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17.12.2020 -

Briefe aus dem Silicon Valley: Winter 2020

Internationales

Technologien und Trends aus dem Tal der Techies

Briefe aus dem Silicon Valley

Werden wir alle nur noch im Homeoffice arbeiten und online bestellen? Und was wird dann aus den Büro- und Einzelhandelsimmobilien? Diese und weitere Fragen stellen wir uns in unserem Winter-2020-Brief.

Direkt aus den USA meldet sich Tim Ole Jöhnk, Direktor des Northern Germany Innovation Office (NGIO), mit Themen, welche das Silicon Valley in den vergangenen Tagen und Wochen heiß beschäftigten. Sie wollen die Briefe regelmäßig als Newsletter erhalten? Melden Sie sich hier an.

Sharing-Economy und neue Raumnutzung

In einem kurzen Intro-Videobeitrag spricht Tim Ole Jöhnk über die Zukunft der Immobiliennutzung, wie sie das Silicon Valley gerade sieht.

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Büros und die Frage nach der Arbeit der Zukunft

Homeoffice oder Büro? Das Silicon Valley kann sich beides vorstellen
Homeoffice oder Büro? Das Silicon Valley kann sich beides vorstellen © pixabay

Das Homeoffice ist in den vergangenen Monaten für Viele zur Normalität geworden. Einige Unternehmen aus dem Silicon Valley kündigten an, auch in Zukunft teilweise oder komplett auf das Homeoffice zu setzen – etwa Twitter oder Facebook, das von einem Anteil von 50 Prozent Mobilarbeit bis 2025 ausgeht. Was wird dabei aus den Campus und Bürotürmen, in denen Zehntausende beschäftigt sind?

Einen innovativen Ansatz verfolgt der Cloud-Dienstleister Dropbox. Er nennt sein neues Arbeitsmodell „Virtual First“. Das Homeoffice wird zur Normalität für alle Angestellten, darüber hinaus gibt es an den ehemaligen Standorten des Unternehmens verteilt „Dropbox Studios“. Diese Orte sind der Teamarbeit gewidmet – es sollen Kreativlabore entstehen, in denen Angestellte zusammenkommen, wenn sie sich im Team treffen wollen, um etwa gemeinsam Aufgaben zu lösen. Darüber hinaus weicht das Unternehmen den Standard-Arbeitstag auf, sodass Angestellte flexibler arbeiten können, und erarbeitet Tools, die das gemeinsame Arbeiten über Distanz erleichtern sollen. Damit mochte Dropbox die Vorteile des Homeoffice mit den Vorteilen von Bürostrukturen verbinden – denn gerade die mangelnden Möglichkeiten kreativen Teamarbeitens werden im reinen Homeoffice immer wieder kritisiert.

Für die Unternehmen des Valley hat der hohe Homeoffice-Anteil gleich mehrere Vorteile. Neben den geringeren Kosten pro Mitarbeitenden für Miete und Büroausstattung können sie Angestellte überall rekrutieren – und sind nicht auf die San-Francisco-Bay-Area beschränkt. An Orten mit niedrigeren Lebenshaltungskosten können die Techkonzerne auch weniger zahlen – und manche gehen gar soweit, Angestellten, die aus dem Valley aufgrund der neuen Homeoffice-Regelungen wegziehen, das Gehalt zu kürzen.

Aber nicht alle sehen der neuen Working-from-Home-Welt uneingeschränkt positiv entgegen – steigende Burn-out-Gefahr aufgrund von Überarbeitung ist eine der Bedenken. Die Metropolitan Transportation Commission der Bay Area machte vor kurzem sogar den Vorschlag, die Drei-Tage-Office-Woche offiziell einzuführen, um den Verkehr zu verringern und Klimaziele einzuhalten. Dem setzte sich die lokale Politik klar hingegen, unter anderem mit den Hinweis, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen darunter leiden würden, da diese oft nicht über die entsprechenden Möglichkeiten verfügten wie die großen Techkonzerne.

Einen weiteren Einwand bietet Steelcase, ein Hersteller von Büromöbeln aus Michigan. Mit einem nachvollziehbaren Eigeninteresse hat das Unternehmen zahlreiche Studien zusammengestellt, die zeigen sollen, dass sich das reine Homeoffice nachteilig auf Produktivität auswirkt und auf Dauer zu geringerer Leistungsfähigkeit führt. Aber auch der Möbelproduzent sieht kein Back-to-Business nach der Pandemie. Das Unternehmen forscht intensiv am Arbeitsplatz der Zukunft, auch in Zusammenarbeit mit zahlreichen Hochschulen weltweit, darunter der LMU München. Was dabei herauskommt, ähnelt dem Ansatz von Dropbox: Eine Flexibilisierung des Arbeitslebens. Angestellte sollen die Chance haben, frei zwischen Homeoffice und Büro zu wählen und am Arbeitsplatz flexiblere Räume vorfinden. Diese sollen den Wechsel zwischen Einzelarbeit und Kreativer Teamarbeit erleichtern, neue Raumarrangements ermöglichen – kurz den Nutzerin und den Nutzer stärker in den Fokus des Arbeitens stellen.

Nutzerzentriertes Design ist hier das Stichwort der Zeit. Das bedeutet auch mehr Kollaboration, mehr Zusammenarbeit über Firmenebenen hinweg, zum Beispiel, in dem sich eine Firma Raum mit einer anderen teilt und es dabei auch zum Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Angestellten kommen kann. In dieser Entwicklung sieht das Silicon Valley eine große ökonomische Zukunft und die Chance, mit eigenen Plattformen digitale Dienstleistungen darumherum anbieten und Geld verdienen zu können.

Darkstore und Co. – wie es einfacher wird, Amazon paroli bieten

Amazon paroli bieten - eine Kombination aus verschiedenen Diensten macht es möglich
Amazon paroli bieten - eine Kombination aus verschiedenen Diensten macht es möglich © pixabay

Wenn es um die Auswirkungen der Coronakrise geht, ist der raketenhafte Anstieg des Onlinehandels zweifellos der zweite große Trend nach dem Homeoffice. Im gleichen Atemzug wird dabei vom Aussterben des lokalen Einzelhandels und steigenden Leerständen in den Städten berichtet.

Einen großen Teil des Kuchens genehmigt sich dabei Amazon – rund 50 Prozent der amerikanischen Retail-Onlineverkäufe gehen auf das Konto des Onlineriesen. Aber: Rund die Hälfte dieser Verkäufe geschehen nicht durch Amazon selbst, sondern durch Dritte, die Amazon als Verkaufsplattform nutzen – oft dabei auch sehr kleine Läden oder spezialisierte Onlineshops. Sie profitieren von der gigantischen Logistikinfrastruktur, neben den Logistikcentern auch von Amazon-Flugzeugen und eigens gecharterten Schiffen.

Dieser Service kommt jedoch mit einem Preisschild: Die Amazon-Gebühren verringern die Gewinnmarge. Zudem haben vor allem bekannte Marken mit Imitaten und Plagiaten zu kämpfen, die nicht immer sofort von der Handelsplattform verschwinden. Das macht es Herstellern oft schwerer, ihre Produkte so zu präsentieren, wie sie es sich wünschen. Einige große Marken, wie die Schuhhersteller Nike, Birkenstock oder Vans haben deshalb ihre Produkte von Amazon entfernt, um eigene Shops aufzubauen.

Dabei hilft ihnen unter anderem ein Start-up aus dem Silicon Valley: Darkstore. Das Unternehmen biete, wie es selbst sagt, Warehouse-as-a-service – also das Warenlager als Dienstleistung. Ziel des Start-ups ist es, Lieferservices analog zu Amazon bieten zu können, bis hin zur Same-Day-Delivery. Dazu baut es auf urbane Logistiklager, die möglichst nah am Kunden sind – und auch schon mal in leerstehenden Einzelhandelsgeschäften eingerichtet werden. Im Gegensatz zur klassischen Kontraktlogistik zahlen Kunden nicht für die Lagerung, sondern erst beim Warenausgang für jedes versendete Teil. Das Unternehmen kooperiert dabei mit weiteren Diensten der Supply Chain – etwa dem kürzlich an die Börse gegangenen Unternehmen Doordash für die Auslieferung. Der Service ist bisher in New York und Los Angeles verfügbar, soll aber bald weiter wachsen.

Zusammen mit weiteren Dienstleistern im Onlinegeschäft, wie etwa dem Onlineshopkonfigurator Shopify, Zahlungsdienstleistern wie Paypal oder Lieferdiensten wie Doordash entsteht so allmählich eine Infrastruktur, die es auch mittelständischen Unternehmen ermöglicht, Serviceversprechen wie bei Amazon bei ihren Kundinnen und Kunden einzuhalten, ohne die Logistik und das Branding des Platzhirsches nutzen zu müssen. Damit können sie dem Riesen Paroli bieten und selbst unabhängig weiter wachsen.

Save the Date: „Innovation zwischen Ost und West – Wie DeepTech und KI die Welt verändern werden"

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