenteuer in den Räumen ist ein Blick hinter die Kulissen. Die drei Anfangdreißiger haben sich an der Uni Bochum im Maschinenbaustudium kennengelernt. Sie konstruieren ihre Räume komplett in Eigenregie. Dabei fließt jede Menge Herzblut: „Wir haben uns in Bremen eine Wohnung gemietet und arbeiten für sechs Monate wochentags zwölf bis vierzehn Stunden, bis ein Raum fertig ist. In Bremen planen wir insgesamt vier Räume“, erzählt Karapinar.

Wer bereits einmal ein Escape-Spiel mitgemacht hat, merkt schnell, dass hier etwas Besonderes vor sich geht. Jeder Spielraum ist komplex aufgebaut, liebevoll eingerichtet und mit interaktiven Elementen versehen. Jedes Rätsel ist neu, aus der Konserve gibt es bei den dreien nichts. „Andere Anbieter kaufen sich solche Räume fertig ein und da kann es passieren, dass eingefleischte Fans zweimal auf den gleichen Raum treffen. Das ist dann eine absolute Enttäuschung. Das wollen wir nicht“, versichert er.

Zahlenkombinationen austüfteln, Hinweise finden: Das macht den Reiz von Escape-Rooms aus
Zahlenkombinationen austüfteln, Hinweise finden: Das macht den Reiz von Escape-Rooms aus © WFB/Raveling

Die eigenen Ansprüche erfüllen

Wie komplex so ein Erlebnisraum ist, wird hinter den Kulissen klar. Hunderte Meter Kabel werden verlegt, damit Schalter, Sensoren, Lampen, Nebelmaschinen und Automatiken funktionieren. An vielen Stellen verstecken sich Minicomputer, die Licht, Sound und Rätsel steuern. Tausende Zeilen Code schreiben die drei, damit jedes Rädchen ineinander greift.

Hunderte Stunden Zeit stecken sie so in Requisiten – bis Gefängniszellen gruselig oder Schiffsrümpfe authentisch gealtert sind. „In unserem Horrorraum haben wir einen alten Behandlungsstuhl eingebaut, original aus den 60ern – den wir irgendwo in Niedersachsen aufgetrieben haben“, sagt Karapinar. Requisiten, die jedes Theater neidisch werden lassen.

Dem Team ist Immersion wichtig, das Gefühl, wirklich Teil einer Geschichte zu sein. „Es gibt mittlerweile viele Escape-Rooms, die jedoch oft ähnliche Motive behandeln. So müssen die Spielerinnen und Spieler häufig etwa Bomben entschärfen oder in Laboren bestimmte Gegenmittel finden. Wir wollen etwas Neues bieten und setzen deshalb auf Themen wie Fantasy oder Horror“, so Karapinar.

Selbst ist der Mann: Gründer Stephan Langhoff liebt es, neue Herausforderungen für die Besucherinnen und Besucher zu schaffen
Selbst ist der Mann: Gründer Stephan Langhoff liebt es, neue Herausforderungen für die Besucherinnen und Besucher zu schaffen © WFB/Raveling

Multi-Multitalente beim Bau eines Escape-Room gefragt

Tischlern, Programmieren, 3D-Designen, Malern, Gestalten, Sounds komponieren, es gibt kaum ein Metier, in dem die drei nicht unterwegs sind. „Wir sind allesamt Maschinenbauer, den Rest haben wir uns mit der Zeit selbst beigebracht“, schildert Stephan Langhoff bescheiden. Ihr wichtigstes Talent – ein erfolgreiches Unternehmen zu leiten – auch. Sie beschäftigen mittlerweile 15 Personen, die meisten davon Studierende, welche den täglichen Betrieb aufrechterhalten, während die drei Gründer an neuen Ideen tüfteln.

Denn jeder Raum wird von einem Game-Master per Kamera überwacht, während sich die Gruppen den Herausforderungen stellen. „So gewährleisten wir einerseits die Sicherheit, andererseits kann der Spielleiter Hinweise geben, sollte eine Gruppe überhaupt nicht weiterkommen“, erklärt Langhoff.

Im Kontrollraum sitzt der GameMaster und überwacht jede Gruppe - und gibt auch mal Hinweise
Im Kontrollraum sitzt der GameMaster und überwacht jede Gruppe - und gibt auch mal Hinweise © WFB/Raveling

Testen, Testen, Testen

Das klappe in der Regel ganz gut. Denn im Vorfeld vor der Eröffnung eines neuen Raums lassen die drei die Abenteuerspielplätze intensiv von Freunden und Bekannten testen. „Es ist auch schon vorgekommen, dass wir Rätsel entwickelt haben, die für uns total logisch waren, die unsere Besucherinnen und Besucher aber partout nicht lösen könnten. Da hatten wir uns katastrophal verrannt.“

Dann heißt es: Zurück ans Reißbrett. Im Blick behalten sie dabei stets die Story, welche die Gruppe durch die Räume führt und zu der die Rätsel passen müssen – auch ein Element, was „LOCKED“ aus der Masse heraushebt.

Teile von Rätseln im Raum „High Voltage – Unter Strom“
Teile von Rätseln im Raum „High Voltage – Unter Strom“ © WFB/Raveling

Beruf oder Berufung?

Am Anfang war der Escape-Room nur ein Hobby. „Wir hatten parallel noch Jobs. Aber irgendwann ließ sich der Aufwand des Bauens und Konstruierens nicht mehr nebenbei betreiben“, schildert Karapinar. Die drei leben für ihre Vision und man könnte fast auf die Idee kommen, das Betreiben der Escape-Rooms sei nur Mittel zum Zweck: Damit sie noch mehr Zeit haben, Apparaturen zu konstruieren, zu tüfteln und Geschichten zu fabulieren.

Vielleicht auch ein Grund, warum sie nach Bremen gekommen sind. In Bochum wurde es ihnen zu eng, sie wollten raus, an einem neuen Standort Neues ausprobieren, schildern sie. Die Millionen-Städte waren bereits überlaufen mit vielen Anbietern, in Bremen sahen sie noch Potenzial.

„Die Stadtmusikanten waren das Einzige, was wir über Bremen wussten“, erinnert sich Karapinar. „Deshalb war von Anfang an klar: Wir brauchten Hilfe, um hier Fuß zu fassen.“ Sie wandten sich an die Wirtschaftsförderung. „Die Unterstützung war vorbildlich. Ob bei der Suche nach Räumlichkeiten oder bei Informationen zu Finanzierungsthemen, wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben!“

Welches Rätsel sich in diesem Buchstabensalat wohl verbirgt?
Welches Rätsel sich in diesem Buchstabensalat wohl verbirgt? © WFB/Raveling

Kein Ende in Sicht – weitere Escape-Rooms in Bremen geplant

Zwei Räume lassen sich in Bremen bereits durchspielen – der Horrorraum und eine Seefahrerstory. Weitere sollen hinzukommen. Wie die aussehen, das wissen sie noch nicht. Auch nicht, wohin es sie als nächstes verschlägt. Aber neue Ideen, die haben sie haufenweise. Und wenn der Weg das Ziel ist, dürfte die drei nichts so schnell aufhalten. Und wenn doch: Rätsel zu lösen liegt ihnen mittlerweile im Blut.


Wer einmal selbst die Abenteuer erleben möchte: Zwei Räume sind bereits jetzt buchbar, der dritte Raum steht ab dem 31. Oktober 2019 zur Verfügung.

Foto Thorsten Tendahl

Thorsten Tendahl

Akquisition und Projekte

Abteilungsleiter

T +49 (0) 421 9600-121

!ed.nemerb-bfw[AT]lhadnet.netsroht

Erfolgsgeschichten
28.07.2020
10 Firmenzentralen in Bremen

Bremen ist einer der größten Industriestandorte Deutschlands. International tätige Konzerne nutzen die Hansestadt als Firmenzentrale oder Verwaltungssitz – zehn Beispiele, die nicht jeder kennt.

zu den Zentralen
Erfolgsgeschichten
23.07.2020
Geschafft! WFB-Auszubildende mit guten Abschlüssen

Von Tourismus- und Freizeit- über Immobilienkaufleute, bis hin zum Einsatzfeld in der Fachinformatik für Systemintegration. Die Palette der angebotenen Ausbildungsberufe in der WFB ist vielfältig.

Mehr erfahren
Gewerbeflächen
22.07.2020
Ein neues Ärztezentrum in der Bremer Neustadt entsteht

Wir sagen herzlich willkommen in Bremen! Mit fünf Millionen Euro Investitionen und rund 100 Arbeitsplätzen stärkt das neue Augenzentrum Bremen-Neustadt die Gesundheitsversorgung in der Stadt. Warum das neue Gebäude auch ein Café beherbergt – und eine Kinderarztpraxis.

Mehr erfahren